Ab September 2017 ist Hartverchromung in der EU nur noch mit Genehmigung möglich

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Frankfurt — Die Verchromung von Bauteilen ist ein elementarer und häufig eingesetzter Prozess in der Industrie. Über das Zulassungsverfahren der Chemikalienverordnung REACH wurde ein Präzendenzfall geschaffen, der die Industrie vielfach betreffen wird. Die Verwendung von sechswertigem Chrom für die Hartverchromung wird zeitlich eng begrenzt und nur unter strengen Bedingungen möglich sein. Der Maschinenbau warnt als Abnehmer von hartverchromten Komponenten davor, mit der Regulierung die Versorgungssicherheit zu gefährden.

„Hohe Oberflächenhärte, Korrosionsbeständigkeit und geringer Reibungswiderstand“, so beschreibt Dr. Stefanie Grubert, Vorsitzende des Ausschusses Umweltpolitik im VDMA, nur einige der herausragenden Eigenschaften verchromter Bauteile. „Die Anforderungen an Verschleißbeständigkeit, Sicherheit und Funktionalität sind hoch, und somit für spezielle Anwendungen nicht ersetzbar“, betont Grubert.

Mit dem Stichtag, dem 21. September 2017, ist die Oberflächenveredlung auf Basis von sechswertigem Chrom nur noch auf Antrag und mit Erlaubnis der Europäischen Kommission möglich. Chromtrioxid wurde bereits im April 2013 aufgrund seiner toxischen Eigenschaften und dem breiten Anwendungsgebiet in den Anhang XIV der REACH Verordnung für zulassungspflichtige Stoffe aufgenommen. Während bisher nur Stoffe mit Nischenanwendungen im Zulassungsverfahren standen, wurde hier ein Präzedenzfall geschaffen, der die Funktionsweise der Chemikalienverordnung REACH auf den Prüfstand stellt.

Konsequenzen für die Galvaniken treffen auch den Maschinenbau
Das Zulassungsverfahren zielt auf die schrittweise Substitution ab. Die Zulieferindustrie hat für die Hartverchromung bereits Zulassungsanträge eingereicht, da Alternativen für viele Verwendungen nicht verfügbar sind. Der Entscheidungsprozess auf europäischer Ebene befindet sich derzeit in einer entscheidenden Phase. Eine generelle Ablehnung wird nicht mehr erwartet. Dennoch können die daran geknüpften Zulassungsbedingungen die vorwiegend klein und mittelständisch geprägte Branche der Oberflächenveredler und damit auch den Maschinenbau empfindlich treffen. Ein Übergangszeitraum von 12 Jahren für die Zulassung für das breite Anwendungsfeld der Hartverchromung wird von Seiten der Industrie für realistisch gehalten. Begründet wird dies mit der voraussichtlichen Dauer der Entwicklungszyklen, um auf Alternativen umzusteigen. In der aktuellen Diskussion werden nun allerdings viel strengere Auflagen im Arbeitsschutz und eine deutlich verkürzte Gültigkeit der Zulassung erörtert. Die Antragsteller weisen auf weitreichende Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette hin und befürchten eine Abwanderung von Produktionsstätten als Folge der unsicheren rechtlichen Rahmenbedingungen.

Mit frühzeitiger Vorbereitung Konsequenzen abmildern
Der Maschinenbau ist als Abnehmer von hartverchromten Komponenten auf deren sichere Lieferung angewiesen. Eine erste Empfehlung zur Zulassung, deren Dauer und den daran geknüpften Bedingungen wird Ende Juni 2016 an die Kommission übermittelt. Diese wird voraussichtlich im Januar 2017 ihre finale Entscheidung bekannt geben. „Die Maschinenbauer müssen hier wachsam bleiben und frühzeitig strategische Entscheidungen zur Absicherung der Verfügbarkeit für das eigene Unternehmen treffen.“, ergänzt Naemi Denz, Geschäftsführerin des VDMA-Ausschusses Umweltpolitik und Mitglied der Hauptgeschäftsführung des VDMA.

Quelle: VDMA Technik und Umwelt
www.vdma.org