Neue Quecksilberstudie: Startschuss für den Dialog mit der Industrie in NRW

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Industrieemissionen (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Düsseldorf — Wie neue Untersuchungsergebnisse belegen, belastet Quecksilber weiterhin die Umwelt schwer. „Auch wenn die Konzentration in der Atemluft aktuell unterhalb der Werte liegt, die zu einer akuten Gesundheitsgefährdung führen, muss der Eintrag des toxischen Schwermetalls weiter reduziert werden, um die langfristigen Gesundheitsrisiken zu senken“, forderte NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Das NRW-Umweltministerium will den Eintrag des gefährlichen Schwermetalls Quecksilber in die Umwelt weiter deutlich reduzieren. Zur Quecksilberproblematik hatte das NRW-Umweltministerium ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten fasst Daten zu den Quecksilberemissionen in NRW zusammen und stellt Maßnahmen und Potenziale dar, mit denen sich nach Einschätzung der Gutachter der Quecksilberausstoß aus Industrieanlagen verringern lässt.

Quecksilber-Minderungsstrategie geplant

Nach Berechnungen des Gutachtens könnten durch den Einsatz moderner Technik die Quecksilberemissionen in NRW deutlich gesenkt werden. „Es gibt in NRW noch Potenzial, den Ausstoß des gefährlichen Quecksilbers und damit die Belastung für Mensch und Umwelt zu reduzieren. Dieses Ziel ist auch Handlungsbasis für unsere geplante Quecksilberminderungsstrategie“, sagte Minister Remmel.

Industrieanlagen in Nordrhein-Westfalen verursachen mit etwa drei Tonnen Quecksilberemission pro Jahr fast ein Drittel der Quecksilberemissionen in Deutschland. Hauptemittenten in NRW sind die Kohlekraftwerke mit 2,2 Tonnen Quecksilber im Jahr. Die Braunkohlekraftwerke verursachen dabei die Hälfte der Quecksilberemissionen von Nordrhein-Westfalen (1,5 Tonnen), Steinkohlekraftwerke etwa ein Viertel (0,7 Tonnen).

Acht Tonnen Quecksilber freigesetzt

Das Gutachten enthält auch Erkenntnisse zur Quecksilberminderung bei Abfallverbrennungsanlagen und Abfallmitverbrennungsanlagen (Zementwerke). Darüber hinaus werden neben den Luftemissionen auch die Quecksilberemissionen in Gewässer und deren mögliche Minderungstechniken beschrieben. Auch wenn die Konzentration von Quecksilber in der Atemluft und in Gewässern heute weit unterhalb der Werte liegen, die zu einer akuten Gesundheitsgefährdung führen, wurden 2012 durch Industriebetriebe immer noch etwa acht Tonnen Quecksilber in Deutschland (davon 93 Prozent in die Luft und 7 Prozent ins Wasser) freigesetzt. Dies geht aus dem PRTR-Bericht (Pollutant Release and Transfer Register) für Deutschland hervor.

Das in Auftrag gegebene Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass besonders bei den Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken ein hohes Minderungspotenzial besteht. Die entsprechende Technik sei bereits auf dem Markt verfügbar. Nach Aussage des Gutachters belaufen sich die Kosten für den Einsatz effizienter Quecksilber-Minderungstechnik auf weniger als ein Prozent der Stromgestehungskosten.

Industrielles Innovationspotenzial nutzen

„Die Ergebnisse des Gutachtens werden wir innerhalb der Landesregierung und gemeinsam mit betroffenen Unternehmen sowie mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Verbänden diskutieren. Die Industrie in NRW hat ein hohes, international anerkanntes technisches Innovationspotenzial. Dies gilt es zu nutzen, um die Quecksilberemissionen in NRW weiter deutlich zu senken. Ziel ist eine Quecksilberminderungsstrategie, um damit einen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt und der Menschen zu leisten“, sagte Minister Remmel.

Durch den Nebeneffekt der Abgasreinigung für Staub, Stickstoffoxide und Schwefeldioxid werden Quecksilberemissionen bereits heute deutlich unter die derzeitigen Grenzwerte gesenkt. In den meisten Anlagen wird aber noch nicht der gemäß Gutachten weiter fortgeschrittene Stand der Technik zu Minderung von Quecksilber eingesetzt. Würde diese Technik eingebaut, so die Gutachter, könnten die derzeitigen Quecksilberkonzentrationen im Abgas auf unter ein Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt werden. Würden die Minderungstechniken bei allen großen Kraftwerken eingebaut, ergäbe sich laut Gutachten eine Quecksilberminderung um rund 80 Prozent beziehungsweise rund 1,8 Tonnen im Jahr in NRW. Dies entspräche mehr als der Hälfte der Quecksilberemissionen in Nordrhein-Westfalen oder rund 20 Prozent in Deutschland.

„Wir sollten jetzt gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um durch geeignete Maßnahmen die Quecksilberemissionen weiter zu senken“, sagte Minister Remmel und lädt die Betreiber von Industrieanlagen zum Dialog ein. In einem Fachgespräch unter Einbindung wichtiger Akteure sollen die technischen Möglichkeiten diskutiert und gemeinsame Strategien besprochen werden. Gemeinsam getragene Ziele seien ein starkes Signal, um auch bundesweit Fortschritte zu erreichen, betonte Minister Remmel

Das Gutachten „Quecksilber-Minderungsstrategie für Nordrhein-Westfalen“ kann unter umwelt.nrw.de heruntergeladen werden.

Quelle: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen