Nachhaltigkeitsberichte: Chancen und Herausforderungen für Entsorgungsbetriebe

559
Bilanzierung (Foto: ©Andreas Hermsdorf /http://www.pixelio.de)

Rheinbreitbach — Die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten wird für börsennotierte Unternehmen und für Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern aufgrund der politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Zukunft unumgänglich sein. Die Richtlinie 2014/95/EU dient „zur Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen“, die in Deutschland von der Bundesregierung unterstützt wird: Sie soll bis zum 6. Dezember dieses Jahres vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) in deutsches Recht umgesetzt werden und ab 1.1.2017 gelten. Davon können auch kleinere Unternehmen betroffen sein, wenn sie über die Lieferkette mit verpflichteten Unternehmen zusammen arbeiten.

Speziell für die Recyclingbranche, die an sich ein nachhaltiges Geschäftsmodell steht, kann eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung von hohem Nutzen sein und zu einem Wettbewerbsvorteil führen. In einer emnid-Befragung aus dem Jahr 2002 waren fast 90 Prozent der Führungskräfte überzeugt, „dass nachhaltig ausgerichtete Unternehmen langfristig einen größeren wirtschaftlichen Erfolg haben als ausschließlich profitorientierte Firmen“.

Nachhaltigkeits- oder CSR(Corporate Sustainability Reports)-Berichte enthalten die unternehmensspezifischen Umweltauswirkungen und ökonomische Kennzahlen. Es wird über soziale und Arbeitnehmerbelange berichtet sowie über die Achtung der Menschenrechte und über Bekämpfung von Korruption und Bestechung eines Unternehmens. Heute gibt es bereits zahlreiche praktische Anleitungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Beispielsweise wurden durch die Global Reporting Initiative (GRI), den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) und den United Nations Global Compact (UNGC) Indikatoren vorgeschlagen, die eine hervorragende Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte darstellen. Durch die Anwendung derartiger Initiativen und die Berichte über entsprechende Kennzahlen können langfristige Nachhaltigkeits-Managementsysteme etabliert werden.

Wichtig ist vielen Initiativen ebenso, eine Vergleichbarkeit der Unternehmen durch die Offenlegung von sogenannten „Nachhaltigkeits-Leistungsindikatoren“ oder auch „Key Performance Indicators“ zu erreichen. Diese stellen messbare Kennzahlen dar, die den Vergleich zwischen Unternehmen ermöglichen und den Zielerreichungsgrad nachhaltiger strategischer Ziele aufzeigen. Eine Übersicht über Nachhaltigkeitsstandards und -initiativen hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit veröffentlicht.

Neben vielen global agierenden Unternehmen werden auch von einigen Unternehmen in der Entsorgungs-und Energiebranche bereits seit vielen Jahren Nachhaltigkeitsberichte erstellt. Dabei werden überwiegend die GRI-Standards angewendet. Energieunternehmen wie EnBW AG und RWE SE scheinen hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen; sie verfassen sehr ausführliche transparente Berichte, teilweise schon in integrierter Form. Prinzipiell sind die Nachhaltigkeitsberichte in zwei Teile gegliedert, resultierend aus den Anforderungen der GRI-Richtlinie. Diese fordert einen allgemeinen, das Unternehmen beschreibenden Teil, und zusätzlich die Veröffentlichung der speziellen Leistungsindikatoren, die durch konkrete Messgrößen charakterisiert sind (z.B. Vermeidungsziele für Abfallmengen, Reduzierung des Ausstoßes von Emissionen).

Für die Recyclingindustrie sollte es von großem Interesse sein, Nachhaltigkeitsberichte auf Basis der aktuellen GRI-G4-Richtlinie zu verfassen. So können die Wettbewerbsvorteile, die sich durch nachhaltiges Unternehmensmanagement ergeben, genutzt werden. Durch die Entwicklung brancheneigener spezifischer nachhaltiger Leistungsindikatoren könnten die nachhaltigen Aspekte des Recyclings im Vergleich mit anderen Unternehmen und anderen Branchen hervorgehoben werden. Die Entwicklung spezifischer Branchenindikatoren könnte von den Branchenverbänden bvse, BDE, BDSV, VKU und VDM vorangetrieben werden. Der von der Bundesregierung eingesetzte Nachhaltigkeitsrat könnte hierbei unterstützend tätig werden.

Autorinnen: Marion Eisenmann und Dr. Beate Kummer

Quelle: Kummer:Umweltkommunikation GmbH