Atommüll: Bundesregierung spricht sich erstmals für Meeres-Untersuchung aus

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Fässer (Foto: ©Andreas Simperl / http://www.pixelio.de)

Mainz — Die Bundesregierung hat sich erstmals dafür ausgesprochen, die Meeresgebiete vor der europäischen Küste zu untersuchen, in denen bis 1982 Atommüll versenkt wurde. Forschungsmissionen sollen aufklären, wie sich die Radioaktivität aus leckgeschlagenen Fässern in der Nahrungskette anreichert und sich auf lebende Organismen auswirkt. Das geht aus einem Positionspapier der Bundesregierung hervor, das das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ exklusiv auf seiner Internetseite  veröffentlicht.

Drei Optionen

Deutschland brachte das 29-seitige Papier im Februar in den Ausschuss „Radioaktive Substanzen“ der Internationalen Meeresschutzorganisation OSPAR ein. Der OSPAR gehören die EU und die Regierungen der Nordostatlantik-Anrainerstaaten an. Konkret präsentiert die Bundesregierung drei Optionen.

  • Von einem Forschungsschiff aus könnten Proben aus dem Hauptversenkungsgebiet entnommen werden.
  • Mehrere Forschungsreisen könnten in alle Versenkungsgebiete gemacht werden.
  • Ein ferngesteuertes Roboter-U-Boot könnte Proben in der unmittelbaren Umgebung der Atommüllfässer auf dem Meeresgrund entnehmen.

In dem Papier bezeichnet die Bundesregierung eine Untersuchung der Atommüll-Versenkungsgebiete als „möglicherweise angemessen“. Die USA hätten bereits 1992 mit Spezial-Sonar-Geräten und unbemannten Mini-U-Booten eigenen Atommüll auf dem Meeresgrund untersucht, so die Bundesregierung.

Über  220.000 Fässer verklappt

Deutschland hatte die erste gemeinsame, internationale Versenkung von Atommüll angeregt: 1967 ließ die Bundesregierung radioaktive Abfälle aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe in 480 Stahlfässern zusammen mit britischem und belgischem Atommüll im Atlantik versenken. Insgesamt verklappten europäische Staaten mehr als 220.000 Fässer mit radioaktivem Müll an 15 Stellen im Atlantik. Mehr als 28.000 Fässer davon liegen im Ärmelkanal vor der französischen Küste in etwa 100 Metern Tiefe. „Report Mainz“ hatte bereits 2011 exklusiv darüber berichtet, dass die versenkten Atommüllfässer auslaufen. In einer ersten Stellungnahme hatte das Bundesumweltministerium „Report Mainz“ dazu mitgeteilt, das Ministerium sehe „keinen Anlass zu regelmäßigen Überwachungen“ der Versenkungsgebiete.

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag, sprach sich „Report Mainz“ gegenüber dafür aus, dass sich Deutschland als Mitverursacher an einer Forschungsmission beteiligt. Wörtlich sagte sie: „Die Kosten sollten in erster Linie nach dem Verursacherprinzip getragen werden. Sollte dafür nicht genug Bereitschaft vorhanden sein, sollten alle OSPAR-Staaten sich beteiligen. Letztlich sind alle vom Problem des versenkten Atommülls betroffen.“

Quelle: Report Mainz / Presseportal