Urban Mining: TU Wien leitet Forschung zu anthropogenen Rohstoffquellen

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Rohstoffquelle Wien (Foto: © Fritz Kleemann, TU Wien)

Wien — Die TU Wien erforscht in den nächsten vier Jahren das Thema „Urban Mining“ in Kooperation mit anderen europäischen Wissenschaftern. Es geht darum, wie man aus Deponien, Halden oder abgerissenen Gebäuden wieder Rohstoffe zurückgewinnen kann. Die Wiederverwertung von Rohstoffen verringert die Abhängigkeit von Importen und ist in Österreich vor allem bei Glas, Papier und Kunststoff weit verbreitet.

Entscheidend ist für die TU-Forscher, Informationen über die sogenannten anthropogenen Rohstoffquellen zu sammeln, damit sie in Zukunft wirtschaftlich bewertet und vorausschauend beurteilt werden können. „Für die natürlichen Rohstoffvorkommen gibt es ein gut etabliertes Berichtswesen“, erklärt Ulrich Kral vom Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, TU Wien. Ob und wie man anthropogene Ressourcen auf ähnliche Weise klassifizieren und bewerten könne, sei bisher noch nicht geklärt. Richtlinien seien wichtig, um beurteilen zu können, ob es ökologisch und wirtschaftlich sinnvoller sei, Primärrohstoffe abzubauen, oder Sekundärrohstoffe aus nicht mehr benötigten Produkten und Gütern zurückzugewinnen.

„Unser Hauptaugenmerk liegt auf drei Fallstudien“, erklärt Ulrich Kral. „Wir beschäftigen uns mit Ressourcen, die in Gebäuden verbaut sind, mit Mülldeponien und mit festen Rückständen aus der Müllverbrennung – drei ganz unterschiedliche anthropogene Quellen. Daher ist diese Kombination wissenschaftlich besonders interessant.“ Aus den Erfahrungen soll eine robuste Methode zur Klassifizierung von anthropogenen Rohstoffen entwickelt werden, die auf internationaler Ebene im Einklang mit den Vorgaben der Vereinten Nationen steht.

Wenn Häuser abgerissen werden, kann man allerlei wertvolles Material wiederverwenden: Gestein und Schutt kann man für andere, neue Gebäude nutzen, aber auch Bauholz, Metall oder Fensterglas lassen sich wiederverwerten. „Man kann Landkarten erstellen, aus denen ersichtlich ist, welcher Rohstoff wo in welchem Ausmaß enthalten ist“, sagt Kral. „So kann man dann zum Beispiel auf einen Blick erkennen, wo in Wien große Mengen Kupfer verbaut sind und ob damit zu rechnen ist, dass dieses Kupfer in den nächsten Jahrzehnten zurückgewonnen werden kann.“

Die TU Wien – Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft – hat das COST-Projekt „Mining the European Anthroposphere“ initiiert. Ulrich Kral ist wissenschaftlicher Projektleiter; insgesamt arbeiten Forschungsteams über 20 europäischen Staaten an dem Projekt.

Quelle: TU Wien / APA