Textilrecycling sucht neue Lösungen für hochwertigen Textilkreislauf

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Foto: TEXAID

Bonn — “Der Alttextilienmarkt hat sich nach dem extremen Preisverfall im 3. und 4. Quartal 2015, sowohl für Second-Hand-Bekleidung als auch für Recyclingware und Putzlappen, in den ersten Monaten in 2016 etwas stabilisiert. Nichtsdestotrotz ist die Branche weiterhin mit vielen Problemen und Herausforderungen konfrontiert, für die es neue Lösungen zu suchen gilt”, fasste der stellvertretende Vorsitzende des Fachverbands Textilrecycling, Martin Wittmann, auf dem 5. Internationalen Alttextiltag in Bad Neuenahr die wirtschaftliche Lage und Situation der Branche zusammen.

Mit dem Trend der zunehmenden Neukommunalisierung, dem Einstieg großer Entsorgungskonzerne in den Altkleidermarkt und vor allem den weiter anhaltenden Auswüchsen illegaler Sammlungen haben gerade die kleinen und mittelständischen Privatunternehmen seit geraumer Zeit zu kämpfen. Darüber hinaus müsse man sich in Zukunft aber auch mit neu auf dem Vormarsch befindlichen Themen auseinandersetzen, beispielsweise der Textilsammlung durch Ankaufsportale im Internet oder Rücknahmesysteme diverser Bekleidungsgeschäfte, die zur Bedrohung traditioneller Altkleidersammlungen führen können. Auch die Folgen des immer größer werdenden Anteils der “Billig“-Sammelware, die bei Discountern gekauft wird, gelte es im Auge zu behalten. Dies werde langfristig dazu beitragen, dass sich die Qualität der Sammelware in Zukunft noch weiter verschlechtert, so Wittmann.

Wichtigstes Ziel, um im Markt weiterhin bestehen zu können, sei unter anderem die Umsetzung der im Kreislaufwirtschaftsagesetz geforderten, hochwertigen getrennten Erfassung und hochwertigen Verwertung. Um einen nachhaltigen Textilkreislauf gewährleisten zu können, hat der Fachverband Textilrecycling im bvse hierzu einen Arbeitskreis gegründet. Die Arbeitsgruppe, die sich Anfang Juni zur ersten konstituierenden Sitzung trifft, hat sich zur Aufgabe gemacht, Kriterien zur Hochwertigkeit bei der Erfassung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien zu erstellen. Ziel ist, diese Kriterien als Richtlinien zusammenzustellen, die vor allem für Kommunen als sinnvolle Unterstützung bei öffentlichen Ausschreibungen im Altkleiderbereich dienen könnten.

Auch die technische Fortentwicklung der Aufbereitungsmethoden spielt für die hochwertige Verwertung eine immer bedeutendere Rolle. Bisher finden beispielsweise Reißfasern aus Textilabfällen nahezu ausschließlich Anwendung in der Verarbeitung zu Vliesstoffen für Isolation, Polsterung und Automobiltextilien. Doch sei unter anderem auch die Nutzung von Recyclingfasern in anderen Bereichen Forschungsgegenstand am Sächsischen Textilforschungsinstitut (stfi), wie Dipl.-Ing. Bernd Gulich in seinem Vortrag berichtete. Branchenexperte Martin Wittmann ergänzte, dass mittlerweile der Bereich der Faserrückgewinnung zunehmend auch in den Fokus der Modebranche rücke: Zum einen als ressourcenschonender und kostengünstiger Rohstoff für die Textilneuproduktion, zum anderen auch, weil gerade große Textildiscounter immer mehr daran interessiert sind, durch den Einsatz von Recyclingfasern ihr Markenimage in Bezug auf Umweltschonung und Nachhaltigkeit verbessern zu wollen.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.