Kommunalwirtschaft benötigt Spielräume für ökonomisch nachhaltiges Wirtschaften

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Quelle: Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU)

München — Die Vizepräsidenten Patrick Hasenkamp und Michael Beckereit sowie die Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) haben heute im Rahmen der Umweltmesse IFAT auf die Bandbreite an Herausforderungen hingewiesen, denen sich kommunale Unternehmen stellen müssen. Dabei standen die Fragen des Infrastrukturerhalts- sowie der -finanzierung und die Herausforderungen durch die Flüchtlingsbewegungen im Mittelpunkt.

Patrick Hasenkamp, Vizepräsident der Sparte Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, zeigte auf, welche Aufgaben an kommunale Unternehmen herangetragen werden, die durch die gegenwärtigen Fluchtbewegungen entstehen: „Kommunale Unternehmen machen sich im Bereich der Flüchtlingsarbeit stark, und das auf mehreren Ebenen: Sie haben in den vergangenen Monaten schnell und unbürokratisch Hilfe bei der Versorgung von Flüchtlingsunterkünften geleistet, sie schaffen Praktikums-, Arbeits- und Ausbildungsplätze und sie engagieren sich im außereuropäischen Ausland in der Entwicklungszusammenarbeit.“

Die kommunalwirtschaftlichen Strukturen in Deutschland haben ein außergewöhnlich hohes Niveau. „Es besteht ein großes Interesse am Export dieses Know-hows ins außereuropäische Ausland. Viele kommunale Unternehmen wollen sich hier engagieren. Für ein nachhaltiges und dauerhaftes Engagement kommunaler Unternehmen müssen ihre Spezifika allerdings noch besser berücksichtigt werden. Das betrifft sowohl die Finanzierung solcher Vorhaben als auch die politische Unterstützung insbesondere auf Ebene der Bundesländer, wo höchst unterschiedliche rechtliche Vorgaben eine solche Betätigung kommunaler Unternehmen regeln“, so Hasenkamp. Reiche ergänzt: „Wir wünschen uns, dass die Kommunalaufsichten für die derzeitigen Herausforderungen sensibilisiert werden und dass sie die Projekte der Unternehmen in dieser außergewöhnlichen Zeit konstruktiv begleiten.“

Michael Beckereit, Vizepräsident der Sparte Wasser und Abwasser, erläuterte die besonderen Herausforderungen des Infrastrukturerhalts in der Wasserwirtschaft: „Die zeitlichen Dimensionen, mit denen wir es bei den Infrastrukturen der Wasser- und Abwasserversorgung zu tun haben, sind außergewöhnlich: Die Leitungen und Anlagen haben oft Nutzungsdauern von über 80 Jahren. Das allein ist schon eine enorme Herausforderung. Strukturelle Veränderungen, bedingt durch den demografischen Wandel, abnehmende Bevölkerungszahlen in den einen Regionen und Bevölkerungszuwächse in anderen Regionen, sowie klimatische Veränderungen erschweren die Planungen zusätzlich.“

Das bestätigen die Ergebnisse einer aktuellen VKU-Mitgliederbefragung. Sowohl in der Sparte Wasser als auch Abwasser werden der Erhalt und die Erneuerung der bestehenden Leitungs- und Kanalnetze sowie der vorhandenen Anlagen von nahezu allen Teilnehmern als maßgebliche Herausforderung angesehen. Obwohl die kommunale Wasser- und Abwasserwirtschaft bereits heute umfangreich investiert, gehen rund 80 Prozent der Befragten davon aus, dass die Ausgaben in den kommenden Jahren deutlich bis leicht zunehmen werden müssen. Und rund ein Drittel der Wasserversorger und ein Fünftel der Abwasserentsorger geben an, dass sie dabei auch auf Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur reagieren müssen. Beckereit: „Der Infrastrukturerhalt in der Wasserwirtschaft ist einer der wesentlichen Aufgaben der kommenden Zeit.“

Reiche abschließend: „Kommunale Unternehmen leisten hervorragende Arbeit. Damit das so bleibt, sollte die Politik die Leistungen und Herausforderungen der Unternehmen in ihrer Gesamtheit betrachten und die Rahmenbedingungen so setzen, dass den Unternehmen Spielräume für ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften gegeben wird.“

Quelle: VKU – Verband kommunaler Unternehmen e.V.