Umweltbundesamt: Österreichs GPH- Mitgliedsbetriebe produzieren HBCD-frei

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Oberwaltersdorf, Österreich — „Das BMLFUW hat in einem Erlass bestätigt, dass in Österreich HBCD-haltiges Styropor auch zukünftig als nicht gefährlicher Abfall (SN 57108 Polystyrol, Polystyrolschaum) einzustufen ist. Es darf in Müllverbrennungsanlagen für nicht gefährliche Abfälle weiterhin mitverbrannt werden. Das ist ökonomisch wie ökologisch sinnvoll, denn 1 kg Styropor-Abfälle sparen 1,3 Liter wertvolles Heizöl“, erläutert Dr. Clemens Demacsek, Geschäftsführer der GPH Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum. Damit scheint – im Gegensatz zu Deutschland – die Entsorgung von HBCD-haltigem Polystyrol kein Problem darzustellen.

Die Verwendbarkeit des Flammschutzmittels HBCD für EPS-Dämmstoffe lief gemäß der europäischen Chemikalienverordnung REACH am 21. August 2015 ab. Bereits im Januar 2015 haben die Mitgliedsbetriebe der GPH Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (Austrotherm, Austyrol, Bachl, Brucha, EPS Industries, Flatz, Hirsch, Steinbacher und Swisspor) auf Rohstoffe mit einem neuen alternativen Flammschutzmittel umgestellt.

Noch vor Inkrafttreten der REACH-Regelung hat die GPH Stichproben von Fassadendämmplatten EPS-F aller Mitgliedsbetriebe zur Bestimmung des HBCD-Gehaltes an das Umweltbundesamt geschickt. „Die gaschromatographische Endbestimmung hat bestätigt, dass alle getesteten Produkte unserer Mitglieder frei von HBCD sind“, freut sich Dr. Clemens Demacsek, Geschäftsführer der GPH über das eindeutige Ergebnis.

Neues alternatives Flammschutzmittel pFR

Mit dem polymeren Flammschutzmittel pFR konnte nach langjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit ein geeigneter Ersatzstoff für Hexabromcyclododecan (HBCD) gefunden werden. Aufgrund seiner polymeren Struktur ist dieses alternative Flammschutzmittel biologisch nicht verfügbar und kann in Organismen nicht angereichert werden. Das neue Flammschutzmittel pFR weist weder bioakkumulierbare noch toxische Eigenschaften auf und stellt somit eine nachhaltige Lösung für EPS-Dämmstoffe dar.

Umfangreiche Prüfprogramme der Industrie, zusammen mit dem europäischen Verband der Kunststofferzeuger sowie dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) ergaben, dass bei EPS-Dämmstoffen mit dem alternativen Flammschutzmittel pFR nicht nur das Brandverhalten, sondern auch alle anderen positiven Produkteigenschaften, wie Wärmeleitfähigkeit oder mechanische Eigenschaften unverändert erhalten bleiben.

Alt-Styropor mit HBCD ist recycelbar und thermisch nutzbar

Die rohstoffliche Verwertung von Styropor mit HBCD-Flammschutz ist machbar: Das FIW Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München hat in einer eigens entwickelten Pilotanlage ein Recycling-Verfahren zur Serienreife gebracht, das die Abtrennung vom HBCD aus „Alt-Styropor“ ermöglicht. Das zurückgewonnene reine Polystyrol kann zur Herstellung neuer Styropor-Dämmstoffplatten eingesetzt werden. Derzeit planen die europäischen Rohstoffhersteller eine erste Großanlage in den Niederlanden mit einer Recyclingleistung von 3.000 Tonnen pro Jahr.

Darüber hinaus kann die Verwertung von Styropor thermisch erfolgen und das, nachdem ein Liter Erdöl in Form von EPS-Dämmstoff in seiner Nutzungsphase bis zu 200 Liter Erdöl an Heizenergie eingespart hat. HBCD wird bei der thermischen Verwertung rückstandsfrei vernichtet und zuverlässig aus dem Umweltkreislauf entfernt. Ein Großversuch im Müllheizkraftwerk Würzburg diente dabei als Nachweis, dass die Mitverbrennung von Styropor mit keinerlei negativen Auswirkungen verbunden ist.

Quelle: GPH Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum / APA-OTS