Christo-Stoff für Reitplätze oder Dämmung: Altex recycelt „Floating Piers“-Textilien

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Karsten Stienemann vor den Resten des Floating Piers-Materials (Foto: Altex)

Gronau — Das Christo-Projekt „Floating Piers“ findet in Gronau aktuell seinen endgültigen Abschluss. Die Altex Gruppe recycelt das Material des im Sommer am italienischen Lago d‘Iseo begehbaren Kunstprojektes und bringt ihn zurück in den Textilkreislauf.

Neben dem daliengelben Oberflächengewebe verarbeitet der Textilspezialist teilweise auch den rutschfesten Untergrund-Vliesstoff weiter. Die Recycling-Fasern und Textilhäcksel kommen als Geotextil im Garten-Landschafts- und Straßenbau und bei Dachbegrünungen zum Einsatz. Die Textilhäcksel aus dem Untervlies werden als Tretschichtverbesserung auf Reitplätzen verwendet.

„Der Zuschlag für den Recycling-Auftrag belegt einmal mehr das große Vertrauen von Christo in unsere Arbeit“, betont Karsten Stienemann, Geschäftsführer der Altex Textil- Recycling GmbH & Co. KG. Nach der Reichstagsverhüllung und den „Wrapped Trees“ in der Schweiz war ein Unternehmen der Altex Gruppe zum dritten Mal an einem Christo-Projekt beteiligt.

Zu Nadelvlies oder Mischfasern

Aus den recycelten Fasern entsteht aktuell bei Altex ein Nadelvlies, den das Unternehmen anschließend an Kunden ausliefert. Alternativ verarbeitet Altex die Fasern, abgemischt mit anderen textilen Rohstoffen, neu in technischen Vliesstoffen aus dem eigenen Haus.

Der recycelte daliengelbe Christo-Stoff kommt zum Beispiel als Geotextil im Garten-Landschaftsbau, speziell zum Schutz von Teichfolien, in der Bewehrung von Straßen oder als Dämmmaterial von Dachbegrünungen zum Einsatz. Die Christo-Stoffe weisen dabei vergleichbare Eigenschaften wie recycelte Industrie- und Automobilgurte auf. Altex verarbeitet davon jährlich mehr als 1.000 Tonnen.

Auch Teile des Vliesstoffs, der als rutschfester Untergrund für das daliengelbe Oberflächenmaterial diente, recyceln die Gronauer. Diesen hatte die Altex Gronauer Filz GmbH & Co. KG, ein Schwesterunternehmen von Altex Recycling, für die „Floating Piers“ gefertigt. Das Unternehmen zerkleinerte den Stoff zu Textilschnipseln. Diese kommen nun auf Reitplätzen in der obersten Sandschicht zum Einsatz. „Die Textilschnipsel stabilisieren die Tretschicht, damit der Huf stabilisiert wird und der Pferdefuß im Sand nicht wegbricht“, erklärt Stienemann.

Aufwändige Vorarbeiten bis zur Weiterverarbeitung

Vor der laufenden Weiterverarbeitung zersetzten die Gronauer das Gewebe. Größte Herausforderung war der hohe Verschmutzungsgrad des Stoffes. Über Wochen waren zuvor die Besucher der „Floating Piers“ am Lago d‘Iseo in Italien größtenteils barfuß über das Gewebe gelaufen. Schmutz-, Wasser- und Steinablagerungen waren die Folge. Die Altex-Mitarbeiter entfernten diese ebenso wie die für das Projekt konfektionierten Metallösen – teilweise in Handarbeit.

Nach der Säuberung schnitt das Textil-Unternehmen die großen Stoffbahnen auf. Eine spezielle Maschine mit sechs Reißkammern zerkleinerte die Häcksel anschließend zu einzelnen Fasern. Diese wurden zur Zwischenlagerung zu Pressballen verarbeitet.

Recyclingquote von annähernd 100 Prozent

Altex erhielt den Recycling-Zuschlag für einen großen Teil der Christo-Textilien des „Floating Piers“-Projekts. Das Unternehmen verarbeitete insgesamt zehn Hektar Textilgewebe. Der Textil-Spezialist prüfte dabei die eingehenden Textilien – wie grundsätzlich bei allen Rohstoffen von industriellen Materialien bis hin zu Altkleiderresten – auf ihre Markttauglichkeit. Eignen sie sich für die Weiterverarbeitung, erzielt das Unternehmen eine Recyclingquote von annähernd 100 Prozent.

„Das Recycling der Rohstoffe unterscheidet sich für uns nur aufgrund des Namens hinter dem Projekt von anderen Aufträgen.“ Für Stienemann steht aber bereits jetzt fest: „Wir werden uns auch für das neue Christo-Kunstprojekt ,Over the river‘ empfehlen.“

Quelle: Altex Gruppe