Innovative eANV-Lösung: Auch nicht gefährliche Abfälle lückenlos dokumentieren

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Quelle: Schönmackers Umweltdienste GmbH & Co. KG

Kempen — Gefährliche Abfälle müssen sicher entsorgt werden. Seit 2010 schreibt die Nachweisverordnung zudem vor, entsprechende Vorgänge durch das elektronische Abfallnachweisverfahren (eANV) lückenlos zu dokumentieren. Der niederrheinischen BYK genügt das nicht. Sie will künftig den Weg sämtlicher – auch nicht gefährlicher – Abfälle per Mausklick im Auge halten.

Nachhaltigkeit bei der Verwertung von Wert- und Reststoffen ist in der chemischen Industrie längst Pflicht. Seit 2010 müssen Erzeuger, Beförderer und Entsorger von Abfällen den Verbleib der gefährlichen Abfälle in elektronischer Form lückenlos nachweisen. Das gilt auch für BYK, eine der führenden Anbieter auf dem Gebiet der Additive und Messinstrumente für die Lack- und Kunststofffindustrie. Das Weseler Unternehmen dokumentiert die Entsorgung seiner gefährlichen Abfälle per eANV – und hat „damit durchweg gute Erfahrungen gemacht“, wie BYK Umweltschutzexperte Sven Grötzner erzählt.

Warum also das Verfahren nicht auch für die nicht gefährlichen Abfälle nutzen? Das ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, bietet aber etliche Vorteile: Die Prozesssicherheit wird verbessert, der Abwicklungsprozess wesentlich transparenter, und zudem tragen Synergieeffekte in Bestell-, Rechnungsprüfungs- und Bilanzierungsprozessen zu einer höheren Produktivität bei. „Der Schritt hin zur vollumfänglichen Nutzung des eANV hat für uns keine Nachteile“, betont Manfred Kreutzer, Leiter Umweltschutz und Anlagensicherheit bei BYK. Im Gegenteil. Für BYK stellt die freiwillige Nutzung der elektronischen Nachweisführung für nicht gefährliche Abfälle den letzten Schritt zu einer Nachweisführung ohne Technologiebrüche dar.

EANV als Grundvoraussetzung

Bei der Suche nach einem Entsorgungspartner galt die elektronische Nachweisführung nicht gefährlicher Abfälle als Grundvoraussetzung. Für die Schönmackers Umweltdienste GmbH & Co. KG, mit rund 1.400 Mitarbeiter-/innen an 20 zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben und über 550 Fahrzeugen, war das kein Problem. „Wir wurden bereits von einigen Kunden auf das Thema angesprochen und haben uns vor drei Jahren mit unserem Portalanbieter über Umsetzungsmöglichkeiten ausgetauscht“, erklärt Udo Hoffmann – Geschäftsführer des familiengeführten Unternehmens.

Vorgehensweise und Werkzeuge zur Erfassung der nicht gefährlichen Abfälle unterschieden sich nur minimal von der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentation der gefährlichen Abfälle. „Trotzdem sollte man bei der Einrichtung der Einzelnachweise die Handlungsempfehlung der Bundesländer zur eANV-Umsetzung zu Rate ziehen“, empfiehlt BYK-Experte Sven Grötzner. Insgesamt ist nach seiner Einschätzung der Implementierungsaufwand aber durchaus überschaubar.

Mit Einführung sehr zufrieden

Schon wenige Wochen nach Auftragsvergabe lief die elektronische Kommunikation zwischen den unterschiedlichen eANV-Portalen von Erzeuger und Entsorger fehlerfrei – einschließlich Transport über die Zentrale Koordinierungsstelle (ZKS). Manfred Kreutzer, Leiter Umweltschutz und Anlagensicherheit bei BYK, überrascht das nicht: „Was mit gefährlichem Abfall funktioniert, macht vor nicht-gefährlichen Abfällen keinen Halt.“

Ein halbes Jahr nach der Einführung der innovativen eANV-Lösung sind Sven Grötzner und Manfred Kreutzer mit der Abwicklung „sehr zufrieden“. Aus dem Branchenumfeld geäußerte Vorbehalte hinsichtlich Aufwand und Komplexität können die Umweltschutzexperten nicht bestätigen. Inzwischen bildet das Unternehmen an zwei Standorten in Wesel und Kempen rund 90 Prozent der nicht-gefährlichen Abfallströme elektronisch ab; im laufenden Jahr sollen so bis 600 Entsorgungsvorgänge elektronisch dokumentiert werden.

Positives feedback

Das lohnt sich für alle Beteiligten. Bei BYK trägt die harmonisierte Datenbasis zur Automatisierung vor- und nachgelagerter Prozesse wie Bestellung und Rechnungsprüfung bei, reduziert manuelle Arbeitsschritte, erhöht die Prozesstransparenz und verbessert Durchlaufzeiten. Und zwar nachweislich: „Das Feedback der am Prozess beteiligten Kollegen in den Betrieben ist positiv. Der gewünschte Effekt tritt ein“, freut sich Sandra Melcher, zuständig für das Abfallmanagement im größten Werk der BYK in Wesel. Schönmackers profitiert ebenfalls. „Die einheitlichen Prozesse ermöglichen ein schnelleres und effizienteres Arbeiten. Der Gesamtprozess ist für alle Beteiligten transparent und nachvollziehbar“, erklärt Udo Hoffmann. Papierbasierte Prozesse gehören nun der Vergangenheit an.

BYK gibt sich mit dem Erreichten aber noch nicht zufrieden. „Mittelfristig wollen wir in Kooperation mit unseren Partnern 100 Prozent unserer Abfälle über das eANV-Prozess abbilden und so auch die letzten weißen Flecken auf der Landkarte auflösen“, erklärt Manfred Kreutzer. Zukünftig soll der innovative Abfallmanagementprozess auch in den übrigen deutschen BYK Werken umgesetzt werden.

Quelle: Schönmackers Umweltdienste GmbH & Co. KG