VDMA warnt: Geplante EU-Produktdatenbank gefährdet Geschäftsgeheimnisse

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Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)

Frankfurt/Main — Trotz heftigem Widerstand aus der Industrie arbeitet die EU an der Einführung einer elektronischen Produktdatenbank, in der auch technische Daten erfasst werden sollen. Ziel der EU ist eine stärkere Marktüberwachung etwa im Hinblick auf Energieeffizienz. Am Freitag, 9. September 2016, beraten hierzu die EU-Staaten in Brüssel, im Oktober soll es eine Einigung mit EU-Kommission und Parlament geben. Der VDMA hingegen sieht in einer Produktdatenbank keinen wesentlichen Beitrag für eine effektivere Marktüberwachung. Vielmehr warnt der Verband, dass bei einer zentralen Erfassung von sensiblen Produktdaten auch Diebstahl und Missbrauch vorprogrammiert sind.

„Kommission und Parlament fordern eine zentrale Produktdatenbank, ohne für angemessene Datensicherheit und Schutz des geistigen Eigentums garantieren zu können. Damit gefährdet die EU Geschäftsgeheimnisse der Unternehmen. Der Missbrauch sensibler technischer Daten hat für Maschinenbauer stets einen enormen wirtschaftlichen Schaden zur Folge“, sagt Holger Kunze, Leiter des VDMA European Office. „Darüber hinaus sehen wir nicht, wie eine Datenbank zu einer besseren Marktüberwachung in Europa beitragen kann. Am Ende führt die digitale Erfassung unzähliger Produktdaten nur zu zeitaufwändigen Überprüfungen von Datenbankeinträgen.“

Tatsächlich gibt es bereits jetzt Datenbanken, die dem Informationsaustausch der Behörden dienen (beispielsweise ICSMS). Diese Datenbanken können auch Hersteller nutzen, um Informationen an Behörden zu übermitteln. Wird eine Produktprüfung durchgeführt, übermittelt der Hersteller bereits heute die erforderlichen Daten auf elektronischem Weg. Bei besonders sensiblen Daten bleibt allerdings die Wahl des Kommunikationskanals ihm überlassen. Der neue Vorschlag des EU-Parlamentes zielt nun darauf ab, dass auch sensible Informationen wie technische Dokumentationen, Testberichte und Messreihen vom Hersteller in die geplante Datenbank hochgeladen werden sollen.

Der VDMA appelliert daher an Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten, in den anstehenden Trilogverhandlungen den tatsächlichen Nutzen einer verpflichtenden Produktdatenbank zu hinterfragen. Das Hochladen etwa von technischen Produktinformationen wie Messergebnissen sollte in keinem Fall Vorschrift werden.

Quelle: VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.