Altlasten und Altlasten-Statistik: Baden-Württemberg investiert in Sanierungen

670
Industriebrache (Foto: ©Thomas Max Müller / http://www.pixelio.de)

Stuttgart / Karlsruhe — Seit fast 30 Jahren erfasst und untersucht Baden-Württemberg systematisch altlastverdächtige Flächen und investiert in deren Sanierung. Im Jahr 2016 steht wieder ein gut zweistelliger Millionenbetrag als Landeszuschuss zur Sanierung von Altstandorten oder zur Beseitigung von Altablagerungen zur Verfügung. In diesem Jahr handelte es sich um drei genehmigungspflichtige Förderanträge. Zeitgleich mit den diesjährigen Förderentscheidungen hat die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg die „Altlastenstatistik 2015“ veröffentlicht.

Altstandort „Gaswerk Lahr“ ist größtes Förderprojekt

Den höchsten Zuschuss bekommt die Stadt Lahr für die Sanierung des früheren Gaswerkgeländes. Von 1858 bis 1964 wurde dort Stadtgas aus der Verschwelung von Steinkohle produziert. Im Laufe der Jahrzehnte sind im Bereich der Produktionsstätte Schadstoffe in den Untergrund gelangt. Ab 1987 wurde die Altlast erkundet und ist inzwischen gesichert. Mit einem Teilaushub und anschließender hydraulischer Nachsorge soll die Fläche jetzt saniert werden. Die Gesamtkosten werden auf rund 3,8 Millionen Euro veranschlagt, der Zuschuss des Landes beträgt 2,3 Millionen Euro.

Mit knapp 2 Millionen Euro wird die Sanierung eines ehemaligen Betriebsgeländes in Bad Liebenzell gefördert, auf dem die Firma Regula-Werk King & Bauser bis 1963 Kameras hergestellt hat. Dazu gehörte auch eine Metallhärterei und -entfettung, die maßgeblich für die heutige Altlast verantwortlich sind. Seit 15 Jahren ist das Gelände bereits mit verschiedenen Maßnahmen in der Sanierung. Jetzt soll mit einer Großlochbohrung auf einem eingegrenzten Bereich kontaminierter Boden ausgetauscht werden. Die Gesamtkosten belaufen sich voraussichtlich auf gut 2,1 Millionen Euro.

„Mehr als 2.500 Altlastflächen im Land“

Die dritte Sanierung, über die der Verteilungsausschuss zu befinden hatte, betrifft einen Altstandort auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Stadt Ravensburg. Auf dem Grundstück wurden ein halbes Jahrhundert Mineralöle und Chemikalien umgeschlagen, was zu erheblichen Verunreinigungen geführt hat. Da sich die Kontaminationen räumlich gut eingrenzen lassen, will die Stadt Ravensburg den verunreinigten Boden jetzt ausheben und entsorgen lassen, um die Fläche wieder nutzen zu können. Die Stadt rechnet mit Kosten von 2,8 Millionen Euro; das Land fördert die Maßnahme mit fast 1,7 Millionen Euro.

Umweltminister Franz Untersteller kommentiert: „Wir haben im Land mehr als 2.500 Altlastflächen und es kommen immer wieder neue dazu. Deren Sicherung und Sanierung ist eine Daueraufgabe der Umweltpolitik.“

LUBW veröffentlicht Altlastenstatistik 2015

In der „Altlastenstatistik 2015“ der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg sind detailliert alle Informationen rund um den Stand der Altlastenbearbeitung in Baden-Württemberg zu finden. “Unser Bericht ist die Informationsgrundlage für das Land rund um das Thema Altlasten und altlastverdächtige Flächen“, erläutert die Präsidentin der LUBW, Margareta Barth. „Er gibt einen Überblick über die bisher in Baden-Württemberg geleistete Arbeit und beschreibt die systematische Vorgehensweise. Die LUBW verantwortet landesweit die fachliche Koordination der Altlastenbearbeitung, informiert und berät die zuständigen Behörden.“

Ein Blick in die Statistiken zeigt, welch zahlreiche Aufgaben seit Beginn der Altlastenbearbeitung in Baden-Württemberg bewältigt wurden. 101.320 Flächen wurden erfasst und bewertet, 3.421 Flächen saniert. Aktuell werden 17.803 altlastverdächtigen Flächen und Altlasten im Kataster geführt. Im vergangenen Jahr wurden rund 815 Verdachtsflächen untersucht und hinsichtlich ihrer Umweltgefährdung beurteilt. Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass für eine weitgehende Aufarbeitung des Altlastenproblems mindestens weitere 20 Jahre benötigt werden.

Die Altlastenstatistik 2015 kann unter lubw.baden-wuerttemberg.de heruntergeladen werden.

Quellen: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg / LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg