Recyclingwirtschaft strategischer Partner bei Bekämpfung des Meeresmülls

856
Foto: Gavin Parson/Marine Photobank

Berlin/München — „Plastikmüll in den Meeren – Bergung und Recycling von Geisternetzen“ lautete der Titel einer heute gemeinsam vom BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V., der Tönsmeier-Gruppe und dem WWF Deutschland auf der Weltleitmesse für Umwelttechnologien IFAT durchgeführten Podiumsdiskussion. Dabei ging es um die Frage, wie im Rahmen des WWF-Projekts „Geisternetze“ herrenlose Teile von Fischernetzen aus der Ostsee geborgen werden und einer ökologisch und ökonomisch sinnvollen Verwertung zugeführt werden können.

BDE-Präsident Peter Kurth sagte: „Meere sind Sehnsuchtsorte, Handelswege, Nahrungsquelle und Arbeitsplatz. Sie sind der größte Lebensraum des Planeten, den sie zu 70 Prozent bedecken.“ Allerdings, so Kurth weiter, gelangten alljährlich große Mengen Müll ins Meer. Weil vor allem Plastikreste mit etwa 450 Jahren besonders haltbar seien, nimmt deren Masse ständig zu – mit oft tödlichen Folgen für eine Vielzahl von Meerestieren.

Weltweit hätten etwa drei Milliarden Menschen keinen geregelten Zugang zu einer Abfallentsorgung. Deren Abfälle landeten letztlich im Meer. Plastik in den Meeren sei vor diesem Hintergrund eine herkulische Aufgabe für die internationale Abfallwirtschaft.

Der WWF und Tönsmeier seien deshalb eine strategische Partnerschaft eingegangen, die in einem verhältnismäßig kleinen Meer wie der Ostsee beispielhaft ein Verfahren zur Bergung von Geisternetzen entwickeln will. Fernziel dieser Partnerschaft sei, die gewonnenen Erkenntnisse global zu skalieren. Ein deutscher mittelständischer Umweltdienstleister habe damit die Chance, so Peter Kurth, Wegbereiter eines globalen Projektes zur Bekämpfung des Plastikmülls in den Meeren zu werden.

Der Recyclingspezialist Tönsmeier wird den WWF nicht nur dabei unterstützen, die Netze zu bergen, sondern einen Prozess entwickeln, in dem die gesammelten Netzteile aufbereitet und verwertet werden können.

Mit Blick auf das Projekt, Geisternetze aus den Meeren zu bergen und zu verwerten, hob Tönsmeier-Gruppengeschäftsführer Bernd Ranneberg die Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen für die gesamte Branche hervor: „Wenn wir über eine funktionierende Kreislaufwirtschaft reden, reden wir auch immer über Recyclingquoten. Quoten geben dem Recycling immer einen Schub nach vorne“.

Die Kooperation zwischen der Tönsmeier-Gruppe und dem WWF ist die erste eines Unternehmens der Kreislaufwirtschaft mit Deutschlands größtem Umweltverband. Zunächst sollen Informationen über Zusammensetzung, Größe und Verschmutzungsgrad der geborgenen Netze gewonnen werden. Diese Daten fließen anschließend in die Entwicklung einer Verwertungsstrategie ein. Ein Ziel des gemeinsamen Projektes soll es sein, den größtmöglichen Anteil als Sekundärrohstoff im Produktionskreislauf zu belassen und den Verbrauch natürlicher Rohstoffvorkommen zu verringern. Geisternetze sind mit 28 Prozent die zweithäufigste Abfallart in den Meeren.

Quelle: BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.