ITAD: Entsorgung von Monochargen HBCD-haltiger Polystyrol-Abfälle problematisch

453
Styropor (Foto: © Uli Carthäuser /http://www.pixelio.de)

Düsseldorf — Die mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) behandelten Polystyrol (EPS)-Abfälle sollen aus dem Stoffkreislauf ausgeschleust werden. Deshalb werden derartige Dämmstoffe aus dem Gebäuderückbau oder bestimmte Verpackungsmaterialien ab dem 1. Oktober 2016 durch den Verordnungsgeber als gefährlich eingestuft.

Für Carsten Spohn, den Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) e.V., führen diese neuen Regelungen gleich zu mehreren Herausforderungen: „Auf der einen Seite müssen bei vielen Betreibern von Abfallverbrennungsanlagen rein formal die Abfallschlüsselnummern für die gefährlichen Polystyrol-Abfälle bzw. für entsprechende Gemische erst einmal genehmigt werden. Auf der anderen Seite kommen durch die kurzfristige Anforderung, HBCD-haltige Materialen aus Recyclingkreisläufen fernzuhalten, voraussichtlich deutlich mehr Polystyrol-Monochargen auf die Betreiber der thermischen Abfallbehandlungsanlagen zu. Diese Abfälle konnten aufgrund ihrer geringen Dichte in Verbindung mit einem hohen Heizwert schon bisher nur in einem sehr begrenzten Umfang in solchen Abfallbehandlungsanlagen energetisch verwertet werden. Die aktuelle Situation stellt somit sowohl Abfallerzeuger und Entsorgungsunternehmen als auch unsere Anlagenbetreiber vor einige Schwierigkeiten.“

Abhängig von betrieblichen Randbedingungen

In NRW können eine Vielzahl von thermischen Abfallbehandlungsanlagen HBCD-haltige Polystyrol-Abfälle bzw. Abfallgemische annehmen, und auch in anderen Bundesländern prüfen Betreiber eine zeitnahe Umsetzung der formalen, technischen und organisatorischen Anforderungen.

Ob diese Anlagen die Abfälle aber aktuell tatsächlich annehmen können, hängt darüber hinaus auch von betrieblichen Randbedingungen ab. Um die sehr leichten und heizwertreichen Polystyrol-Abfälle anzunehmen, muss ausreichend Platz im Bunker sein, um eine notwendige Vermischung zu erreichen. Aufgrund der sehr guten Auslastungssituation der thermischen Abfallbehandlungsanlagen sind die betrieblichen Notwendigkeiten schwer zu erreichen. In vielen Fällen ist daher eine entsprechend sorgfältige Disposition nötig, da aus feuerungstechnischen Gründen nur eine sehr begrenzte Menge von Polystyrol-Abfällen pro Tag mitverbrannt werden kann. „Alle Beteiligten bzw. Betroffenen sollten sich daher schnellstmöglich an einen Tisch setzen, um pragmatische, sachgerechte und technisch umsetzbare Lösungen zu entwickeln!“, so Spohn weiter.

Länder zur rechtssicheren Entsorgung gefordert

Fakt ist, dass ab Oktober vermehrt Monochargen zur Entsorgung anstehen, die aktuell nicht ohne Weiteres vom Entsorgungsmarkt aufgenommen werden können. Mit dem zunehmenden Rückbau von Wärmedämmsystemen wird die Menge steigen. Daher sind insbesondere die Länder aufgrund bisher fehlender Vollzugsreglungen bzw. -hinweise zur rechtssicheren Entsorgung der betroffenen Polystyrol-Abfälle gefordert.

Dies gilt einerseits für die Genehmigung der entsprechenden Abfallschlüssel: Nur Niedersachsen hat bisher für Monochargen ein entsprechendes pragmatisches Vorgehen im Anzeigeverfahren erlassen – entsprechende Abfallschlüsselnummern für Gemische fehlen bisher. Und es betrifft andererseits auch den Umgang mit den Abfällen in der Praxis: Hier bedarf es pragmatischer und praxisorientierter Entsorgungshinweise z.B. zur Einstufung von Baumischabfällen, die HBCD-haltige EPS-Abfälle enthalten.

Quelle: Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) e.V.