Mengenschwund: Reclay Group hält DSD-Vorgehen für systemgefährdend

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Quelle: Reclay Group

Köln — Minus 30.000 Tonnen Leichtverpackungen, minus 28.000 Tonnen Papier/Pappe/Kartonagen (PPK), minus 19.000 Tonnen Glas – das sind die Verpackungsmengen, die die Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD) aktuell weniger gemeldet hat als noch im 1. Quartal 2014. Der bereits im Jahr 2013 begonnene erhebliche Mengenschwund beim Marktführer setzt sich damit weiter fort und gefährdet die Stabilität des erfolgreichen Systems der privaten haushaltsnahen Verpackungsentsorgung. Eine große Anzahl an Verpackungsmengen, die im Markt sein muss, wird nicht mehr abgebildet. Die Gesamtmenge der Eigenrücknahme (Point of Sale – POS) und Branchenlösungen hingegen ist im 1. und 2. Quartal 2014 signifikant gestiegen.

Nach Ansicht des Umwelt- und Entsorgungsmanagement-Dienstleisters Reclay Group fordert die DSD lautstark die Abschaffung von Schlupflöchern, scheint sie aber selbst massiv zu nutzen. So könne der Mengenschwund von 29 Prozent bei Leichtverpackungen und 36 Prozent bei PPK unmöglich alleine durch den Verlust großer Kunden verursacht worden sein, wie es DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter in einer aktuellen Mitteilung erklärt. Vielmehr deute alles darauf hin, dass DSD seine Mengen aus dem dualen System rausgenommen habe und sie stattdessen über Eigenrücknahme und Branchenlösungen entsorgt. Dabei habe Schreiter noch im Februar in der ARD-Sendung Plusminus öffentlichkeitswirksam verlautbart, beides nicht zu gebrauchen.

Engpässe möglich

„DSD stellt sich in Politik und Öffentlichkeit als Retter des Systems dar, nutzt jedoch in Wahrheit seine marktbeherrschende Stellung aus“, urteillt Raffael A. Fruscio, geschäftsführender Gesellschafter der Reclay Group. „Die deutlich zu niedrig gemeldeten Mengen schonen die eigene Liquidität, können aber bei anderen Systembetreibern zu Engpässen führen. Wir behalten uns vor, das Bundeskartellamt einzuschalten. Gleichzeitig sollten sich DSD-Kunden einmal die Frage stellen, ob sie tatsächlich wissen, was mit ihren Mengen geschieht.“

Dass die DSD nicht zu seinen eigenen Aussagen steht, scheint auch beim BDE-Zertifikat der Fall zu sein. Noch vor wenigen Wochen pries man das Zertifikat als einziges wirksames Mittel für einen fairen Wettbewerb an. Vor Kurzem wurde bekannt, dass der Systembetreiber seine Teilnahme am Zertifikat gekündigt hat.

Schlupflöcher schließen

Insgesamt zeigt die Quartalsmeldung nach Meinung der Reclay Group, dass sich speziell die POS-Mengen mit einer Steigerung von 162 Prozent in Q1 und Q2 in Dimensionen bewegen, „die mit der Lebenswirklichkeit nichts mehr gemein haben“. Im Zuge der Novellierung der Verpackungsverordnung gilt es jetzt, die Schlupflöcher zu schließen. Bund, Länder und die beteiligten Kreise sind in der Pflicht, gemeinsam und nicht gegeneinander zu agieren, um das bewährte System der privaten, haushaltsnahen Verpackungsentsorgung zu stabilisieren. „Die Reclay Group wird an einer Neugestaltung des dualen Systems aktiv und konstruktiv mitwirken. Unsere Mengenmeldung im 2. Quartal zeigt, dass wir unsere Verpflichtungen ernst nehmen und für ein stabiles System eintreten“, betont Fruscio abschließend.

Quelle: Reclay Group