Schweiz: Erklärung für mehr Sicherheit bei Chlortransporten unterzeichnet

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Gefahrgutwaggons (Foto: ©Bernd Sterzl /http://www.pixelio.de)

Bern, Schweiz — Chlortransporte per Bahn sollen noch sicherer werden. Wirtschaft, Behörden und Schweizerischen Bundesbahnen haben eine zweite Gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Sie umfasst eine klare Zielsetzung für die Risikoreduktion und ein Paket von bereits laufenden und noch umzusetzenden Massnahmen. Zu den Massnahmen gehören langsamer fahrende Züge, kürzere Routen und die Verwendung des besten verfügbaren Rollmaterials. Die Partner wollen auch weitere Möglichkeiten zur Risikoreduktion prüfen und umsetzen.

Unter der Leitung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) befasste sich eine Arbeitsgruppe seit 2015 mit möglichen Massnahmen, um die Chlortransporte auf der Schiene noch sicherer zu machen. Sie analysierte Optionen in den Bereichen Objektschutz, Produktion vor Ort, Beschaffungsrouten, Transportvorschriften und Kesselwagen. Ein besonderes Augenmerk galt dem Genferseebogen, da die Grossverbraucher im Wallis zurzeit das Chlor vornehmlich aus Frankreich (Raum Lyon/Grenoble) importieren und entlang des Genfersees per Bahn transportieren. Wegen der Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung in diesem Gebiet würden dort die Risiken ohne entsprechende Sicherheitsmassnahmen in Zukunft zu stark steigen.

Die Arbeitsgruppe hat unter Einbezug der betroffenen Kantone -Genf, Waadt, Wallis und Basel-Stadt – Ziele und ein entsprechendes Massnahmenpaket definiert. Diese Massnahmen werden in einer Gemeinsamen Erklärung festgehalten, in welcher sich die Unterzeichner zur Umsetzung bis Ende 2018 verpflichten. Diese zweite Gemeinsame Erklärung hält auch fest, dass danach eine zusätzliche Risikoreduktion geprüft und umgesetzt wird. Die Unterzeichner sorgen für ein Monitoring und dafür, dass die Kantone weiterhin einbezogen werden.

Strenge Vorgaben halten Risiken tief

Grundlage für diese Arbeiten ist die Störfallverordnung. Diese verlangt eine Risikobeurteilung anhand der Wahrscheinlichkeit und des Ausmasses der möglichen Störfälle. Die methodische Abschätzung dieser Grössen erlaubt eine objektive Beurteilung des Risikos. Störfälle bei Chlortransporten zeichnen sich zwar durch eine sehr kleine Eintretenswahrscheinlichkeit, aber auch durch besonders hohe Ausmasse aus. Darum wollen die Parteien bis Ende 2018 das Risiko um einen Faktor 10 reduzieren. Darauf soll eine weitere, deutliche Reduktion angestrebt werden. Wie dies verhältnismässig, technisch möglich und wirtschaftlich tragbar erreicht werden kann, soll bis Ende 2018 in einer „Roadmap“ für die Zeit bis 2025 aufgezeigt werden.

Sofortmassnahmen auf der Schiene bereits umgesetzt

Als Sofortmassnahme hat die SBB bereits zum Fahrplanwechsel 2015 für die Chlorkesselwagen eine Güterzugsverbindung geschaffen, welche mit reduzierter Geschwindigkeit durch die dicht besiedelten Agglomerationen Genf und Lausanne verkehrt. Die Wahrscheinlichkeit für Störfälle ist auf diesen kritischen Abschnitten somit bereits deutlich tiefer. Weiter wurden die betrieblichen Abläufe geändert, damit der Güterzug für den Wechsel der Lokomotive nicht mehr in den Güterbahnhof La Praille (GE) fahren muss. So entfällt die Doppelbefahrung der Strecke Jonction-La Praille, was das Risiko weiter senkt. Damit hat sich die SBB schärfere Bestimmungen auferlegt, als sie für ausländische Bahnen gelten.

Noch kleineres Risiko in zweitem Schritt

Für die Zeit bis 2025 wird eine gemeinsame Roadmap erstellt, um eine weitere Senkung des Risikos zu erreichen: So wird neben alternativen Bezugsquellen eine völlig neue Generation von Kesselwagen diskutiert, welche das Transportrisiko weiter senken können.

Auch die Schaffung besserer Voraussetzungen für die Produktion von Chlor vor Ort, in einer neuen Anlage in der Nähe der Grossverbraucher, soll weiter geprüft werden. Dies würde das Transportrisiko deutlich senken aber wegen den Revisionsphasen und allfälligen Transittransporten nicht völlig eliminieren. Wegen des in der Schweiz verhältnismässig geringen Bedarfs an Chlor und der vergleichsweise hohen Produktionskosten hätten die Unternehmen mit einer allfälligen Vorortproduktion im Wallis im internationalen Vergleich einen Wettbewerbsnachteil zu gewärtigen.

Massnahmen an Gebäuden oder in der Raumplanung wie der Verzicht auf Wohnbauten in Bahnnähe sind gemäss der Arbeitsgruppe für eine wirksame Risikoreduktion nicht effizient. Schliesslich bekennen sich die Parteien in der zweiten Gemeinsamen Erklärung dazu, den Weg weiterhin gemeinsam und unter Einbezug der betroffenen Kantone fortzusetzen.

Weitere Informationen zum Thema Transporte gefährlicher Güter sind unter admin.ch  erhältlich.

Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU / Bundesamt für Verkehr