IARC 2016: Mehr Kreislaufwirtschaft für besseres Altauto-Recycling

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Fahrzeugrecycling (Foto: Marc Weigert)

Berlin — Das Kreislaufwirtschaftspaket der Europäischen Kommission enthält zahlreiche Maßnahmen, um Ressourceneffizienz und Recycling innerhalb der EU zu fördern. Diese Maßnahmen werden auch der Verwertung von Altfahrzeugen zugutekommen, zeigen sich Branchenvertreter überzeugt. „Die geplanten Maßnahmen der Europäischen Kommission hinsichtlich Design und Innovationen für die Kreislaufwirtschaft werden dazu beitragen, das Recycling von Materialien wie Stahl, Edelmetalle oder Kunststoffe zu steigern“, betonte Artemis Hatzi-Hull (Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission) auf der Pressekonferenz zum Internationalen Automobil-Recycling Kongress IARC 2016 in Berlin.

Der IARC gilt seit Jahren als Branchentreffen für Vertreter der internationalen Automobil-Recyclingindustrie. In diesem Jahr kamen erneut über 220 Experten aus Recyclingwirtschaft, Automobilindustrie sowie aus Politik und Wissenschaft nach Berlin, um über aktuelle Trends zu diskutieren.

Artemis Hatzi-Hull zeigte sich überzeugt, dass mit dem neuen Kreislaufwirtschaftspaket noch weitere positive Effekte verbunden sein werden. Sie verwies unter anderem auf die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung des Öko-Designs, die darauf abzielen, Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten zu verbessern. Darüber hinaus erwartet sie durch neue fortschrittliche Technologien positive Auswirkungen auf die Beschäftigung in der Recyclingwirtschaft. Konkret nannte sie Zerlegung- und Aufbereitungsbetriebe, inklusive Shredder- sowie Post-Shredder-Betriebe: Dort gebe es Potenzial, die bestehenden Einrichtungen zu optimieren und neue Einrichtungen mit fortschrittlicher Technologie für die Separation und Behandlung von Altautomaterialien und E-Schrott zu errichten.

Automobilindustrie fordert ganzheitlichen Ansatz

Zustimmung für das neue Kreislaufwirtschaftspaket kommt auch von der Automobilindustrie. Dr. Tobias Bahr (European Automobile Manufacturers‘ Association ACEA) machte deutlich, dass die Automobilindustrie das Konzept der Kreislaufwirtschaft bereits in der Produktentwicklung, der Herstellung und in einer Reihe von neu angebotenen Serviceleistungen verankert hat. „Ein deutlicher internationaler Wettbewerb führt automatisch dazu, dass Ressourcen in der effizientesten Form verwendet werden“, betonte er.

Bahr sprach sich für einen ganzheitlichen, den kompletten Lebenszyklus umfassenden Ansatz aus. Ein solcher Ansatz sei gegenüber einer isolierten Betrachtung von ressourceneffizienten Aspekten am Ende der Produktlebensdauer vorzuziehen. Bei den meisten Automobilen sei die Gebrauchsphase des Fahrzeugs vorherrschend; sie mache rund 80 Prozent der Umweltbilanz aus. Die Nutzungsphase habe die stärkste Auswirkung auf die CO2-Emissionen eines Fahrzeugs sowie den Verbrauch fossiler Ressourcen. Die Umwelteffekte am Ende des Produktlebenszyklus‘ hingegen machten nur einen Anteil von rund einem Prozent aus.

Wichtig sei daher eine ganzheitliche Betrachtung, um die Umwelteffekte wirkungsvoll zu begrenzen. „Die Automobilindustrie zeigt ein hohes Engagement, um ihren Beitrag schon im Entwicklungs- und Herstellungsprozess zu leisten“, unterstrich Bahr. Vor diesem Hintergrund sollten Zielvorgaben für die Recyclingfähigkeit mit Zielsetzungen zur Verringerung des „ökologischen Fußabdrucks“ während der Nutzungsphase von Automobilen aufeinander abgestimmt werden. Das Ende der Nutzungsphase sei sorgfältig reguliert, und die Automobilindustrie arbeite ambitioniert daran, die gesetzlich vorgeschriebene Recyclingfähigkeit von 85 Prozent und die Verwertbarkeit von 95 Prozent in der Typprüfung neuer Fahrzeuge sicherzustellen.

Defizite in der Umsetzung

Der ACEA-Vertreter bestätigte, dass die Behörden mit der EU-Altauto-Richtlinie einen wichtigen Schritt unternommen haben, ein konsistentes regulatorisches Rahmenwerk zu schaffen. Allerdings weise die Umsetzung bislang noch Defizite aus. ACEA setze sich dafür ein, einheitliche Wettbewerbsbedingungen in der Automobil-Recyclingindustrie zu schaffen, erklärte Bahr. Dazu zähle eine EU-weite Pflicht für ein Abmeldesystem verbunden mit einer Nachweispflicht für eine ordnungsgemäße Entsorgung von Altfahrzeugen mit entsprechendem Monitoring.

Handlungsbedarf gibt es auch nach Auffassung von Dr. Kay Oppat (Scholz Gruppe). Noch immer sei die Zahl der Exporte von Altfahrzeugen mit unbekanntem Verbleib zu hoch, erklärte er. Dadurch gingen der Recyclingwirtschaft große Mengen an Rohstoffen verloren. Notwendig seien deshalb neue Ansätze, um die Erfassung von Altfahrzeugen in Europa zu verbessern. Aber auch die EU-Altauto-Richtlinie ist aus Sicht von Oppat unzureichend. Nötig seien unter anderem neue und klare Definitionen für den Begriff ‚Altfahrzeug‘. Ferner müssten finanzielle Anreize für ein Rücknahmesystem gesetzt und die Beweispflicht für den Exporteur eingeführt werden, dass es sich bei der Ausfuhr tatsächlich um ein Gebrauchtfahrzeug handelt. Zudem müsste der Austausch zwischen Hersteller, Letztbesitzer der Altautos und Recycler transparenter gestaltet werden.

Letztlich fordert Oppat auch eine praxisnahe Plattform aus relevanten Vertretern, die aktuell bestehende Probleme gemeinsam lösen und damit durch faktische Veränderungen auch wichtige Impulse für die Gesetzgebung erzeugen.

Quelle: ICM AG