DUH und ECOS: Unsachgemäßes Kühlgeräte-Recycling gefährdet EU-Klimaschutzziele

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Kühlschrank-Recycling (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Berlin — Veraltete Entsorgungsstandards und unsachgemäße Praktiken beim Recycling alter Kühlgeräte gefährden die europaweit festgelegten Klimaschutzziele. Darauf weisen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der auf Standardisierung spezialisierte Brüsseler Umweltverband European Environmental Citizens Organisation for Standardisation (ECOS) anlässlich des heute beginnenden Klimaschutzgipfels in Marrakesch hin.

In Europa werden jedes Jahr rund 19 Millionen Kühlgeräte ausgemustert und entsorgt. Etwa die Hälfte dieser Geräte enthält noch immer klimaschädliche Kälte- und Treibmittel, wie Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW). Gelangen FCKW in die Umwelt, tragen sie signifikant zur Zerstörung der Ozonschicht und Klimaerwärmung bei. Nach einer Berechnung von DUH und ECOS enthalten die jährlich in Europa zur Entsorgung anfallenden Kühlgeräte ein Treibhauspotenzial von 26,6 Millionen Tonnen CO2.

Kühlgeräte-Entsorgungsstandards gesetzlich festlegen

Aus diesem Grund fordern die beiden Umweltverbände von EU-Mitgliedstaaten, die Kühlgeräte-Entsorgungsstandards EN 50574 und TS 50574-2 beziehungsweise die in 2017 erscheinenden Normen EN 50625-2-3 und TS 50625-3-4 gesetzlich festzulegen und deren Einhaltung zu überwachen. Bessere Standards sind vor allem in Deutschland, Großbritannien und Polen erforderlich, wo die Kühlgeräteentsorgung besonders schlecht sein soll. DUH und ECOS haben dazu ein neues Hintergrundpapier veröffentlicht, das Lösungen für die Problematik des Kühlgeräterecyclings aufzeigt.

„Um das im vergangenen Jahr in Paris vereinbarte Klimaschutzziel zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen faktisch auf null gesenkt werden. Die schlechte Entsorgungspraxis FCKW-haltiger Kühlgeräte in einigen EU-Staaten, darunter auch Deutschland, ist hauptverantwortlich für die Freisetzung von Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Durch veraltete Entsorgungsvorschriften und einen fehlenden Vollzug von Umweltvorschriften werden die gesamteuropäischen Klimaschutzbemühungen unterlaufen“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Resch verweist auf beispielgebende EU-Länder wie Frankreich, Niederlande, Luxemburg, Irland, Österreich und die Schweiz. Sie setzen europaweite Maßstäbe beim Kühlgeräterecycling, weil sie die hohen europäischen Entsorgungsstandards EN 50574 und TS 50574-2 gesetzlich fixiert oder über ihre nationalen Rücknahmesysteme verbindlich vorgegeben haben. Alle EU-Staaten, die diese Standards noch nicht verbindlich festgelegt haben, seien aufgefordert, endlich nachzuziehen.

Für Stoffstrombilanzen und Mindest-Entnahmemengen

Durch die Vorgabe kontrollierbarer Entsorgungsstandards beim Kühlgeräterecycling können ohne großen Aufwand und ohne teure Förderprogramme große Mengen an CO2 eingespart werden. „Häufig werden Entsorgungsstandards allein von der Industrie erarbeitet, was zur Vernachlässigung von Umweltaspekten führen kann. Nicht so bei den Kühlgeräte-Standards EN 50625-2-3 und TS 50625-3-4, bei denen sich neben Geräteherstellern, Entsorgern, Auditoren und Rücknahmesystemen auch ECOS und die DUH eingebracht haben. So ist es gelungen, umweltgerechte Standards zu entwickeln, die bei vollständiger Einhaltung die Emission von Treibhausgasen aus alten Kühlgeräten wirksam verhindern“, verdeutlicht Marjolaine Blondeau, Policy Officer bei ECOS.

„In Europa müssen die Entsorger von Kühlgeräten endlich zum Nachweis gezwungen werden, was an behandelten Geräten in die Anlagen reingeht und wie viel Kälte- und Treibmittel aus den Kühlschränken und Truhen tatsächlich rausgeholt wird. Nur in Kombination mit Mindestentnahmemengen können Behörden die Leistungsfähigkeit von Recyclinganlagen während des ganzen Jahres beurteilen. So lange Stoffstrombilanzen und Mindest-Entnahmemengen nicht gesetzlich verpflichtend sind, hat Europa weiterhin ein großes Problem bei der Erreichung seiner Klimaschutzziele“, fügt Philipp Sommer hinzu, Referent für Kreislaufwirtschaft bei der DUH.

Das Hintergrundpapier kann unter http://l.duh.de/g90dk heruntergeladen werden.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)