Neues Abluftkonzept hilft Energie-Verbrauch der Müllaufbereitung zu senken

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Abluftsammelleitungen am Rottetunnel (Foto: © RWTH Aachen, Institut für Aufbereitung und Recycling)

Bonn — Die Behandlung der Abluft in mechanisch-biologischen Müllverbrennungsanlagen (MBA) ist energieaufwändig. Wie der Energieeinsatz in diesen Anlagen, insbesondere für die biologische Prozessführung und die anschließende Abluftbehandlung, reduziert werden kann, wollen Forscher des Instituts für Aufbereitung und Recycling der RWTH Aachen und des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart untersuchen.

65 Prozent der Energie für Abluftbehandlung

Projektleiter Erdogan Coskun erklärt: „MBA-Prozesse schließen immer eine biologische Behandlungsstufe unter aeroben Bedingungen ein, die als Intensiv- und/ oder Nachrotte gestaltet ist. Pro Tonne behandelten Abfalls entsteht ein Abluftstrom von bis zu 8.000 m3, der unter anderem mit flüchtigen organischen Kohlenstoffverbindungen beladen ist.“ Diese Abluft muss gesammelt und gereinigt werden, um Emissions-Grenzwerte einhalten zu können. Die Reinigung der Abluft erfolgt über Biofilter, Wäscher sowie regenerative thermische Oxidationsanlagen (RTO). Da RTO jedoch nicht für die Abluft aus MBA konzipiert sind, ist deren Einsatz in MBA nur mit erheblichem Energieaufwand möglich. Pro Tonne behandeltem Abfall werden etwa 100 kWh benötigt, wovon circa 65 Prozent auf das Konto der Abluftbehandlung gehen. Der erhöhte Energieverbrauch in der Abluftbehandlung ist auf den Stützgaseinsatz (z. B. Erdgas, Biogas) bei der RTO zurückzuführen.

Biologische Stabilisierung im Rottetunnel

Die Forscher arbeiten für die praktische Erprobung mit der MBA des Landkreises Aurich in Großefehn zusammen. Hier beträgt der spezifische Energieaufwand für die Behandlung des Hausmülls etwa 80 kWh/t. Allein zwei Drittel davon macht auf der Versuchsanlage der Stützgasbedarf der RTO aus. Die Forscher entwickeln entlang des gesamten Prozessablaufs – von der mechanischen über die biologische Abfallbehandlung bis hin zur Abluftreinigung – Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. So wollen sie den spezifischen Energiebedarf um etwa ein Viertel auf 60 kWh/t senken. Übertragen auf alle MBA in Deutschland ergibt das ein Energieeinsparpotenzial von mehr als 100 GWh.

In Deutschland bearbeiten etwa 45 Anlagen zur mechanisch-biologischen Abfallbehandlung (MBA) jährlich etwa fünf Millionen Tonnen gemischte Siedlungsabfälle. Aktuell sind in der EU etwa 330 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 33 Millionen Tonnen pro Jahr in Betrieb. Experten erwarten, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts etwa 440 Anlagen 46 Millionen Jahrestonnen bearbeiten.

Das vollständige Projektinfo kann unter bine.info heruntergeladen werden.

Quelle: BINE Informationsdienst