Österreichs Papierindustrie fordert Ökostromnovelle statt Förderflickwerk

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Quuelle: Austropapier

Wien, Österreich — Was die Papierindustrie schon lange fordert, wird durch die jüngsten Ideen im Wirtschaftsministerium noch dringender: Es will marode Biogas-Ökostromanlagen mit weiteren Millionen an Euro subventionieren. Die österreichischen Papierhersteller treten daher für eine Umstellung der Fördersystematik von garantierten Einspeisetarifen auf Investitionsförderungen ein.

„Es ist fahrlässig, mit Unsummen von Fördergeld einer längst gescheiterten Idee den künstlichen Tiefschlaf zu ermöglichen“: Gabriele Herzog, die Geschäftsführerin der Austropapier, zieht diesen drastischen Vergleich, um die Politik wachzurütteln. Eine weitere Millionenförderung von ineffizienter Ökostromerzeugung würde nur den Betrieb unrentabler Anlagen verlängern – auf Kosten der Stromkunden.

Dabei geht es nicht nur um die Interessenswahrung der Papierindustrie. Auch die Europäische Union pocht auf einen grundlegenden Umbau des Fördersystems in Österreich. „Wenn wir jetzt die überfällige Novellierung des Ökostromgesetzes fordern, wissen wir uns auf der sehr sicheren Seite“, betont Herzog: „Denn das ist eine Allianz der Vernünftigen. Es muss endlich Schluss sein mit dem seltsamen Grundsatz: ,Gleiches Unrecht für alle.‘ Wir müssen unsere Rohstoffe so nutzen, dass die größtmögliche Wertschöpfung erzielt und nicht Geld vernichtet wird.“ Das geschieht zum Beispiel durch die kaskadische Nutzung von Holz in der Papierindustrie. Holz ist zu wertvoll, um es direkt zu verbrennen.

Die wichtigste Basis für die Gesetzesänderung ist eine Umstellung der Fördersystematik von garantierten Einspeisetarifen auf Investitionsförderungen und die Anhebung der Effizienzkriterien. Herzog ist überzeugt, dass eine solche Anpassung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen langfristig auch zu einer Entlastung der Konsumenten führt: „Das Ökostromgesetz erhöht massiv die Stromkosten der Privathaushalte. 2015 zahlten sie im Schnitt schon 120 Euro, 2013 waren es noch 65 Euro. Das sind 85 Prozent Mehrkosten“, ortet die Geschäftsführerin der Austropapier die Masse der Steuerzahler als stärkste Verbündete für ihre aktuelle Forderung: „Jeder Tag mit dem heute geltenden Förderflickwerk kostet jeden Österreicher Geld. Wir brauchen dringend eine große Novellierung des Ökostromgesetzes.“

Quelle: Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie