Vorrang für hochwertige Ersatzbrennstoffe umsetzen

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Foto: Dr. Jürgen Kroll

Mainz — „Die Mitverbrennung ergänzt die stoffliche Verwertung und ist somit unverzichtbarer Bestandteil einer ressourcenoptimierten Rohstoffwirtschaft“, so Matthias Einsele, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Ersatzbrennstoffe, Altholz und Biogene Abfälle bei der Tagung seiner Branche in Mainz. Für den Einsatz hochwertiger Ersatzbrennstoffe in Produktionsprozessen und Kraftwerken sprechen die hohe Umweltverträglichkeit, die hervorragende Energieeffizienz sowie die abfallwirtschaftliche Notwendigkeit.

Müllverbrennung eindämmen
Dies werde von der Politik jedoch viel zu wenig anerkannt, so Einsele vor rund 80 Branchenexperten: Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz habe bisher nicht zu einer Privilegierung hochwertiger Verwertungsformen geführt. Überkapazitäten bei den Müllverbrennungsanlagen sorgten weiter dafür, dass Ressourcen oftmals den vermeintlich günstigsten Entsorgungsweg gehen und einfach unvorbehandelt verbrannt werden. Dabei könnten sie recycelt oder zu hochwertigen Sekundärbrennstoffen aufbereitet werden, die in Produktionsprozessen direkt primäre Energieträger ersetzen. „Dass dies oftmals unterbleibt, ist ineffizient und lässt Ressourcenschonung oder Nachhaltigkeit außer Acht. Dabei sind doch genau das die Ziele, die sich die Politik auf die Fahnen geschrieben hat“, kritisierte Einsele. Der Fachverbandsvorsitzende hält es deshalb für unausweichlich, energetisch wenig effektive Verbrennungskapazitäten abzubauen.

Von Seiten des Bundesumweltministeriums erhielten die Branchenvertreter Zuspruch: Die möglichst effiziente Nutzung von Energieträgern aus Abfall, dessen Recycling nicht möglich ist, werde in Deutschland immer wichtiger und könne zur Erreichung umweltpolitischer Ziele beitragen, so MinR Dr. Andreas Jaron. Dies umzusetzen sei im Spannungsfeld divergierender Interessen in der Kreislaufwirtschaft jedoch eine große Herausforderung. Jaron verwies im Hinblick auf die Hochwertigkeit im Sinne der Abfallhierarchie auf die anstehende Novelle der Gewerbeabfallverordnung. In diesem Zusammenhang werde auch eine Verwertungs- oder Sortierquote diskutiert.

Sekundärrohstoffwirtschaft braucht wirtschaftliche Grundlage
„Die Aufbereitung von Abfällen muss wirtschaftlich attraktiv bleiben“, forderte Einsele. Nicht nur die geringen Verbrennungspreise und niedrigeren Aufbereitungskosten in Drittstaaten machten den Betrieben zu schaffen. Durch die energieintensiven Prozesse machten EEG-Umlage und Stromsteuer teils bereits über fünfzig Prozent der Gesamtstromkosten aus. Mehr denn je bestehe deshalb die Gefahr, dass die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßten.

Einsele forderte deshalb, die Hersteller hochwertigen Ersatzbrennstoffes ebenso von der EEG-Umlage zu befreien, wie die Produzenten fossiler Primärenergieträger: „Wir stellen ein Substitut her, das den Eigenschaften dieser Primärenergieträger entspricht und zum gleichen Zweck eingesetzt wird.“ Deshalb müssten doch gerade die Unternehmen von der Ausgleichsregelung ausgenommen sein, die dem Anliegen des EEG und des Ressourcenschutzes dienen. „Das würde der Entwicklung der Abfallwirtschaft hin zu einer Rohstoffwirtschaft endlich gerecht werden.“

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.