ecoprog: Europa dominiert den Zubau von Biogasanlagen bis 2025

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Biomasse-Anlage (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Köln — Bis 2025 werden weltweit rund 2.600 MW(el) an Biogaskapazitäten neu errichtet. Wesentlicher Markttreiber ist die Förderung erneuerbarer Energien. Trotz des Einbruchs des deutschen Marktes bleibt Europa im weltweiten Vergleich führend. Das ist das Ergebnis einer neuen Marktuntersuchung der ecoprog GmbH.

Weltweit sind aktuell über 12.000 Biogasanlagen mit einer Leistung von rund 7.000 MW(el) in Betrieb. Über 90 Prozent der Anlagen stehen in Europa, denn hier wurden Förderungen erneuerbarer Energien teilweise bereits in den 1990ern eingeführt. Vor allem in Deutschland wurden im Zuge des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit rund 8.000 Anlagen etwa zwei Drittel des weltweiten Bestandes errichtet.

Geringerer Ausbau erwartet

Doch durch die deutliche Reduzierung der Förderung seit 2012 ist der ehemals weltweit dominierende deutsche Markt eingebrochen. Auch in vielen anderen Ländern Europas und Nordamerikas rücken Wettbewerb, Kosteneinsparungen und Nachhaltigkeitskriterien in den Vordergrund der Förderung erneuerbarer Energien. In Bulgarien und der Tschechischen Republik führte dies gar zu einem gänzlichen Stopp der staatlichen Unterstützung.

In der Folge findet auch in den kommenden Jahren ein Ausbau an Biogasanlagen statt, jedoch in deutlich geringerem Umfang als in den Boomjahren der frühen 2010er. Während von 2010 bis 2015 rund 3.000 MW(el) zugebaut wurden, wird die installierte Leistung zwischen 2016 und 2025 nur noch um rund 2.600 MW(el) auf 9.600 MW(el) zunehmen.

In den Boomjahren um 2011 wurden über 90 Prozent aller Kapazitäten in Europa errichtet; bis 2025 dagegen entfallen etwa 75 Prozent des Neubauvolumens auf Europa. Damit bleibt Europa nach wie vor die mit Abstand stärkste Region in der weltweiten Betrachtung. Der deutliche Rückgang des deutschen Marktes wird zumindest in Teilen durch die starken Biogasmärkte Frankreich, UK, Italien und Polen kompensiert.

Asien und Nordamerika im Aufwind

An Bedeutung gewinnen auch die Regionen Asien und Nordamerika, denn hier zeigen vereinzelte attraktive Förderungen Wirkung, etwa in Thailand. In den Regionen Südamerika, Australien und Pazifik sowie Afrika und Naher Osten beschränkt sich der Ausbau der Biogasanlagen weiterhin auf einzelne, teils sehr große Projekte. Während in vielen Ländern dieser Regionen das Fehlen einer attraktiven Förderung Grund für den geringen Ausbau ist, sind es in Japan vor allem die etablierten Energiemarktstrukturen sowie genehmigungsrechtliche Hindernisse.

Bis 2025 liegt in Frankreich mit einem Zubau von rund 440 MW(el) der stärkste Ländermarkt weltweit. Grund hierfür ist ein Ausbau der Förderung durch eine Anhebung der Einspeisevergütung und die Einführung eines zusätzlichen Auktionssystems im Zuge der neuen Energiewendegesetzgebung im Jahr 2015.

Geänderte Marktbedingungen

Durch die Umstrukturierung des Biogasmarktes haben sich die Marktbedingungen für viele Technologieanbieter und Betreiber geändert. Viele vormals regional bis national operierende Unternehmen versuchen, durch die Internationalisierung ihrer Geschäfte neue Absatzmärkte zu gewinnen. Zudem bauen sich zahlreiche Technologieanbieter mit einer Konzentration auf das Service- und Repowering-Geschäft an bestehenden Standorten ein neues Standbein auf. Denn der Bedarf an Optimierungsmaßnahmen an Biogasanlagen steigt. Schließlich nimmt das Alter der Anlagen zu und viele Anlagenbetreiber stehen in einem zunehmenden Wettbewerb durch geringere Fördersätze und hohe Substratpreise. Auch die Aufbereitung von Biogas auf Biomethanqualität und die Einspeisung ins Erdgasnetz rücken in den Vordergrund möglicher technischer Erneuerungen. Voraussetzung hierfür ist, dass die nationale Gesetzgebung die Einspeisung von Biomethan auch in der Förderung berücksichtigt.

Die Untersuchung „Biogas to Energy“ ist laut ecoprog die umfangreichste ihrer Art, da sie als einzige auf einer Auswertung des weltweiten Anlagenbestandes – und nicht nur von öffentlichen Statistiken – basiert. Weitere Informationen zur vierten Ausgabe dieser Studie sind unter ecoprog.de zu finden.

Quelle: ecoprog GmbH