Umweltkongress: Recyclingwirtschaft braucht Praktikabilität statt Ideologie

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(v.l.): Jürgen Resch und Dr. Eric Schweitzer auf dem 2. Braunschweiger Umweltkongress (Foto:ALBA Group)

Braunschweig — Recycling und Ressourcenschutz sind wesentliche Eckpfeiler einer verantwortungsvollen Wirtschaftsweise und Klimapolitik. Gerade im Hinblick auf internationale politische Veränderungen dürften auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebens- und Konsumgewohnheiten als wesentliches Ziel von Umwelt- und Wirtschaftspolitik nicht in den Hintergrund geraten. Zur Erreichung dieses Ziels seien Wirtschaft und Politik gleichermaßen gefordert. So lautete das übereinstimmende Votum der Referenten und Gäste auf dem 2. Braunschweiger Umweltkongress, der gestern in Braunschweig stattfand.

„Gelebte Kreislaufwirtschaft ist ein wesentlicher Standortfaktor für Niedersachsen“, erklärte Ingelore Hering, Abteilungsleiterin im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium. „Es handelt sich hierbei um einen riesigen neuen Markt, der zusätzlich zur klassischen Produktion entsteht. Diesen Geschäftszweig gilt es, weiter zu entwickeln und zu fördern. Niedersachsen ist für diese Zukunftsaufgabe gut gewappnet.“

Angesichts der auf Bundesebene diskutierten Gesetzesvorhaben und der im kommenden Jahr anstehenden Bundestagswahl betonte Dr. Eric Schweitzer, ALBA Group-Vorstandsvorsitzender und DIHK-Präsident: „Es ist an der Zeit, dass wir aus den jahrelangen Diskussionen der Vergangenheit eines lernen: Wir können es uns nicht leisten, pragmatische Lösungen einer Ideologie unterzuordnen, die am Ende nur Ergebnisse erzeugt, mit denen keiner zufrieden sein kann.“ Und er fügte hinzu:„Die private Recyclingwirtschaft in Deutschland hat gezeigt, dass sie innovativ und leistungsstark ist, wofür wir im Ausland große Anerkennung erhalten. Höhere Recyclingquoten sind ebenso machbar wie die Erfassung und Verwertung von stoffgleichen Nichtverpackungen. Lassen Sie uns keine weitere Zeit verlieren, die wir angesichts zur Neige gehender Rohstoffquellen offensichtlich nicht haben.“

„Die deutsche Recyclingwirtschaft wird zurecht im Ausland geschätzt und anerkannt, denn ihre Erfolge in Sachen Technik und Know-how sind nicht von der Hand zu weisen“, unterstrich Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe e.V. „Doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir trotz allem erst am Anfang stehen. Tatsächlich begegnet uns das Gegenteil von gelebter Nachhaltigkeit an jeder Ecke, denkt man nur an die zunehmenden Berge an Coffee-to-go-Bechern. Wir fordern maximale Vermeidung und ein tatsächliches Verantwortungsgefühl, das konsequent gelebt wird – angefangen beim Hersteller bis hin zum Konsumenten. Hierfür bedarf es ordnungspolitische Vorgaben und Kontrolle sowie Vollzug der geltenden Gesetze. Denn am Ende stehen wir alle in der Verantwortung, den nachfolgenden Generationen keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen.“

Einer Schätzung des UN-Umweltprogramms UNEP zufolge verbrauchen die reichsten Länder der Welt schon heute rund zehnmal so viel Material wie die ärmsten – und etwa doppelt so viel wie der globale Durchschnitt. Währenddessen gehen die Primärrohstoffe in vielen Lagerstätten zur Neige, und die Erschließung neuer Minen bringt meist starke Beeinträchtigungen der Lebensräume von Mensch und Tier mit sich. Der Ausbau einer modernen Kreislaufwirtschaft wird damit unumgänglich.

Allein durch die Recyclingaktivitäten der ALBA Braunschweig GmbH konnten im Jahr 2015 über 117.000 Tonnen Primärrohstoffe eingespart werden – entsprechend dem Gewicht von circa 95.000 Mittelklassewagen. Gleichzeitig konnten rund 16.000 Tonnen Treibhausgase vermieden werden: Das entspricht rund 110 Millionen gefahrenen Kilometern – knapp 20.000 Mal die Strecke Braunschweig-Gibraltar und zurück.

Quelle: ALBA Group