Gutachten zu NRW-Quecksilber-Emissionen: Wenig Handlungsbedarf bei Abfall-Entsorgern

575
Industrieemissionen (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Düsseldorf — Industrieanlagen in Nordrhein-Westfalen verursachen mit etwa drei Tonnen Quecksilberemission pro Jahr fast ein Drittel der Quecksilberemissionen in Deutschland. Hauptemittenten in NRW sind die Kohlekraftwerke mit 2,2 Tonnen Quecksilber im Jahr. Die Braunkohlekraftwerke verursachen dabei die Hälfte der Quecksilberemissionen von Nordrhein-Westfalen (1,5 Tonnen), Steinkohlekraftwerke etwa ein Viertel (0,7 Tonnen). Inwieweit auch Abfallverbrennungsanlagen dazu beitragen, zeigt jetzt ein neues Gutachten des Landesumweltamtes NRW (LANUV).

Im Fokus der Recherche standen Emissionen aus Kohlekraftwerken und Abfallverbrennungsanlagen. Zusätzlich wurden Emissionen aus Abfallmitverbrennungs-Anlagen betrachtet (z. B. Zement- und Kalkwerke) sowie Emissionen aus Deponien und Anlagen zur chemisch-physikalischen Behandlung von Abfällen. 7 Prozent der Emissionen stammen aus Zement- und Kalkwerken, 6 Prozent aus Chemieanlagen, 5 Prozent aus einer Sekundärkupferhütte und 4 Prozent aus Abfallverbrennungsanlagen.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss, das alle Hausmüll-Abfallverbrennungslinien in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2012 bereits den ab 1.1.2019 für Quecksilber gültigen Grenzwert von 10 μg/m3 im Jahresmittel einhielten. Vor diesem Hintergrund besteht für die Betreiber in den nächsten Jahren kein Handlungsbedarf für eine weitere Quecksilber-Emissionsminderung. Die Werte sind jedoch bei einem Drittel (15 von 46) der Hausmüll-Abfallverbrennungslinien mit erhöhter Unsicherheit verbunden, da der Konzentrationswert in diesen Linien nicht kontinuierlich gemessen wurde, sondern lediglich auf jeweils drei halbstündigen Einzelmessungen basiert.

Auch für die Betreiber von Ersatzbrennstoff-Abfallverbrennungslinien in Nordrhein-Westfalen besteht in den nächsten Jahren kein Handlungsbedarf für eine weitere Quecksilber-Emissionsminderung, da alle derartigen Abfallverbrennungslinien bereits im Jahr 2012 den ab 1.1.2019 für Quecksilber gültigen Grenzwert von 10 μg/m3 im Jahresmittel einhielten. Ebenso wie Sonderabfall-Verbrennungsanlagen hielten Biomassekraftwerke in Nordrhein-Westfalen, die nach der 17. BIm- SchV genehmigt sind, bereits im Jahr 2012 den ab 1.1.2019 für Quecksilber gültigen Grenzwert von 10 μg/m3 im Jahresmittel ein. Neun von elf Klärschlammverbrennungslinien in Nordrhein-Westfalen hielten bereits im Jahr 2012 den ab 1.1.2019 für Quecksilber gültigen Grenzwert von 10 μg/m3 im Jahresmittel ein.

Neun der 14 Zementwerk- und Kalköfen in Nordrhein-Westfalen wiesen im Jahr 2012 Quecksilberkonzentrationen über dem für Abfallverbrennungsanlagen ab 1.1.2019 gültigen Grenzwert im Jahresmittel von 10 μg/m3 auf. Da dieser Grenzwert für Abfall mitverbrennende Zement- und Kalkwerke nicht gilt, besteht in den nächsten Jahren kein Handlungsbedarf für eine weitere Emissionsminderung.

„Dieses Untersuchungsergebnis belegt, wie sehr Quecksilber die Umwelt belastet. Auch wenn die Konzentration in der Atemluft aktuell unterhalb der Werte liegt, die zu einer akuten Gesundheitsgefährdung führen, muss der Eintrag des toxischen Schwermetalls weiter reduziert werden, um die langfristigen Gesundheitsrisiken zu senken“, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Das NRW-Umweltministerium will den Eintrag des gefährlichen Schwermetalls Quecksilber in die Umwelt weiter deutlich reduzieren.

Das vollständige Gutachten kann unter umwelt.nrw.de heruntergeladen werden.

Quelle: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen