Scholz Gruppe fordert Anreize für mehr Ressourceneffizienz beim Autorecycling

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Altfahrzeuge (Foto: O. Kürth)

Rheinbreitbach — Jedes Jahr gehen der EU Mengen Rohstoffe durch illegale Exporte von Altfahrzeugen und Elektronikschrott verloren. Der Wert dieser Rohstoffe beziffert sich auf hunderte von Millionen Euro. Aus Sicht der Scholz Gruppe muss dieser „unbekannte Verbleib“ unterbunden werden. Hierzu sind Anreizsysteme zu entwickeln, die Rücknahmemengen deutlich zu erhöhen, und mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Fahrzeug-Letztbesitzer wissen heute nicht um das Rohstoffpotenzial ihres alten Autos und so endet ihre Verantwortung mit dem Weiterverkauf. Hier braucht es Anreize, diesen Wert zu erkennen und dann beispielsweise sein Altfahrzeug in einer zertifizierten Entsorgungsanlage in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen. Das Ziel ist klar, die Absicherung der Rohstoffe und dadurch eine nachhaltige Erhöhung der Ressourceneffizienz“, betonte Dr. Kay Oppat, COO der Scholz Gruppe, im Rahmen des Internationalen Automobilrecyclingkongresses am 16. März in Berlin.

Ressourcenverschwendung nicht länger akzeptieren

Jährlich kommen etwa 1,3 Mio. Altfahrzeuge nicht wieder in die Wertstoffkreisläufe zurück. Überschlägig sind dies rund 2 Mio. Tonnen an Rohstoffen, die verloren gehen. EU-weit wird die Zahl auf 4 bis 8 Mio. Altfahrzeuge geschätzt; genaue Zahlen liegen nicht vor. „Dies ist aus Sicht der Politik, der heutigen Gesellschaft und vor allem der Verwerter Ressourcenverschwendung und nicht länger zu akzeptieren,“ unterstrich Kay Oppat. Die Scholz Gruppe habe bisher als eines der wenigen führenden Altfahrzeugrecycling-Unternehmen eine Recyclingquote von 95 Prozent nachweisen können, sei jedoch von abnehmenden Rücklaufmengen im Altfahrzeugbereich stark betroffen.

Um die Ressourceneffizienz im Bereich der Altfahrzeugentsorgung nachhaltig zu steigern, schlägt die Scholz Gruppe einen „ELV-Think Tank“ vor. Auf dieser Stakeholderplattform könnten Automobilhersteller, Zulieferer und Recyclingunternehmen gemeinsam Ansätze zur Erhöhung der Verfügbarkeit der Altfahrzeuge für den Wertstoffkreislauf erarbeiten. Namhafte Vertreter aus den Reihen der Hersteller und Zulieferer haben bereits ihre Mitarbeit signalisiert. Ziel ist es, ein System zu entwickeln, das von allen Stakeholdern mitgetragen wird. Neben Instrumenten zur Absicherung der Ressourcenverfügbarkeit stehen Technologien zu Erhöhung der Effizienz der Wertstoffrückgewinnung auf der Agenda.

Mehr Design-to-Recycle und Pre-Shredder Technologie

Fahrzeuge enthalten künftig zunehmend mehr Materialen, die in der Gebrauchsphase zu mehr Energieeffizienz führen und auf Leichtbauweisen basieren. Li-Ionen-Batterien, Verbundmaterialien, hohe Kunststoff- und Aluminiumanteile, carbonfaserverstärkte Kunststoffe und komplexe Elektroniksysteme stellen die Industrie vor neue Herausforderungen hinsichtlich der Rückgewinnung. „Mit heutigen Shredder- und Post- Shreddertechnologien sind die zukünftigen Fahrzeugkonzepte nicht anforderungsgerecht zu verwerten. Es werden wesentlich mehr Teile manuell demontiert werden müssen, um wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen zu können. Die Schlüssel zum Erfolg – und auch deshalb rufen wir einen ELV-Think Tank ins Leben – heißen Design-to-Recycle sowie Pre-Shredder Technologie. Wir brauchen gemeinsame Lösungsansätze, um die Ressourceneffizienz in Deutschland und Europa zu steigern,“ forderte Oppat.

Für die Entwicklung der Anreizsysteme, aber auch für geeignete Verwertungsverfahren der neuen Fahrzeugmodelle sind flankierende Forschungsvorhaben zu initiieren und auch zu finanzieren. Wie finanzielle Anreize aussehen können und ob nationale Fonds eingerichtet werden müssen, um derartige Aufwendungen zu finanzieren, soll u.a. in der Stakeholderplattform erarbeitet werden. Dabei lohnt der Blick auf etablierte Anreizsysteme. So hat beispielsweise Japan 2005 eine Recyclinggebühr zur Altfahrzeug-Entsorgung eingeführt. Aber auch die Schweiz glänzt mit sehr hohen Rücklaufquoten, was auf ein intelligentes Rückführungssystem schließen lässt.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Umweltfragen unterstützt diese Praxisinitiative und wird den Think Tank moderieren. Prof. Martin Faulstich: „Zur nachhaltigen Mobilität gehört auch eine hochwertige Autoverwertung. Wir brauchen wirkungsvolle Instrumente, um erfolgreich die Rücklaufmengen zu erhöhen und die Ressourceneffizienz zu verbessern. Die Produktverantwortung erfordert, Hersteller und Zulieferer einzubeziehen und die anstehenden Herausforderungen der Verwertung gemeinsam mit der Recyclingwirtschaft zu diskutieren und anzugehen. Deshalb ist diese Initiative eine großartige Idee.“

Quelle: Scholz Gruppe