Recyclingbaustoffe: Schwellenängste überwinden

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Für Matthias Moosleitner, Präsident des BRBayern, sollte das Thema Baustoffrecycling nicht isoliert betrachtet werden (Foto: Marc Szombathy)

Die Verwendung von Recyclingbaustoffen obliegt oft starken Vorbehalten, die Produkte der Hersteller sind vielfach einem Akzeptanzproblem ausgesetzt. Das machte das Baustoff Recycling Forum 2014 und der 1. bvse-Mineraliktag am 25. und 26. Februar in München deutlich. Mangelhaftes Wissen über die bautechnische Güte von Recyclingbaustoffen sowie eine von Bundesland zu Bundesland anders verworrene (Verbots-)Rechtslage stehen Pate dafür, dass das wichtige Thema Baustoffrecycling in Deutschland nicht vorankommt.

„Recyclingbaustoffe? Nein danke“. Dieser, an einen bekannten Slogan erinnernde Eindruck drängt sich, wenn auch plakativ und überzogen, auf. Denn aus den Referaten auf dem Baustoff Recycling Forum und Mineraliktag lässt sich festhalten und schließen: Recyclingbaustoffe werden trotz bester verfügbarer Qualitäten zu wenig nachgefragt. Architekten und Stadtplaner, Bauherren und Bauträger und nicht zuletzt die Baubehörden als Genehmigungsinstanzen scheuen entgegen gesetzlicher Auflagen und Bestimmungen in vielen belegbaren Fällen davor zurück, sie in Bauprojekten einzusetzen. Dass sekundäre Materialien von gleichwertiger Güte wie primäre sind, bau- und umwelttechnische Anforderungen erfüllen, wird häufig nicht berücksichtigt.

Es gibt folglich Informations- und Aufklärungsbedarf, um Vorurteile, Schwellenängste und das Akzeptanz- und Imageproblem, das Recyclingbaustoffen offensichtlich anhaftet, zu überwinden. Die erste gemeinsame Doppelveranstaltung der Verbände Baustoff Recycling Bayern e.V. und bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. weckte das Interesse daran: Unter den 380 Teilnehmern am 25. und 26. Februar im NH Hotel München-Dornach waren neben der Fachbranche auch 30 Landratsämter und Kommunen in Bayern sowie die Bayerische Staatsverwaltung repräsentativ vertreten. Moderiert wurde das Baustoff Recycling Forum 2014 und der 1. bvse-Mineraliktag von Jürgen Weber, Vorsitzender des neu gegründeten bvse-Fachbandes Mineralik – Recycling und Verwertung. Den Festabend am 25. Februar eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber.

Entsorgungsnotstand bei mineralischen Abfällen

In seiner Begrüßungsrede zum Baustoff Recycling Forum sprach Matthias Mossleitner von einem Entsorgungsnotstand bei mineralischen Abfällen (vor allem in den Bereichen Z2, Z3 sind Engpässe festzustellen), welche in Deutschland den größten Abfallstrom bilden. „Wohin mit rund 200 Millionen Jahrestonnen, davon über 40 Millionen in Bayern“, fragte der Präsident des Verbandes Baustoff Recycling Bayern (BRBayern) zugleich rhetorisch ins Publikum. Denn allein im Freistaat sind in der Vergangenheit zahlreiche Deponien für Bauschutt, Abbruch- und Aushubmaterialien geschlossen worden. Die noch verbliebenen drohen nach Informationslage bereits überzulaufen, weshalb mittlerweile Bauvorhaben geschoben werden. Von Regierungsbezirk zu Regierungsbezirk müssen die Transporteure immer längere Wege in Kauf nehmen und über Bayern hinaus auf potenziell-freie Kapazitäten in andere Bundesländer und bei den europäischen Nachbarn ausweichen. So hat sich merklich nach Thüringen, Baden-Württemberg und in die Niederlande ein reger „Abfallverbringungstourismus“ entwickelt …
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Lesen Sie mehr in der EU-Recycling Ausgabe 04/2014, Seite 6-13.

Quelle: EU-Recycling