Altholzmarkt: BAV sieht etabliertes System der Altholzentsorgung in Gefahr

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Altholz (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Berlin — Verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass sich bei der Altholzverwertung ein Mengenrückstau ausgehend von den stofflichen und thermischen Endverwertern über die Aufbereiter, die Sammler bis letztlich zu den Gewerbetreibenden und den kommunalen Wertstoffhöfen entwickelt hat. Die verzögerte Entsorgung äußert sich in vollen Lagern bei den Aufbereitern: Auf deren Aufbereitungsplätzen lagern teils erhebliche Altholzmengen und können nicht zur weiteren Verwertung abgefahren werden, meldet der BAV – Bundesverband der Altholzaufbereiter und -verwerter e.V.

Dieser Altholz-Rückstau soll dazu führen, dass mittlerweile Altholzmengen aus dem Gewerbebereich mancherorts nicht mehr von den Aufbereitern angenommen werden. Eine Entspannung sei derzeit nicht in Sicht. In der Konsequenz stoßen somit einzelne Aufbereiter mit ihren Altholzmengen an ihre behördlich genehmigten Lagergrenzen und können zumindest zeitweilig kein Altholz mehr annehmen. Als Resultat dieser Entwicklung sind die Kosten der Verwertung (Altholzpreise) nach Darstellung des BAV in den vergangenen Monaten in einem bis dato nicht gekannten Ausmaß gestiegen.

Drei Gründe

Zum einen ist sie auf ein seit Jahren in Deutschland gutes konjunkturelles Wachstum zurückzuführen. Der wachsende Konsum und die verstärkten bauwirtschaftlichen Aktivitäten führen zu höheren Altholzmengen. Ebenfalls trägt die zunehmende Sortierung von Abfallgemischen zu steigenden Aufkommen bei. Verstärkt wird dieser Trend durch die regional extrem hohen Kontingente an Altholz aus der kommunalen Sperrmüllabfuhr, vereinzelt aber auch durch das Altholz aus Hochwasserschäden.

Zum zweiten haben drei aufeinander folgende milde Winter das Angebot an Altholz deutlich erhöht. Gleichzeitig kam es bei einigen thermischen Verwertern, den Hauptabnehmern des Altholzes (ca. 6-6,5 Mio. Tonnen p.a.), zu längeren Ausfallzeiten. Revisionen und Reparaturen wurden möglicherweise bei einigen thermischen Verwertungsanlagen in den vergangenen Jahren aufgrund des hohen Kostendrucks und unsicherer Zukunftsoptionen auf das Notwendige beschränkt.

Und drittens bringen Altholzimporte aus der EU (z.B. aus Großbritannien oder Holland) weitere Mengen nach Deutschland. Hier bestehen zum Teil längerfristige Verträge, die zur Abnahme verpflichten. Es fließen jedoch auch Altholzmengen aus Deutschland in Nachbarländer ab (z.B. nach Österreich oder in die Tschechische Republik). Europaweit ist nach Einschätzung des BAV derzeit tendenziell ein Altholzüberhang zu verzeichnen.

Vor drohendem Notstand gewarnt

Die derzeit äußerst kritische Lage auf dem Altholzmarkt könnte sich noch weiter zuspitzen, falls nachfrageseitig weitere Kapazitäten vom Markt gehen. Daher werde künftig eine sichere und qualitativ hochwertige Altholz-Entsorgung vom Erzeuger vergütet werden müssen. Momentan sieht der BAV das etablierte System der Altholzentsorgung gefährdet und warnt vor einem drohenden Notstand.

Quelle: BAV – Bundesverband der Altholzaufbereiter und -verwerter e.V.