Fakten ignoriert, Neutralität fehlt: UBA-Studie zur Obsoleszenz gerät in die Kritik

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Quelle: Murks? Nein Danke! e.V.

Berlin — Das Öko-Institut e.V. und die Universität Bonn, Institut für Landtechnik legten im Februar nach mehr als zwei Jahren ihre Studie zur „Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen ‚Obsoleszenz'“vor; Auftraggeber war das Umweltbundesamt. Die Untersuchung sollte alle Formen von Obsoleszenz thematisieren und an bestimmten Produktgruppen genauer untersuchen, eine Informationsgrundlage schaffen und Strategien gegen Obsoleszenz entwickeln. Doch die Studie verschweige auf den mehr als 300 Seiten mehr als sie schreibt und liefere keine wirklich neuen Erkenntnisse, kritisiert der Obsoleszenz-Experte Stefan Schridde.

Die Studie – so Schridde – ignoriert vielmehr bereits erfolgte Bestätigungen und Belege der geplanten Obsoleszenz. Aus dem bereits vorliegenden faktenreichen Material der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte in ganz Europa würden nur die der eigenen Argumentation dienenden Inhalte entnommen. Mit rhetorischen Tricks, eigenwilligen Reduzierungen und geneigten Interpretationen versuche man die klare Sicht der Öffentlichkeit zu vernebeln.

Weiterhin wird kritisiert, dass die Studie versucht, die Hersteller als „unschuldige“ Lieferanten zu entlasten, die lediglich Konsummustern folgen würden, und damit wissentlich Ursache und Wirkung vertauscht. Dass der Vorschlag zur „Einführung einer Mindesthaltbarkeitsdauer“ gemacht wird, dem kompliziertesten Lösungsweg mit dem höchsten Zeitbedarf zur Umsetzung, was dem Verschieben einer Lösung auf die „lange Bank“ gleichkommt. Dass die Studie mit ihren Aussagen indirekt die Berechtigung und Sinnhaftigkeit bereits erfolgten Regierungshandelns in Europa (z.B. EU-Kommission, EWSA, Frankreich, Verbraucherministerkonferenz) bezweifelt und die diesen Entscheidungen zugrunde liegenden Prüfungen ignoriert. Und dass den Kernaussagen der Studie eine umfassende Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zugrunde gelegt wurde, die im Jahr 2013 im Auftrag des Zentralverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI) erfolgte – also von einem führenden Herstellerverband, dessen Mitgliedsunternehmen zum zentralen Untersuchungsfeld der Studie gehören.

Insgesamt wurde nach Ansicht von Stefan Schridde der Auftrag der Studie selbst unvollständig bearbeitet und die Auftragszeit erheblich überzogen. Wesentliche Teile wurden im Studienverlauf vom Auftraggeber auf andere Studien ausgelagert. Die für eine wissenschaftliche Forschungsarbeit gebotene Neutralität und Ausgewogenheit sei nicht gegeben. Das Papier lese sich insgesamt eher wie eine Verteidigung für die Position der Hersteller.

Bereits jetzt findet eine kritische Debatte zu dieser Studie in der (Fach)Öffentlichkeit statt. Die aktuelle umfangreiche Mängelliste wird online publiziert und laufend erweitert. Damit soll der (Fach)Öffentlichkeit eine interaktive Möglichkeit geboten werden, sich an der kritischen Bearbeitung der Studie über die Kommentarfunktion zu beteiligen.

Die vollständige kritische Stellungnahme von Stefan Schridde ist unter murks-nein-danke.de(1) zu finden. Die Mängelliste zur UBA-Studie steht online unter murks-nein-danke.de(2) zur Verfügung. Die Obsoleszenz-Studie des Umweltbundesamtes über den „Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen ‚Obsoleszenz’“ kann unter umweltbundesamt.de heruntergeladen werden.

Quelle: Murks? Nein Danke! e.V.