Altpapierentsorgungswirtschaft sieht Balance gefährdet

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Foto: O. Kürth

Bonn — “Trotz relativ ausgeglichenem Verhältnis von Angebot und Nachfrage in den meisten Altpapier-Sortensegmenten und zufriedenstellendem Absatz im Jahr 2015 dürfen wir die zunehmend negativen Einflussfaktoren, die auf die Altpapierentsorgungswirtschaft einwirken, nicht ignorieren”, mahnte der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Papierrecycling, Reinhold Schmidt, angesichts der Jahresumfrageergebnisse der Verbandsmitglieder.

Mengenverluste durch strukturelle Veränderungen, z. B. im Grafiksektor, die sich verändernde Zusammensetzung des erfassten Altpapiers und die damit einhergehende niedrigere Wertschöpfung, wachsende bürokratische Belastungen sowie zunehmend Probleme beim Zugang zu Recyclingfasern, u.a. durch Rekommunalisierungstendenzen, belasten die Branche. Stärker wird auch der Druck seitens mancher Papierfabrik zur Lieferung noch höherer Faserqualität. Die neuen Herausforderungen für den Weltrohstoff Altpapier werden auch im Diskussionszentrum des 19. Internationalen bvse-Altpapiertages am 21. April in Düsseldorf stehen.

Mit dem inländischen Altpapierabsatz in 2015 waren die Unternehmen der Altpapierentsorgungsbranche im Schnitt zufrieden. Der Rohstoffbedarf der in Deutschland ansässigen Papierindustrie, die ihre Produktion im Jahr 2015 auf rund 22,6 Mio. Tonnen Papier, Pappe und Karton steigerten, konnte verlässlich bedient werden. Jene Recycler und Händler, die in Fernost aktiv waren, profitierten bei der grenzüberschreitenden Verbringung von stark gesunkenen Frachtraten und dem Umstand, dass China seine Altpapierimporte im Vergleich zu 2014 noch aufgestockt hatte. Bezogen auf das Mengengerüst änderte das ein oder andere Auf und Ab in der inländischen Altpapiernachfrage nichts daran, dass in 2015 insgesamt eine Balance von Angebot und Nachfrage in den meisten Altpapier-Sortensegmenten herrschte.

“In der wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung blieben die erzielbaren Altpapiererlöse jedoch deutlich unter dem, was zum auskömmlichen Wirtschaften und für Investitionen notwendig wäre”, so das Fazit Schmidts.

Dank seiner hochmodernen Produktionsstandorte war Deutschland auch in 2015 der größte europäische Altpapier-Nachfrager. Um die Papierindustrie in Deutschland adäquat bedienen zu können, importieren die hiesigen Altpapieraufbereiter bereits seit Jahren und in zunehmendem Umfang Altpapier aus anderen europäischen Ländern wie England, Tschechien, die Niederlande und Österreich und sind mit einem Einfuhrüberschuss von 1,46 Mio. Tonnen weiterhin Nettoimporteur von Altpapier. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2015 36 Tausend Tonnen mehr Altpapier nach Deutschland eingeführt (3,98 Mio. Tonnen) als im Vorjahreszeitraum. Hauptlieferländer sind dabei die Niederlande, Polen, Frankreich und Dänemark. Die Altpapier-Ausfuhr stieg in 2015 um 56 Tausend Tonnen auf 2,52 Mio. Tonnen. Insbesondere die Niederlande, Frankreich sowie die Volksrepublik China erwiesen sich als Hauptabnehmerländer.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.