DUH: Kühlgeräteentsorgung in Deutschland unterläuft weiter europäische Standards

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Kühlschrank-Recycling (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Berlin — Jedes Jahr wird in Deutschland ein Großteil der knapp drei Millionen anfallenden Kühlgeräte unsachgemäß entsorgt, meldet die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH). Mehr als die Hälfte der Geräte soll noch immer das besonders klimaschädliche Gas Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) enthalten. Grund dafür sind veraltete und unwirksame deutsche Entsorgungsvorschriften, die den Recyclingbetrieben Freiraum für illegale Praktiken lassen.

Anlässlich des Weltumwelttags am 5. Juni 2016 fordert die DUH Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dazu auf, die „unhaltbaren Zustände“ beim Kühlgeräterecycling zu beenden und die wesentlich fortschrittlichere europäische Entsorgungsnorm EN 50574 endlich auch in Deutschland verbindlich festzulegen.

„Durch die Festlegung des vorbildlichen Entsorgungsstandards EN 50574 für Kühlgeräte kann die blamable Belastung unseres Klimas mit einer Million Tonnen CO2 Äquivalenten gestoppt werden. Wenn Umweltministerin Hendricks bis 2020 die deutschen Klimaschutzziele erreichen will, dann muss sie sich endlich auch mit dem seit Jahren bekannten Notstand bei der Entsorgung von Kühlgeräten beschäftigen. Die deutschen Regeln zum Kühlgeräterecycling gehören zu den schlechtesten in ganz Europa“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. In Deutschland werden nur 63 Prozent der in Kühlschränken enthaltenen FCKW bei der Entsorgung zerstört. Anlagen in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich entnehmen dagegen 90 Prozent oder mehr der Treibhausgase aus alten Kühlgeräten.

„In Deutschland müssen die Entsorger von Kühlgeräten endlich zum Nachweis gezwungen werden, was an FCKW-haltigen Geräten in die Anlagen reingeht und wie viel FCKW aus den Kühlschränken und Truhen tatsächlich rausgeholt wird. Nur dann können die Behörden auch beurteilen, ob ein Entsorger betrügt oder nicht. So lange solche Stoffstrombilanzen nicht erstellt werden müssen, hat Deutschland weiterhin ein riesiges Problem bei der Erreichung seiner Klimaschutzziele“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. In der Entsorgungsnorm EN 50574 sind Stoffstrombilanzen verbindlich festgelegt.

Laut Fischer haben die im Kühlmittel und der Isolierung enthaltenen FCKW eines Kühlschranks ein Treibhauspotential von 2,8 Tonnen CO2. Das entspricht dem CO2-Ausstoß eines Mittelklasse-Fahrzeugs in einem Jahr bei 15.000 Kilometer Fahrleistung. Durch die Vorgabe kontrollierbarer Entsorgungsstandards beim Kühlgeräterecycling können ohne großen Aufwand und ohne teure Förderprogramme große Mengen an CO2 eingespart werden.

Ein Hintergrundpapier zur Kühlgeräteentsorgung einschließlich praxisnaher Lösungsvorschläge ist unter duh.de erhältlich.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH).