Wissenschaftler sehen Bioenergie-Bereich durch EEG-Novelle vor dem Aus

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Biomasse-Gewinnung (Foto: ©Florian Gerlach / http://www.pixelio.de)

Leipzig — 65 Wissenschaftler aus 36 unterschiedlichen Forschungseinrichtungen aus der Bioenergie-Branche warnen vor den negativen Auswirkungen, die die EEG-Novelle auf die Nutzung von Reststoffen und Abfällen haben könnte.  Vielfältige Konzepte und Verfahren zur energetischen Nutzung von biogenen Reststoffen und Abfällen seien in den letzten Jahren untersucht und erfolgreich demonstriert worden. So laufen bereits heute Pilotanlagen für die Nutzung von Landschaftspflegematerial, Stroh, Pferdemist und weiteren bisher ungenutzten Reststoffen, die auf Nachahmer warten.

Würden die aktuellen Forderungen in der EEG-Novelle umgesetzt, würden diese vielversprechenden Ansätze bereits im Keim erstickt. Daher zeigen sich die Wissenschaftler besorgt über den jetzt vorliegenden Vorschlag zur Novelle des EEG .

Vielversprechende Konzepte

In den vergangenen Jahren ist ein dichtes Forschungsnetzwerk mit vielen Pilot- und Demonstrationsvorhaben mit hohem Marktpotenzial für die Erschließung von biogenen Rest- und Abfallstoffen entstanden.  Die entwickelten Konzepte und Anlagen leisten nach Ansicht der Wissenschaftler durch hohe Effizienz und/oder hoher Treibhausgasreduktionswirkung einen Beitrag zur Transformation des Energiesystems. Dies wird durch die Substitution fossiler Energieträger, hohe Verstromungswirkungsgrade bei gleichzeitiger Wärmenutzung, Erhöhung der Substratflexibilität oder auch durch Regelbarkeit für eine bedarfsgerechte Stromerzeugung erreicht. Bisher haben 90 Verbundprojekte bzw. 225 Einzelprojekte mit Wissenschaftlern und Praxispartnern aus ca. 60 Klein- und Mittelständischen Unternehmen bereits vielversprechende am Markt orientierende Konzepte für die Umsetzung der Ziele auf den Weg gebracht.

Keine weitere Entwicklung möglich

Mit den Forschungsprojekten konnten in vielen Bereichen wie Emissionsminderung bei Kleinfeuerungs- und Biogasanlagen, Energieerzeugung aus Reststoffen und der zunehmend wichtigeren Flexibilisierung der Stromerzeugung und neuer Wärmeerzeuger kontinuierlich Verbesserungen erreicht werden. Die Wissenschaftler im Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung“ zeigen sich sehr besorgt über den jetzt vorliegenden Vorschlag zur Novelle des EEG im Bioenergiebereich. Mit den geplanten deutlichen Kürzungen sei keine weitere Entwicklung im Bereich der Stromerzeugung aus Biomasse mehr zu erwarten.

Der derzeitige Referentenentwurf zum EEG 2014 (Stand 04.03.14) sieht die Streichung der Einsatzstoffvergütungsklassen (gezielte Förderung erwünschter Biomassesubstrate) und des Einspeisebonus für Biogas in das Erdgasnetz sowie höhere Anforderungen an einen flexiblen Betrieb vor. Die Einspeisevergütung der typischerweise bisher betriebenen Bioenergieanlagen würde damit um rund 35 Prozent reduziert.

Nach Ansicht der Wissenschaftler sei  im Biogasbereich mit den Regelungen für Neuanlagen – abgesehen von sehr vereinzelten kleinen Gülleanlagen – ein wirtschaftlicher Betrieb der verschiedenen Anlagenkonzepte nicht mehr möglich ist. Landwirtschaftliche Reststoffe und Nebenerzeugnisse, aber auch andere Reststoffe können mit der geringeren Einspeisevergütung nicht erschlossen werden. Effiziente und umweltorientierte Konzepte zur Verwertung von Abfällen und Nebenprodukten werden damit verhindert.

Keine Erschließung von Rest- und Abfallstoffen

Die vom Koalitionsvertrag und vom Eckpunktepapier anvisierte Erschließung von Rest- und Abfallstoffen wird damit sicher verfehlt. Dies hat dramatische Auswirkungen für die Branche, aber auch für die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Die technologische Weiterentwicklung von Bioenergiekonzepten bleibt damit auf halbem Wege stehen.

Mit den geplanten Neuregelungen dürfte der gesamten Bioenergiebranche, die sich mit der gekoppelten Strom und Wärmeproduktion beschäftigt, die Existenzgrundlage entzogen werden. Die weitere Erschließung internationaler Märkte mit deutschen Technologien sowie internationale Forschungskooperationen können dadurch nicht weiterentwickelt werden.

Die Liste der Unterzeichner kann unter dbfz.de heruntergeladen werden.

Quelle: DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH