Kreislaufwirtschaftspaket: Allgemeiner Anklang, stellenweise Kritik

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EU Kommission (Foto: © Schmuttel / http://www.pixelio.de)

Wien, Österreich — Seit über einem halben Jahr befindet sich das neue Kreislaufwirtschaftspaket der EU-Kommission im Stadium der Begutachtung. Grundsätzliche Punkte wie der verpflichtende Ausbau des Recyclings von Siedlungs- und Verpackungsabfällen bis 2030, das Bekenntnis, bis 2020 eine Reduktion des Meeresmülls um bis zu 30 Prozent zu erzielen oder die verstärkte Dokumentation von gefährlichen Chemikalien in Produkten finden in den bisherigen Stellungnahmen allgemein Anklang.

Von vielen Umwelt- und Wirtschaftsverbänden sowie EU-ParlamentarierInnen wurde der vorliegende Entwurf allerdings auch kritisiert. Verbindliche Regelungen zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung und zum Ressourcenschutz würden fehlen, auch die Nicht-Berücksichtigung von Mehrwegsystemen und das Fehlen eines generellen Deponieverbots oder konkreter Vorgaben zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung wurden moniert.

Weitreichende Regelungen geplant

Abgesehen von den Richtlinien für Abfallvermeidung, Recycling, Verpackung und Deponierung sind vom neuen Kreislaufwirtschaftspaket auch Bereiche wie der Produktionsprozess, das Produktionsdesign oder das Waste Management betroffen. Von der Herstellung bis zur Entsorgung werden alle Akteure in die Pflicht genommen: Vorgesehen sind Maßnahmen in allen Phasen des Lebenszyklus eines Produkts, von der Herstellung bis zum Verbrauch, von der Abfallbewirtschaftung bis hin zum Markt für Sekundärrohstoffe. Konkret sind auf Seiten der Produzenten Maßnahmen zum intelligenten Produktdesign, zur Wiederverwendung und Reparatur von Produkten, zum Recycling und zum nachhaltigen Konsum ebenso enthalten wie Vorgaben zur Abfallbewirtschaftung, zu Recyclingraten, zum intelligenten Rohstoffeinsatz und zur Stärkung der Märkte für Sekundärrohstoffe.

Was die Kreislaufwirtschaft bringen soll

Das wirtschaftliche Potenzial einer realisierten Kreislaufwirtschaft zur Senkung der EU-weiten Ressourcenausgaben – durch Abfallvermeidung, Ökodesign oder auch Wiederverwendung – wird auf bis zu 600 Milliarden Euro jährlich bzw. acht Prozent des Jahresumsatzes aller Unternehmen in der EU geschätzt. Gleichzeitig sollen durch die Maßnahmen die Treibhausgasemissionen um bis zu vier Prozent reduziert werden.

Designoptimierung in der Kritik

In der ersten Stufe des Produktlebenszyklus – im Produktdesign – beabsichtigt die Kommission auch, umweltfreundliches Design von Produkten stärker zu fördern, um diese reparatur- und recyclingfreundlicher sowie langlebiger zu gestalten. Dem Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) gehen diese Vorgaben des EU-Kreislaufwirtschaftspakets jedoch zu weit.

„Wir setzen uns dafür ein, dass Hersteller in jedem Fall die Freiheit haben sollten, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Produkte entwerfen“, erklärt Manfred Müllner, stellvertretender FEEI-Geschäftsführer. „Die Hausgeräteindustrie arbeitet ständig an innovativen Lösungen, um ihre Produkte zukünftig ohne gefährliche Stoffe herzustellen und um Recyclingverfahren und die Verwendung von Sekundärrohstoffen zu erleichtern. Das jedoch zu gewährleisten, benötigt mehr Einsatz.“ So wie der Aktionsplan der EU formuliert sei, fokussiere er starr auf umweltgerechte Gestaltung und behindere damit Innovationen, ist Müllner überzeugt.

Quelle: UFH Holding GmbH