Klärschlammverwertung: Einsatz von Synthetik-Polymeren bleibt weiterhin möglich

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Klärschlamm-Aufbereitung (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Hennef — Neue Untersuchungsergebnisse belegen, dass kationische Polyacrylamide im Boden einem Abbau unterliegen; somit besteht weiterhin die Möglichkeit ihres Einsatzes. Die Polymerhersteller werden in den Sicherheitsdatenblättern ausweisen, wenn ihre Produkte die Anforderungen der Düngemittelverordnung erfüllen. Der Wissenschaftliche Beirat für Düngungsfragen hat weitergehende Regelungen zur Begrenzung der Einsatzmengen von Polymeren empfohlen.

Die geltende Regelung der Düngemittelverordnung (DüMV) sieht vor, dass ab dem Jahr 2017 synthetische Polymere bei der Herstellung von Düngemitteln nur noch eingesetzt werden dürfen, soweit diese sich mindestens um 20 Prozent in zwei Jahren abbauen. Bisher lagen zum Abbauverhalten von Polymeren in Böden keine ausreichenden Kenntnisse vor. Das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) hat nun eine Studie zum Abbauverhalten von kationischen Polyacrylamiden im Boden erstellt, deren Ergebnisse Ende April 2016 beim rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium erörtert wurden. Demnach hat das IME insbesondere einen Abbau der Polymer-Stammkette nachgewiesen, der der geforderten Abbaurate der DüMV entspricht.

Kläranlagenbetreiber, die ihre Schlämme bodenbezogen verwerten, haben als Hersteller und Inverkehrbringer eines Düngemittels die Garantenstellung für die Einhaltung der düngemittelrechtlichen Vorgaben inne. Dieser Verantwortung werden sie gerecht, wenn sie die Polymere einsetzen, für die die Hersteller die Abbaubarkeit zusichern; Polymere sind unverzichtbare Hilfsstoffe, um Klärschlämme mit hoher Effizienz einzudicken und zu entwässern. Sie gelten als ökotoxikologisch unbedenklich, was die Erkenntnisse aus dem Projekt des IME erneut bestätigen. Zudem müssen Kläranlagenbetreiber in den Sicherheitsdatenblättern die Einhaltung der Vorgaben der DüMV ausweisen. Diese Zulassung gilt solange, bis keine neuen Erkenntnisse oder grundlegend neuen Forschungsergebnisse zu einer anderen Beurteilung führen, was auch Hans Walter Schneichel vom Umweltministerium Rheinland Pfalz im Mitgliederrundbrief des regionalen DWA-Landesverbandes bestätigte (dwa-hrps.de, Seite 20).

„Vor diesem Hintergrund ist eine bodenbezogenen Klärschlammverwertung unter Einsatz von kationischen Polyacrylamiden als Konditionierungsmittel über das Jahr 2016 hinaus möglich“, schrieb Schneichel in seiner Stellungnahme. Diese Auffassung vertritt auch die DWA.

Parallel hat der Wissenschaftliche Beirat für Düngungsfragen, der das BMEL durch gutachterliche Stellungnahmen berät, im Februar 2016 über mögliche Kriterien zur Anwendung synthetischer Polymere in der Landwirtschaft beraten und dem BMEL eine Begrenzung der eingesetzten Mengen empfohlen. Ob der Gesetzgeber diese Empfehlung in der angekündigten Novellierung der Düngemittelverordnung aufgreifen wird, ist offen. Sobald belastbare Kenntnisse eines solchen Vorgehens des BMEL vorliegen, wird die DWA hierzu informieren.

Eine DWA-Stellungnahme zum Einsatz von Polymeren ist unter dwa.de erhältlich.

Quelle: Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA)