Neue Materialien für Autoreifen: Löst Löwenzahnsaft bald Naturkautschuk ab?

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Altreifen (Foto: EU-Recycling Archiv)

Berlin — Bei der Herstellung von Reifen könnte die Automobilbranche zukünftig vermehrt auf erneuerbare und umweltfreundliche Rohstoffe setzen. Noch stehen Hersteller immer wieder zwischen dem Konflikt Rollwiderstand versus Straßenhaftung bzw. Benzinverbrauch gegenüber  Bremsweg. Doch der Einsatz erneuerbarer Rohstoffe wäre nicht nur aus umwelttechnischer Sicht bedeutend, sondern würde auch einen wesentlichen wirtschaftlichen Vorteil und eine höhere Unabhängigkeit von ausländischen Rohstoffimporten schaffen.

Kostensteigerungen zu erwarten

Herkömmliche Reifen werden aus synthetischem Kautschuk und Naturkautschuk produziert. Mittlerweile werden Chemikalien und Öl durch verschiedene umweltfreundliche Rohstoffe ersetzt. Dabei dient Rapsöl als Ersatz für fossile Öle. Zellulose-Fasern und Viskose substituieren Polyester. Laut der Internationalen  Energie-Agentur (IEA) soll der Preis für Rohöl in den nächsten 15 Jahren um durchschnittlich 20 Prozent ansteigen. Falls die synthetischen Stoffe zukünftig nicht vollkommen substituiert werden können, ist neben der drastischen Kostensteigerung bei der Produktion auch von deutlich höheren Kosten für die Konsumenten auszugehen. Das Verwenden von erneuerbaren Rohstoffen würde Kostensenkungen für Produzenten und Konsumenten mit sich bringen. Verbraucher haben schon jetzt die Möglichkeit, umweltschonende Reifen für PKWs und Motorräder zu finden, indem Sie bei der Suche Ihrer Reifen auf Webseiten von Anbietern wie Tirendo die Ergebnisse nach Kraftstoffeffizienz sortieren. Das reduziert den Kraftstoffverbrauch und verringert die CO2 Emissionen.

Reifen aus Pflanzen?

Derzeit wird für die Produktion von Autoreifen vor allem Naturkautschuk verwendet. Das Angebot von Kautschuk hängt jedoch stark von kleineren Gummibaum-Plantagen in Malaysia, Indonesien und Thailand ab. Deshalb wird nach Alternativen gesucht. Neben Rapsöl hat sich vor allem die Verwendung von Sojabohnenöl bewährt. Ingenieure von marktführenden Reifenhersteller wie Bridgestone, Cooper Tires sowie Ford  testeten zusammen mit Wissenschaftlern des Ohio Agricultural Research Center der Ohio State University in Wooster  in einer Studie rund 1.200 verschiedenen Pflanzenarten. Dabei identifizierten sie den Russischer Löwenzahn als gleichwertigen Ersatz. Beim Aufschneiden der langen Wurzeln, tritt eine weiße, milchige Flüssigkeit aus, die getrocknet und zu einem elastischen Material geformt werden kann.

Substituierung von Naturkautschuk

Momentan untersucht das Fraunhofer Institut, inwieweit der Löwenzahn Naturkautschuk aus Asien substituieren kann. Würde Löwenzahn als vollwertiger Ersatz eingesetzt, könnte dies eine Entlastung der Umwelt und der Logistik

  • stärkere Unabhängigkeit vom Angebot der Außenwirtschaft
  • und das Züchten einer ertragreichen Pflanze bedeuten.

Der russische Löwenzahn könnte direkt in Deutschland angebaut werden; das spart Transportwege und reduziert CO2 Emissionen. Er benötigt kein subtropisches Klima und ist unempfindlicher gegenüber Schädlingen.

Noch Zurückhaltung

Bisher stehen Reifenhersteller eher zurückhaltend dem Einsatz natürlicher Materialien gegenüber, da diese den Rollwiderstand  beeinträchtigen könnten. Sollte sich jedoch herausstellen, dass der russische Löwenzahn oder andere natürliche Rohstoffe keine Verschlechterung im Rollwiderstand mit sich bringen, steht dem Einsatz ausschließlich natürlicher Rohstoffe nichts mehr entgegen.

Autorin: Claudia Schmitt

Quelle: Tirendo Deutschland GmbH