Bis zu 20 Prozent: Baustoffrecyclingbranche fürchtet weitere Verteuerungen

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Bauschuttdeponie (Foto: © Jochen Zellner, Lk Neustadt/Aisch-Bad Windsheim / abfallbild.de)

Bonn — Die Aussichten für mineralische Recyclingbaustoffe sind nach Meinung der Branche nach wie vor düster und lassen weitere Kostensteigerungen erwarten. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des bvse-Fachverbandes Mineralik – Recycling und Verwertung zum Geschäftsjahr 2015/2016 unter seinen rund 330 Mitgliedern. Die Befragten schätzen, dass sich Preise für Entsorgung und Verwertung in diesem Jahr für Bodenmaterial der Klasse ZO/ZO*, Z1.1, Z1.2 und Z2 um durchschnittlich 14,5 bis 20 Prozent verteuern werden; für Bauschutt sehen sie eine Verteuerung um 13 bis 15,5 Prozent.

Schuld an der Misere sind nach Meinung der bvse-Baustoffrecyclingunternehmen mehrere Faktoren. An vorderster Stelle steht dabei die derzeit herrschende Rechtsunsicherheit, da eine bundeseinheitliche Regelung für das Recycling mineralischer Abfälle immer noch auf sich warten lässt. Derzeit dient der 3. Arbeitsentwurf der Mantelverordnung, der Ende Juli 2015 veröffentlicht wurde, als Grundlage für das Planspiel „Mantelverordnung“. Dieses Planspiel befindet sich aktuell in der Arbeitsphase und untersucht die Auswirkungen der geplanten Regelungen, in dem verschiedene Szenarien „durchgespielt“ werden.

Von dem Inkrafttreten der neuen Mantelverordnung erhofft sich die Branche vor allem auch eine gesteigerte Akzeptanz und damit eine Förderung des Einsatzes von mineralischen Ersatzbaustoffen. „Bis heute wird das große Potenzial der Recyclingbaustoffe als wichtige Rohstoffquelle der Zukunft bei der öffentlichen Hand und in der Bauwirtschaft immer noch nicht genügend wahrgenommen“, beklagt der Vorsitzende des Fachverbandes Mineralik – Recycling und Verwertung im bvse, Jürgen Weber.

Dabei bilden die mineralischen Abfälle mit rund 200 Millionen Tonnen pro Jahr den mengenmäßig größten Abfallstrom in Deutschland. 57 Prozent davon entfallen auf Boden und Steine, 26,9 Prozent auf Bauschutt, 8 Prozent auf Straßenaufbruch und ca. 7,5 Prozent auf Baustellenabfälle. Recycelt werden hiervon immerhin 35 Prozent, 57 Prozent des Gesamtaufkommens werden einer sonstigen Verwertung (z. B. Verfüllung) zugeführt und nur rund 8 Prozent auf Deponien beseitigt.

Knapper werdende Verfüll- und Deponiekapazitäten sind ein weiterer Grund für die erwartete Verteuerung. Die befragten Mitglieder geben an, dass bei Bodenmaterial die Entfernung von der Bau- zur Entsorgungs- bzw. Verwertungsstelle bei der Klasse ZO/ZO* durchschnittlich 15 km, bei Z1.1 30 km, bei Z1.2 39 km und bei Z2 52 km beträgt. Ähnlich sieht es bei den Entsorgungs- und Verwertungswegen für Bauschutt aus. Material der Klasse Z1.1 muss durchschnittlich 16 km zur Entsorgungsstelle gefahren werden, Z1.2 29 km und Z2 ca. 49 km.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.