Strategien gegen Obsoleszenz: UBA-Studie deckt Handlungsmöglichkeiten auf

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Elektroschrott (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Dessau-Roßlau — Untersuchungen im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA)haben gezeigt, dass Elektrogeräte kürzer genutzt werden als noch vor 10 Jahren. Produkte, die vor Erreichen einer optimalen Lebens- oder Nutzungsdauer ersetzt werden (sogenannte Obsoleszenz), haben einen höheren Verlust von Ressourcen und eine vermehrte Entstehung von Abfällen zur Folge. Daher sieht das Umweltbundesamt Handlungsbedarf und hat auf Basis von zwei Forschungsvorhaben nun in einem Positionspapier Empfehlungen für Strategien gegen Obsoleszenz vorgelegt.

Viele Elektro- und Elektronikgeräte, wie Kühlgeräte, Smartphone oder Fernseher, werden immer kürzer genutzt. Die Gründe sind vielfältig. Gerade im Bereich der Unterhaltungselektronik und Informationstechnik sind Technologiesprünge und der Wunsch nach einem neuen Gerät häufig Auslöser für den Neukauf. Gleichzeitig gehen jedoch immer mehr Geräte innerhalb der ersten fünf Jahre kaputt – so stieg beispielsweise der Anteil der Haushaltsgroßgeräte, die aufgrund eines Defekts bereits innerhalb der ersten fünf Jahre ersetzt wurden, von 3,5 Prozent im Jahr 2004 auf 8,3 Prozent im Jahr 2013. Eine Verbraucherbefragung im Rahmen der Studie zu den Produktgruppen Waschmaschinen, Fernsehgeräte, Notebooks, Wasserkocher und Handmixer zeigt, dass rund ein Drittel der Befragten unzufrieden mit der Lebensdauer der Produkte waren.

Strategien gegen Obsoleszenz müssen gleichzeitig an Strategien zur Erreichung einer gesicherten Mindestlebensdauer und Verlängerung der Produktlebensdauer sowie Strategien zur Verlängerung der Produktnutzungsdauer durch die Verbraucherinnen und Verbraucher ansetzen.

Die Studie kommt schließlich zu folgenden Empfehlungen:

  1. Festlegung von Produktstandards zur Mindestlebensdauer, als erster Schritt ggf. zunächst für Produktkomponenten
  2. Einführung einer Informationspflicht zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Reparaturservice
  3. Einführung einer Pflicht zur Angabe der garantierten Lebensdauer (Herstellergarantie-Aussagepflicht)
  4. Erweiterung verbraucherschutzrechtlicher Verbandsklagebefugnisse auf Umweltverbände
  5. Verbesserte Rahmenbedingungen für Reparatur
  6. Reduzierter Mehrwertsteuersatz für Reparaturdienstleistungen
  7. Stärkung der Wertschätzung für Produkte

Positionspapier inclusive Handlungsempfehlungen für Gesetzgebung, Hersteller und Verbraucher zu „Strategien gegen Obsoleszenz. Sicherung einer Produktmindestlebensdauer sowie Verbesserung der Produktnutzungsdauer und der Verbraucherinformation“ können unter umweltbundesamt.de heruntergeladen werden.

Quelle: Umweltbundesamt