ADAC lehnt „Blaue Plakette“ ab: Rund 13 Millionen Dieselfahrer wären betroffen

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"Blaue Plakette" (Quelle: Green-Zones GmbH), http://www.blaue-plakette.de/

München — Auf einer Sonder-Konferenz haben die Umweltminister letzte Woche die Einführung einer Blauen Plakette (www.blaue-plakette.de) beschlossen. Die Euro 6 Plakette oder auch Stickoxid Plakette soll 2017 eingeführt werden. Diese Plakette ist aus Sicht des ADAC nicht der richtige Weg, um die Luftqualität in deutschen Städten zu verbessern. Stattdessen würden Fahrverbote die Mobilität von rund 13 Millionen Dieselfahrern unverhältnismäßig einschränken. Auch mehr als drei Millionen ältere Benziner könnten von den geplanten Maßnahmen betroffen sein.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und verbundene Umweltverbände haben eine Definition der Berechtigten für eine „Blaue Plakette“ erstellt. Demnach sind dies im Wesentlichen nur noch Dieselfahrzeuge, die der Abgasnorm Euro 6 entsprechen (jedoch nicht alle Diesel PKW der Euro 6 erfüllen die notwendigen Stickdioxid-Werte) sowie Benzinfahrzeuge mit der Norm Euro 3.

Um die Stickoxidgrenzwerte in Städten einzuhalten, sollte statt der „Blauen Plakette“ vor allem der „Ansatz an der Quelle“ gewählt, also der Schadstoffausstoß der Fahrzeuge dauerhaft gesenkt werden. Der ADAC zeigt im Rahmen seines ADAC EcoTests bereits seit 2003 auf, dass in realitätsnahen Messungen viele Fahrzeuge von den gesetzlichen Regelungen deutlich abweichen.

Aus Sicht des Clubs ist die Automobilindustrie in der Pflicht, saubere und emissionsarme Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Die notwendigen Technologien, um die Stickoxide zu reduzieren, sind vorhanden. ADAC-Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker: „Verbraucher dürfen nicht den Preis für die Versäumnisse der Automobilhersteller zahlen. Die technischen Möglichkeiten zur Schadstoffreduzierung sind längst vorhanden und müssen nur eingesetzt werden. Jetzt sind die Hersteller gefragt.“

Um den Schadstoffausstoß durch den Pkw-Verkehr kurzfristig zu reduzieren, bieten sich nach Ansicht des ADAC grüne Wellen, eine adaptive Verkehrssteuerung und intelligente Verkehrsleitsysteme an. Der Club empfiehlt außerdem, einen attraktiven öffentlichen Personennahverkehr bereitzustellen. Für Fahrzeugflotten mit hoher innerstädtischer Fahrleistung gilt es, verstärkt alternative Antriebe zu nutzen.

Es sei noch nicht lange her, dass die Politik die Verbraucher zum Kauf von sparsamen Dieselfahrzeugen aufgerufen habe, um den CO2-Ausstoß insbesondere in den Städten wirksam zu bekämpfen, merkt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe an. Wer etwa als Berufspendler auf die Sparsamkeit und Langlebigkeit des Dieselantriebs setze und die höheren Kosten durch eine entsprechend lange Nutzung amortisieren wolle, werde durch den Vorstoß der Umweltminister an der Nase herumgeführt. Zum einen drohe das Einfahrtverbot in die blauen Zonen, zum anderen müsse mit Wertverlust beim Verkauf gerechnet werden. Diese Entwicklung träfe auch das Kfz-Gewerbe.

Quelle: ADAC e.V. / Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe / Green-Zones GmbH Plakette: http://www.blaue-plakette.de