Nicht nur Bleistifte: Manaomea designt Produkte aus alten Kleidungsstücken

542
Ulrich Riedel führt die Produktionsmaschine vor (Foto: manaomea GmbH)

München — Mit Hilfe eines Verfahrens aus der Luft- und Raumfahrt hat ein Wissenschaftlerpaar ein neues künstliches Material geschaffen – aus Naturfasern und alten Kleidungsstücken. Ihr erstes Produkt sind Design-Bleistifte ausTextilien. Die beiden Gründer der manaomea GmbH haben mit ihrem social Start-Up manaomea ein ambitioniertes Crowdfunding gestartet, um ihre eigene Produktionsanlage zu bauen.

Für ihre Bleistifte nutzen Riedel und Arlt weggeworfene Kleider oder Textilreste aus Fabriken. In Deutschland werden jährlich 100.000 Tonnen alter Kleidung weggeworfen und verbrannt. Diesem Stoff geben die manaomea-Stifte ein neues Leben. Zu den alten Textilien mischt manaomea Naturfasern wie Jute, Flachs oder Baumwolle – nachwachsende Pflanzen, bei deren Produktion kaum Abfall entsteht. Dazu geben Christine Arlt und Ulrich Riedel ein Abfallprodukt aus der Zuckerrohr-Produktion als Naturklebstoff. Das Verfahren heißt „Pultrusion“, ein aus der Luft- und Raumfahrt abgeleitetes Verfahren. Normalerweise werden damit aus Carbonfasern Teile für Satelliten gefertigt, aber auch Automobilhersteller nutzen die Technologie für die Herstellung leichter und widerstandsfähiger Autoteile.

Neues Material, neue Formen, neue Haptik

Die eigentliche Erfindung der beiden ist das Material selbst. Mit ihrem Verfahren können sie eine große Variation an Farben und Formen produzieren – und so eine ganze Reihe an Produkten herstellen, die momentan aus erdölbasiertem Plastik oder aus Holz sind. Denkbar sind Möbel aller Art oder auch Laptop-Cases, um nur zwei Beispiele zu nennen. Das Material ist so stabil wie Massivholz, so leicht wie Carbon und (fast) so formbar wie Plastik. Die Bleistifte sind das erste Produkt von manaomea. Für andere Formen und andere Maßstäbe sollen bestimmte Teile der Produktionsanlage umgerüstet werden.

Ulrich Riedel steht selbst fast jeden Tag an der Produktionsmaschine in Stuttgart. Denn die manaomea-Technologie ist zwar einerseits High-Tech, aber andererseits auch solide Handarbeit. Das merkt man auch den Stiften an. Sie liegen deutlich robuster in der Hand als herkömmliche Bleistifte, haben eine ganz eigene Haptik und schöne Oberflächenmaserung. Ihre Mine ist durch das Pultrusionsverfahren so fest mit dem Mantel verbunden, dass sie absolut bruchsicher ist – rohe Gewalt ausgenommen.

Viel Größeres als nur Stifte aus Textilfasern

Das Patent für das Material besitzt Ulrich Riedel schon seit 2002. Bis er 2005 Christine Arlt kennenlernte. Zuerst kam die Liebe, dann die Begeisterung für das gemeinsame Projekt. Arlt: „Da war dieser liebenswerte, geniale Kopf mit seinem Material und der Idee für Stifte. Ich habe gemerkt: Die können etwas viel Größeres sein als einfach nur Stifte aus Textilfasern. Dieses Produkt brauchte eine Seele.”

Zusammen gründeten die beiden die manaomea GmbH, und durch Arlt wurden die Stifte zu Geschichtenerzählern. „Es gibt wenige Dinge, die Menschen so nah an sich tragen und mit denen sie so viele Erinnerungen verbinden, wie mit ihren Klamotten.“ So kann man sich jetzt Stifte nicht nur aus Textilabfällen, sondern auch aus einzelnen Kleidungsstücken fertigen lassen. Zum Beispiel seinen persönlichen Designer-Stift aus dem eigenen Brautkleid. Oder aus dem alten T-Shirt, in dem man, verschwitzt auf dem Konzert, seinen Partner kennen gelernt hat.

Das Ziel: in Serie gehen

Momentan produziert manaomea seine „Pre-Series“ in einer selbst gebauten Anlage in Stuttgart; die Anlage gehört ihnen aber nicht und steht auf dem Gelände eines kooperierenden Instituts. Riedel: „Um mit einer größeren Auflage in Serie gehen zu können, müssen wir zunächst unsere eigene Anlage hier in Deutschland bauen. Im zweiten Schritt werden wir dann die Technologie nach Uganda bringen.“

Um den Bau zu finanzieren, haben Arlt und Riedel auf Startnext eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Neben den ersten beiden manaomea-Stiften, der Königin und dem Noblen, können Unterstützer sich Kollektionen aus eigenen Kleidungsstücken fertigen lassen. Die Kombination aus Witz und Sinn findet offenbar Anklang, denn für das Crowdfunding konnte manaomea schon namhafte Unterstützung gewinnen: Smudo von Fanta4 lässt T-Shirts zu Stiften machen, genauso Konstantin Wecker. Skibundestrainer Charly Waibel spendet einen seiner alten Skianzüge.

Weitere Informationen sind unter manaomea.com erhältlich.

Quelle: manaomea GmbH