Reifenbrände und Fälle illegaler Reifen-Entsorgung häufen sich

825
Illegal abgelagerte Altreifen (Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de)

Bonn — Im Mai brannte das größte Reifenlager Europas im spanischen Seseña nahe Madrid mit über 200.000 Reifen ab. In der Nacht zum 1. Juli standen in Vorpommern gleich zwei Altreifenlager in Flammen. Und die Tagespresse berichtete in den letzten Wochen mehrfach über Fälle illegaler Reifenentsorgung. Der fachgerechte Umgang mit Altreifen gerät damit erneut als drängende ökologische und wirtschaftliche Herausforderung in den Blick der Öffentlichkeit. Die Initiative ZARE leistet hierbei wichtige Orientierungshilfe für Händler, Werkstätten und Privatpersonen.

Die Feuersäule über der Altreifendeponie in Zemitz, Vorpommern war schon aus der Ferne zu sehen. Das Firmengelände stand komplett in Flammen und die aus mehreren Orten hinzugezogenen Einsatzkräfte kämpften mehrere Stunden gegen den Brand an, als sie Nachricht von einem weiteren Altreifenbrand erhielten. In der Nähe beider Orte bemerkten Zeugen einen weißen Lieferwagen, gegen die Insassen wird wegen Brandstiftung ermittelt. Ein Fall, der unweigerlich an die Bilder erinnert, die vor etwa zwei Monaten aus dem spanischen Seseña zu uns gelangten. Aufgrund der enormen Größe des dortigen Reifenlagers mussten ganze Ortschaften evakuiert werden. Die entstandene Giftgaswolke begleitete die Anwohner über mehrere Wochen.

Weniger gravierend, aber ebenso besorgniserregend sind die sich häufenden Fälle illegal entsorgter Reifen. In Heuchelheim (Landkreis Gießen), Hünfelden (Landkreis Limburg-Weilburg) und im sächsischen Ostritz mussten insgesamt rund 200 achtlos in der Natur entladene Altreifen geborgen werden. In Pohritzsch ließ ein Fund von 100 abgeladenen Altreifen die Zahl im Altkreis Delitzsch 2016 gar auf 500 ansteigen; im vergangenen Jahr waren es über 900. Besonders schlimm ist der Fall in Ostritz: „An manchen Stellen erinnert die Neiße hier an eine wilde Mülldeponie. Insbesondere Touristen, die von Hirschfelde aus durchs Neißetal paddeln, beschweren sich immer wieder über den Müll“, erklärte Michael Schlitt, Stiftungsdirektor des IBZ St. Marienthal, dessen Mitarbeiter in mehrstündiger Arbeit rund 50 Pkw- und Lkw-Reifen aus dem Fluss gezogen hatten. „Tausende weitere Altreifen liegen nach wie vor drin.“

Die Hünfeldener Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (Parteilos) geht aufgrund der Menge der gefundenen Reifen davon aus, dass sie aus gewerblichem Handel stammen. Auch in Gießen weisen Markierungen an den Reifen darauf hin, dass sie von einem Händler entsorgt wurden – um Kosten zu sparen.

Die Leidtragenden sind in solchen Fällen die Gemeinden, die die hohen Kosten für die Entsorgung tragen müssen, solange die Schuldigen nicht gefunden sind. Hier kann die in diesem Jahr gegründete Initiative ZARE Abhilfe schaffen: Sie weist verantwortungsbewusste, nachhaltig arbeitende Altreifenentsorger mit Zertifikat aus und gibt Werkstätten und Reifenhändlern so eine wichtige Orientierungshilfe, wem sie ihre Altreifen anvertrauen können und wem nicht. Zudem will ZARE Autofahrer über die umweltgerechte Altreifenentsorgung informieren.

Die Initiative ZARE ist ein Zusammenschluss von 15 im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) zertifizierten Altreifenentsorgern, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Bewusstsein für fachgerechtes Reifenrecycling in Deutschland zu stärken. Alle ZARE-Partner sind auch Mitglied im BRV. An 22 Standorten decken die ZARE-Partner Deutschland und die Niederlande nahezu flächendeckend ab.

Quelle: CGW GmbH