bvse-Forum: Mittelständische Schrott-Wirtschaft muss aktivere Rolle übernehmen

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Auf dem Schrott-Forum (v.l.): Manfred Leber, Patrick Oeser, George Bond und Sebastian Will (Foto: bvse)

Bonn — „Für eine zukunftsorientierte Schrottwirtschaft wird es nicht ausreichen, durch qualifizierte Dienstleistungen wie Sammeln, Lagern und Weiterverkaufen im Markt zu bestehen. Stattdessen wird es notwendig sein, die originäre Wertschöpfung aus dem Aufbereitungsprozess zu erzielen.“ Das erklärte bvse-Vizepräsident Sebastian Will auf dem diesjährigen Forum Schrott des bvse-Fachverbands Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling am 10. November in Wolfsburg.

Der Branche sei klar, dass sie nicht zuletzt auch im Hinblick auf die von der EU angestrebte Circular Economy und deren strengem Fokus auf die Produktlebenszyklusbetrachtung ihre Situation neu überdenken müsse, um weiter eine aktive Rolle in der Kreislaufwirtschaft spielen zu können. Sebastian Will wörtlich: „Der Sekundärrohstoff Schrott bewegt sich als internationale Handelsware in einem Marktumfeld, das trotz scheinbar zunehmender Transparenz nach wie vor schwierig und schwer durchschaubar ist. Die Marktteilnehmer müssen sehr flexibel, anpassungsfähig und innovationsbereit sein, wenn sie den Herausforderungen der Branche im internationalen Marktgefüge begegnen wollen.“

Ausbau von Qualität und Dienstleistung notwendig

Stahlwerke, die schon heute einen großen Preisdruck auf die Branche ausüben, könnten ansonsten die Lieferanten zu reinen Zulieferern degradieren, warnte George Bond, Director Business Development der Sicon GmbH. Die Branche müsse frühzeitig reagieren und zum Konzeptpartner der Schrottverbraucher werden, damit Kreisläufe auch in Zkunft in idealer Weise geschlossen werden können. Der große Vorsprung der Branche liege in erster Linie in der hohen Materialexpertise und ihrer Innovationskraft.

Dass die weitere Neuausrichtung des Dienstleistungsbereichs und der Qualität der aufzubereitenden Schrotte von größter Bedeutung sind, bestätigte auch der Geschäftsführer der Metallverwertungsgesellschaft mbH, Manfred Leber. Er zeigte sich überzeugt, dass aus einer Qualitätsverbesserung heraus die notwendige Steigerung der Margen grundsätzlich möglich sei. Voraussetzung dazu sei aber, dass die Wertschöpfung auch in der Branche bleiben müsse.

Bessere Schrottqualität ist der Schlüssel

EU-weit wurden im Jahr 2015 ca. 91 Millionen Tonnen Schrott gesammelt und verarbeitet. Alleine mit den darin enthaltenen, rund 11,6 Millionen Tonnen an nichtmetallischem Material gingen beispielsweise den Stahlherstellern rund 2,6 Milliarden Euro pro Jahr an Profit verloren. „Die Verbesserung der Schrottqualität ist der Schlüssel“, erklärte George Bond. Alleine die Erhöhung des FE-Metallanteils im Schrott auf 98 Prozent könne die Produktivität und Ausbringungsmenge bei der Stahlherstellung um 13 Prozent steigern. Außerdem würde sich der Schmelzvorgang wesentlich kostengünster gestalten als beim Einsatz von Schrott mit einem FE-Anteil von nur 85 Prozent, so der Branchenexperte.

Das Wissen um das noch zum großen Teil brachliegende Wertschöpfungspotenzial im Sekundärrohstoff Schrott biete Vorteile, die sich sowohl die Schrottwirtschaft als auch die Stahlindustrie zunutze machen und im Gewinn teilen könnten. Die Schrottwirtschaft sei in der Lage, die Stahlindustrie mit einem hochwertigen Sekundärrohstoff versorgen zu können, der für die europäische Stahlverarbeitung enorme Einsparpotenziale sowie eine Erhöhung der Profitabilität bis zu einer Summe von 27 Milliarden Euro pro Jahr biete, hob George Bond hervor.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.