Recycling-Unternehmen der Edelmetall-Branche waren 2013 gut ausgelastet

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Goldbarren (Foto: © Rike / http://www.pixelio.de)

Pforzheim — Im heutigen Jahres-Pressegespräch der Fachvereinigung Edelmetalle e.V. in Pforzheim berichtete der Vorsitzende, Dr. Jörg Beuers, Vorstand der Umicore AG & Co. KG, Hanau, dass sich der Markt für edelmetallhaltige Funktionswerkstoffe im vergangenen Jahr erholt habe. Getrieben durch hohe Exporte seien die wichtigen Abnehmerindustrien wie etwa der Maschinen- und Anlagenbau gut ausgelastet gewesen. Nur vereinzelt sei die Nachfrage gedämpft verlaufen, so z.B. auf dem nordamerikanischen Markt aufgrund der zeitweiligen Haushaltssperre. Insgesamt profitierten die Hersteller von unverzichtbaren Werkstoffe von der Globalisierung.

Bedingt durch den schon in 2013 einsetzenden Rückgang der Edelmetallpreise sind nach Beuers auch die Scheidgutmengen in der Edelmetallbranche zum Teil deutlich zurückgegangen. Sowohl industrielle als auch Privatkunden hätten mit ihrem Recyclingmaterial nicht mehr so oft den Weg zu den Scheideanstalten gefunden wie in den Boomjahren 2010 bis 2012. Dennoch seien die Recycling-Unternehmen der Fachvereinigung auch im vergangenen Jahr gut ausgelastet gewesen.

Auf dubiosen Wegen exportiert

Ungelöst sei dagegen nach wie vor das Problem, dass große Mengen an edelmetallhaltigen Scheidgütern auf dubiosen Wegen in Entwicklungs- und Schwellenländer ausgeführt würden. Mit rudimentären Methoden würden dort vielfach nur Bruchteile der wertvollen Edelmetalle zurück gewonnen. Der weitaus größere Teil lande z.B. auf Mülldeponien, deren verborgene Ressourcen ungenutzt blieben. Zudem würden elementarste Grundsätze des Umwelt- und Gesundheitsschutzes missachtet und damit Mensch und Umwelt gefährdet. Beuers kündigte an, diese bedauernswerten Zustände auch in diesem Jahr wieder zum Thema politischer Gespräche zu machen, die die Fachvereinigung Edelmetalle, aber auch ihr europäischer Dachverband, die European Precious Metals Federation in Brüssel, führen werden.

Steigende Nachfrage in der Automobil-Elektronik

Edelmetalle und Edelmetallerzeugnisse sind unverändert Schlüsselprodukte in vielen Industriebereichen, so Dr. Roland Gerner, Stellvertretender Vorsitzender der Fachvereinigung Edelmetalle und Geschäftsführer der Heraeus Precious Metals GmbH & Co. KG, Hanau. Mit großer Dynamik entwickelt sich nach seiner Meinung der Einsatz von Edelmetallen in der Automobil-Elektronik. Die Zahl der Funktionen, die in einem Kraftfahrzeug elektronisch gesteuert werden, steige ständig. Die speziellen Steuerungseinheiten erforderten leistungsfähige Kontaktwerkstoffe mit Edelmetallen. So stehe die Entwicklung zum Hybrid- und Elektroauto erst am Anfang. Das Potenzial für Edelmetalle sei hoch. Es werde zurzeit viel in diese Weiterentwicklungen investiert. Die Industrie in Deutschland und in Europa sei dabei gut aufgestellt. Autoabgas-Katalysatoren blieben zudem ein wichtiger Absatzmarkt für Edelmetalle, vor allem in den Schwellenländern, aber auch in Europa.

Kommunikationstechnik bleibt stabiles Feld

Ein weiterer Wachstumsmarkt ist laut Roland Gerner unverändert die Kommunikationstechnik. Trotz Substitutionsanstrengungen – ausgelöst durch die hohen Edelmetallpreise – und durch Miniaturisierung von Werkstoffen bleibe dieser Sektor ein stabiles Feld für Edelmetalle, da die Zahl der Geräte weiter zunehme. Substitution fände zudem innerhalb der Edelmetall-Familie statt (z.B. Gold-Bonddrähte ersetzt durch Kupfer/Palladium oder Silber). Die Solartechnik habe sich weg von Europa entwickelt. Die Produktionskapazitäten lägen in Asien. Solaranlagen seien ein stabiler Verwender von Silber.

Abschließend wies Gerner darauf hin, dass das Streben nach günstiger Energie mittels Fracking in den USA zu einem Investitionsschub in Chemie-Anlagen geführt habe. Die somit zu erwartende Angebotsentwicklung könne irgendwann auch den europäischen Markt betreffen.

Immer höhere Fertigungstiefe in Scheideanstalten

Der Investitionsschub könne eine Verschiebung der Produktion nach USA und somit eine negative Auswirkung auf die Produktion in Europa haben. Da Katalysatoren in der chemischen Industrie häufig Edelmetalle enthielten, könne es zu einer negativen Auswirkung auf die einheimischen Unternehmen kommen.

Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft, Dr. Peter Dorner, Geschäftsführer Heimerle + Meule GmbH, Pforzheim, sieht – ausgelöst durch die niedrigeren Edelmetallpreise – eine Tendenz zu höherwertigen Schmucklegierungen und auch zu wieder großflächigeren Schmuckstücken. Wie in den vergangenen Jahren werde zudem eine immer höhere Fertigungstiefe zu den Scheideanstalten verlagert. Die Schmuckhersteller konzentrierten sich mehr auf Design und Vertrieb, so Dorner.

Insgesamt erwartet der Arbeitsausschuss-Vorsitzende  für 2014 eine etwas höhere Absatzmenge an Schmuckhalbzeug, auch zu höherwertigen Legierungen. Der Einsatz von Edelmetalllegierungen für dentale Versorgungen ist hingegen weiter stark rückläufig, wie Dorner feststellt. Wurden im Jahre 2006 in Deutschland noch 15 Tonnen Edelmetalle für Zahnersatz eingesetzt, seien es 2013 noch 6 Tonnen gewesen. Mit weiteren Rückgängen durch Substitution z.B. hin zu Keramik-Lösungen sei zu rechnen.

Quelle: Fachvereinigung Edelmetalle e.V.