Brasilien: Ende der Deponien stimuliert Abfallwirtschaft und Investoren

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Ab August 2014 soll es in Brasilien keine offenen Mülldeponien mehr geben. Nicht-recyclefähige Abfälle dürfen dann nur noch in ordnungsgemäßen Lagerstätten entsorgt oder sachgerecht verbrannt werden. Dies sieht der 2010 beschlossene nationale Abfallentsorgungsplan vor. Es ist unwahrscheinlich, dass alle Städte und Gemeinden die Frist erfüllen werden. Insbesondere Kommunen mit weniger als 150.000 Einwohnern haben enorme Probleme bei der Umsetzung des Plans, da ihre Abfallaufkommen für den wirtschaftlichen Betrieb von umweltfreundlichen Deponien zu gering sind.

Dennoch hat die neue Politik die Abfallwirtschaft in Bewegung gesetzt und Investitionen in den Bereichen Entsorgung, Verwertung und Recycling ausgelöst. Der brasilianische Abfallwirtschaftsverband Abrelpe hat berechnet, dass allein für neue Deponien 7 Milliarden Real (ca. 2 Milliarden €) investiert werden müssten. Die staatliche Förderbank BNDES unterstützt Investitionsprojekte in der Abfallentsorgung derzeit nach eigenen Angaben mit 1,7 Milliarden Real (ca. 520 Millionen €). Darüber hinaus fördert sie Müllsammlerkooperativen und die Entwicklung innovativer Entsorgungstechnologien.

Etablierte Abfallunternehmen setzen vor allem auf zugelassene Deponien oder die thermische Verwertung von Restmüll. Foxx Haztec plant die Errichtung von sechs neuen Großdeponien und baut im Bundesstaat São Paulo für 200 Millionen Real eine Müllverbrennungsanlage mit einer Stromerzeugungskapazität von 17 MW.

Kleinere Unternehmen sind innovativer. Vide Verde hat sich auf die Kompostierung organischer Hausmüllabfälle spezialisiert und betreibt inzwischen zwei Kompostanlagen im Bundesstaat Rio de Janeiro, die 550 Tonnen Abfälle pro Monat in Dünger umwandeln. Hannover Ambiental aus Brasilia will kleinere Abfallmengen in Hochtemperatur-Plasmaöfen umweltschonend verbrennen und dabei gleichzeitig Energie erzeugen – eine Lösung, die vor allem für abgelegene Orte interessant sein könnte.

Nach Angaben von Abrelpe setzte die Branche 23 Milliarden Real (ca. 7 Milliarden €) im Jahr 2012 um und dürfte um 10 Prozent gewachsen sein. Zwischen 2002 und 2012 stieg das Abfallaufkommen der brasilianischen Privathaushalte um 21 Prozent bei einem Bevölkerungszuwachs von 9,75 Prozent. Laut Abrelpe wurden 2002 nur 40 Prozent des Hausmülls sachgerecht entsorgt, 60 Prozent landeten auf (wilden) Mülldeponien. Seit 2012 hat sich das Verhältnis umgedreht, doch noch immer werden 40 Prozent des Abfalls unsachgerecht entsorgt.

Quelle: Brasil Economico, 08/01/2014