Scholz Gruppe zeigt Zukunftsperspektiven für das Altfahrzeugrecycling

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Altauto-Verwertung (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

London — Angesichts einer sich dramatisch verändernden Zusammensetzung eines Durchschnittsfahrzeugs müssen Recyclingtechnologien ständig weiterentwickelt werden. War früher noch ein Stahlanteil von etwa 75 Prozent in einem PKW verbaut, so sind es heute noch ca. 40-50 Prozent; der Rest verteilt sich auf Nichteisenmetalle, Kunststoffe, Carbonfasern sowie hochfeste Stähle. “Um zukünftig die neuen Fahrzeugmodelle verwerten zu können, sind Forschungsvorhaben, mehr Kommunikation mit den Automobilherstellern und neue Recyclingtechniken notwendig“, betont Dr. Kay Oppat, COO der Scholz Gruppe.

Die Recyclingunternehmen werden hier vor große Herausforderungen gestellt. Denn das Design auf mehr Energieeffizienz durch Gewichtsreduktion in der Gebrauchsphase auszurichten, führt nicht zwangsläufig zu einem Mehr an „Ökodesign“. Vielmehr wird die Materialvielfalt immer komplexer und damit die Trennung der Materialien am Lebensende immer aufwändiger. Hohe Verwertungsquoten zwingen die Aufbereiter bereits heute, immer höhere Anteile an Kunststoffen abzutrennen, und dies muss zwangsläufig zu neuen und Technologien führen. Heute sind die Experten der Scholz Gruppe damit beschäftigt, die Trennung der anfallenden Kunststofffraktionen mit Hilfe von sensorgestützten Systemen zu optimieren.

Stärker auf Prä-Shreddertechnik fokussieren

Fahrzeuge, insbesondere Elektro- oder Hybridfahrzeuge, enthalten heutzutage einen vergleichbar größeren Anteil von elektrischen (Motoren und Batterien) und elektronischen Komponenten, die aus Sicherheitsgründen oder zur Reduktion der Sortierkomplexität nach dem Shredder sinnvollerweise durch geeignete Prä-Shredder-Technologien vorbehandelt werden müssen. Vor einigen Jahren lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent an der Wertschöpfung in Neufahrzeugen; im heutigen Automobil kann dieser Anteil bei bis zu 35 Prozent liegen. Dazu gehören Navigationssysteme, Fahrassistenzsysteme und Elektromotoren zur Steuerung der Sitze. Dies wird zunächst zu einem höheren Druck hin zu mehr Vordemontageschritten (Prä-Shredderphase) führen.

Herkömmliche Shredder- wie auch Postshredderverfahren sind aktuell noch nicht an die neue Zusammensetzung angepasst. Dr. Rene Gissinger, CEO Scholz International Holding GmbH und zuständig für das Ressort Technik, bringt es auf den Punkt: „Wir müssen uns viel stärker auf die Prä-Shreddertechnik fokussieren. Wenn wir werthaltige Rohstoffe abtrennen wollen, muss dies vor dem Shredder geschehen. Ob dies in Zukunft mehr händische Demontage oder automatisierte Abtrennung heißt, kann heute nicht vorhergesagt werden.“ Zunächst können Kompetenzen aus dem Bereich der Elektronikschrott-Aufbereitung hinzugezogen werden. Jedoch sind für eine großtechnische Aufbereitung Investitionen notwendig. Dies ist in Kürze zu entscheiden und von politischen Rahmenbedingungen und damit Investitionssicherheit abhängig.

Durchschnittliche Zusammensetzung eines Neufahrzeugs (Grafik: Scholz Holding GmbH)
Durchschnittliche Zusammensetzung eines Neufahrzeugs (Grafik: Scholz Holding GmbH)

Rohstoff-Recycling noch unzureichend

Große Herausforderungen gibt es zudem beim Ökodesign und für die Vermeidung von Primärmaterialien in den neuen Elektrofahrzeugen. Wichtige Rohstoffe für Elektrofahrzeuge werden heute noch gar nicht oder nur unzureichend verwertet. Dabei sind insbesondere die Batteriematerialien betroffen, besonders Lithium, Seltene Erden, Tellur und Indium, die nicht oder nur geringfügig zurückgewonnen werden, weil sich das Recycling noch nicht rechnet. Kobalt und Molybdän weisen sehr niedrige Recyclingraten auf. Das Recycling bildet hier also einen wichtigen Ansatzpunkt zur Verringerung des Einsatzes von knappen Rohstoffen.

Alternative Zelltechnologien, die ohne den Einsatz heute verwendeter Kathodenmaterialien auskommen (Li-Luft- und Li-Schwefel-Batterien), werden derzeit zwar erforscht; mit einer Markteinführung ist jedoch noch lange nicht zu rechnen. Die Batterie sollte in jedem Fall getrennt entsorgt werden; dafür können sich die Experten der Scholz Gruppe auch ein eigenes ggf. pfandbasiertes Rücknahmesystem vorstellen. Die Pläne der Bundesregierung, den Kauf von Elektrofahrzeugen finanziell zu unterstützen, sehen die Experten von Scholz als nicht zielführend an.

Investments sind in Gefahr

Die Scholz Gruppe betreibt in Deutschland und einigen EU-Mitgliedstaaten zahlreiche Shredder- und Postshredderanlagen, die höchsten Umweltstandards genügen. Die Investitionen wurden sämtlich getätigt, um den Anforderungen der EU-Altfahrzeugrichtlinie aus dem Jahr 2000 und den erhöhten Anforderungen aus 2015 zu genügen. Doch: „Unsere Investments sind in Gefahr, wenn Politik und Behörden weiterhin die Augen verschließen, statt den illegalen Betrieb von Anlagen und die illegalen Exporte von Altfahrzeugen konsequent zu verfolgen,“ kommentierte Kay Oppat den weiter hohen Anteil an unbekanntem Verbleib von 1,18 Mio. Altfahrzeugen in Deutschland für das Jahr 2013.

Oppat unterstrich dabei die Verantwortung der Verwerter, sich den neuen Herausforderungen stellen zu müssen. Dies gelinge aber nur in einem engen Austausch mit Herstellern und Lieferanten gleichzeitig. „Wir wollen keinen Protektionismus der Rohstoffe proklamieren, fordern andererseits aber klare Verhältnisse in der Behandlung von Altfahrzeugen“. Neben einem besseren Vollzug sei dringend die Anpassung der Richtlinie an neue Marktbedingungen notwendig. Die gemeinsame Produktverantwortung der Hersteller, Demontierer und Verwerter müsse eindeutiger definiert werden, mehr Kommunikation, mehr Information und eine Kostenbeteiligung an Forschungsvorhaben ist notwendig.

Quotensystem komplett überarbeiten

Das Konzept der Recyclingquoten muss zudem auf neue Füße gestellt werden. Quoten, die ausschließlich auf Massenmetalle abzielen, ist nicht mehr zeitgemäß,“ sagt Rene Gissinger. „Wenn wir auch kritische Rohstoffe und mehr Kunststoffe aus dem Auto zurückgewinnen wollen, muss das Quotensystem komplett überarbeitet werden. Wir brauchen neben quantitativen auch qualitative Recyclingziele. Zudem sind Anreize für höhere Rücklaufquoten zu diskutieren, eine gesetzlich festgelegte kostenlose Rücknahme ist nicht mehr marktgerecht und zeitgemäß.“

Quelle: Scholz Holding GmbH