One Earth–One Ocean: Maritime Müllabfuhr-Konzept in ZIM-Projekt vorgestellt

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Die "Seekuh" im Rohbau (Foto: One Earth – One Ocean)

München-Garching / Kiel — Auf einer Pressekonferenz in Kiel wurden gestern die Ergebnisse eines ZIM-Projekts zum Thema „Marine Littering“ vorgestellt. Ein Kooperationsnetzwerk von zehn mittelständischen Unternehmen aus ganz Deutschland hat dabei erstmals eine industrielle, maritime Systemlösung für die Vermüllung der Meere entwickelt.


Um das Problem der Vermüllung der Meere durch Mikroplastik zumindest ansatzweise zu bekämpfen, hat sich ein Netzwerk von zehn deutschen Unternehmen zu einem ZIM-Projekt (ZIM = Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) zusammengeschlossen. Das Ziel: den Plastikmüll mit einer industriellen, maritimen Systemlösung umweltverträglich abfischen und stofflich und energetisch verwerten. Das Konzept „Marine-Debris-to-Energy-Ship-System“ (MDE-Ship-System) wurde gestern in Kiel der Öffentlichkeit vorgestellt. Es beruht im Wesentlichen auf dem Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ von Günther Bonin, des Gründers des Umweltvereins One Earth – One Ocean e.V.

Speziell entwickelte Netz- und Fangtechnik

Das Konzept, das Günther Bonin bereits 2011 entwickelte, basiert auf einer Reihe von Spezialschiffen unterschiedlicher Größe zur Sammlung des Plastikmülls aus dem Wasser. Seine Vision gliedert sich in mehrere Stufen: In einem ersten Schritt wird der Plastikmüll mit speziell von ihm entwickelten Schiffen auf den Meeren eingesammelt, sortiert und zerkleinert. Trennung und Recycling des Mülls erfolgt an Land. In einer späteren Phase soll das gesammelte Plastik direkt an Bord von Tankern in Öl rückverwandelt werden. Aus einer Tonne Plastik lassen sich so ca. 900 Liter Öl rückgewinnen. Auch die Netztechnik zum maximal effizienten „Auffischen“ von Plastik unter Berücksichtigung minimalen Fischbeifangs basiert auf Ideen von Günther Bonin.

Die am vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten ZIM-Kooperations-Netzwerk beteiligten Unternehmen wollen mit gebrauchten und umzubauenden Schiffen und einer speziell entwickelten Netz- und Fangtechnik den Plastikmüll an besonders verschmutzten Küstenregionen weltweit auffischen, an Bord von Mutterschiffen behandeln und anschließend stofflich verwerten. Ziel des ZIM-Projekts MDE-Ship-System ist „die Entwicklung, Projektierung, Herstellung und der weltweite Vertrieb eines Gesamtsystems für die Beseitigung und stoffliche Nutzung von sichtbarem Plastik an den Küsten unserer Meere und Ozeane“. Erstmals werden damit Kompetenzen aus der Maritimen- und der Umweltschutz-Industrie synergetisch zusammenarbeiten. Durch das Projekt sollen in den Zielländern nicht nur Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden. Auch Strom und Trinkwasser als Endprodukte der Prozesskette kommen den Menschen der Zielländer zugute.

Erste Seekuh vor der Fertigstellung

Erste Schritte zur Umsetzung der “maritimen Müllabfuhr” geht One Earth – One Ocean e.V. bereits seit Jahren mit seinen Spezialschiffen. Nach dem „Seehamster“ zum Einsatz in Binnengewässern soll noch in diesem Sommer der Stapellauf der ersten “Seekuh” zur Reinigung küstennaher Bereiche und Flussmündungen erfolgen. Hauptsponsor der Seekuh ist die Mannheimer Röchlingstiftung. Von Herrn Röchling stammt auch die Idee, Fischern kostenlos Spezialnetze zum Abfischen des Plastikmülls zur Verfügung zu stellen.

In Phase II des ZIM-Projekts sollen dann 12 Netzwerkpartner – kleine und mittlere Unternehmen (KMU), etablierte Großunternehmen (GU) und Forschungsinstitute – an der Umsetzung des MDE-Ship-Systems zu einer weltmarktfähigen Systemlösung zur Säuberung der Meere und Ozeane von Plastikmüll arbeiten.

Weitere Informationen sind unter oneearth-oneocean.com oder auf Facebook erhältlich.

Quelle: One Earth – One Ocean e. V.