bvse: Getrennte Bioabfall-Sammlung endlich flächendeckend umsetzen

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Biotonne (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Bonn — Seit dem 1. Januar 2015 dürfen keine Bioabfälle mehr im Restabfall entsorgt werden. Das schreibt das Kreislaufwirtschaftsgesetz vor. „Trotzdem zögern immer noch viele Kommunen mit der Einführung einer Biotonne für private Haushalte, die eine flächendeckende und einheitlichen Sammlung von Bioabfällen gewährleisten und damit erheblich zum Ressourcenschutz beitragen würde“, kritisierte bvse-Fachreferent Andreas Habel anlässlich eines Pressegesprächs im Rahmen der New-App-Konferenz am 14. April in Berlin.

Laut eines Gutachtes, das im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt wurde, hatten von den 402 Landkreisen Anfang 2015 mindestens 57 Landkreise keine Biotonne eingeführt, obwohl diese Regelungen die Kommunen nicht unvorbereitet traf, denn die Verpflichtung ist bereits seit 2012 bekannt. Das Gesamtaufkommen biogener Abfälle wird in Deutschland mit ca. 9,1 Mio. Tonnen beziffert.

1,4 Mio. Tonnen Potenzial ungenutzt

Die Bundesregierung geht davon aus, dass bei einem Anschlussgrad von 70 Prozent das für die stoffliche oder energetische Nutzung generierbare Potenzial von Bioabfällen bei ca. 6,4 Mio. Tonnen liegt. „Geht man also von einem nun erreichten Anschlussgrad von 85 Prozent aus, dürfte das genutzte Potenzial bei erst 7,7 Mio. Tonnen liegen. Mindestens 1,4 Mio. Tonnen nutzbares Potenzial an Bioabfällen, zu denen sowohl Grünabfälle aus dem Garten als auch Speisereste aus Küchenabfällen zählen, wird noch verschenkt“, beklagt Habel. Er fordert daher die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger auf, die aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz begründete Verpflichtung eines flächendeckenden Angebots zur Getrennterfassung von Bioabfällen aus Haushalten nun endgültig umzusetzen.

Das von den Kommunen oft zitierte Argument der Eigenverwertung durch Kompostierung lässt der Experte dabei nicht gelten. Schließlich tragen die Gebietskörperschaften Verantwortung für alle in ihrem Einzugsgebiet lebenden Privatpersonen. Sie können nicht davon ausgehen, dass ausnahmslos alle Haushalte in ihrem Gebiet eine Eigenverwertung betreiben. Darüber hinaus ist die Bewirtschaftung von Nutzgärten, selbst in landwirtschaftlichen Gebieten, rückläufig und Speisereste eignen sich ohnehin nicht gut für eine Eigenkompostierung. Sortieranalysen zeigen, dass immer noch ca. 15 bis 20 kg Organik pro Einwohner und Jahr im Restabfall landen. Zu dem – von den Kommunen oft ins Feld geführten – weiteren Argument der Unwirtschaftlichkeit in ländlich dünn besiedelten Gebieten erteilte selbst das Bundesumweltministerium in Beantwortung einer Anfrage von den Grünen eine Abfuhr. Eine signifikante Gebührensteigerung, für sich alleine genommen, sei kein hinreichender Grund, um auf die getrennte Bioabfallsammlung zu verzichten, hieß es.

Störstoffe schon bei der Erfassung reduzieren

Bei der anstehenden Novelle der Bioabfallverordnung fordert der bvse darüber hinaus, geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Störstoffquoten schon bei der Erfassung zu berücksichtigen. In den letzten Jahren habe es einen signifikanten Anstieg von Fremdstoffen wie Kunststoffen oder mineralischen Abfällen im Bioabfall gegeben, der mittlerweile bis zu 10 bis 15 Gewichtsprozent beträgt. „Die Nachbehandlung bei den Aufbereitern ist aufwendig und teuer – hier könnten konsequentere Sichtkontrollen und direkte Ansprachen der Bürger durch die Gebietskörperschaften zu erheblichen Verbesserungen führen“, so Habel.

Um den hohen technischen Stand der Aufbereitungsanlagen, die Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit zu sichern, weiter zu halten und auszubauen, muss für die Abfallbehandler eine Investitionssicherheit geschaffen werden. Dies ist nur in einem fairen Wettbewerb mit den Kommunen unter Ausschluss von Inhouse-Vergaben und langfristigen Ausschreibungen möglich. Außerdem sollten regionale Konzepte mit gleichzeitiger hochwertiger Verwertung vor Ort gefördert werden, lautet die Forderung des bvse-Fachverband Ersatzbrennstoffe, Altholz und Biogene Abfälle.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.