Bei Kombination aus Bergbau und Recycling: Edelmetall-Versorgung problemlos

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Vertraten die Fachvereinigung Edelmetalle (v.l.): Wilfried Held, Georg Steiner und Dietmar Becker (Quelle: Fachvereinigung Edelmetalle)

Pforzheim – Edelmetalle sind als Technologie- und Funktionsmetalle für modernes Leben unverzichtbar. Und sie bleiben durch ihren hohen Wert für die Investmentwirtschaft attraktiv. Die Versorgung der Wirtschaft mit Edelmetallen ist unkritisch. Diese Ergebnisse  brachte das heutige Pressegespräch der Fachvereinigung Edelmetalle e.V. in Pforzheim.

Der Absatz von Gold für industrielle Anwendungen (z.B. Elektronik) ist nach Ansicht von Dietmar Becker, Mitglied des Vorstandes der Fachvereinigung Edelmetalle, leicht gesunken. In der Investmentwirtschaft jedoch sei der Goldeinsatz für Barren und Münzen in Europa deutlich gestiegen – auch in Deutschland – und zwar jeweils zweistellig. Hoch sei auch die bisherige Nachfrage nach Silbermünzen. Die physische Nachfrage im Investmentbereich bleibe fest, trotz schwächerer Edelmetallpreise. Obwohl wegen des hohen Wertes ständig versucht wird, den Materialeinsatz zu reduzieren, sind die Ablieferungen von Edelmetallen in die einzelnen Industriesektoren insgesamt ordentlich.

Zunehmend „Bergbau über Tage“

Über die Hälfte der Platingruppenmetalle (Platin, Palladium, Rhodium) werden für Autoabgaskatalysatoren verwendet. Ein deutlicher Anstieg der Neuzulassungen haben somit auch zu Absatzsteigerungen dieser Technologiemetalle geführt, erklärte Dietmar Becker.

Die Versorgung mit Edelmetallen ist unkritisch. Maßgeblichen Anteil daran habe – so Becker – die bewährte Kombination aus professionellem, verantwortlichem Bergbau und ergänzendem Recycling. Dieser „Bergbau über Tage“ gewinne zunehmend an Bedeutung und sei das Paradefeld der deutschen Scheideanstalten. Eine nachhaltige, umweltschonende und hocheffiziente Recyclingtechnologie sei vorhanden. Weiter verbessert werden müsse jedoch die Sammellogistik. Hierzu gehöre auch, Anreizsysteme für die Material- und Produktrückgabe zu schaffen.

Deutsches Gold ist konfliktfrei

Das Gold, das in Deutschland verarbeitet wird, stamme überwiegend aus dem Recycling und wird somit verantwortungsvoll gewonnen, betonte das Vorstandsmitglied. Die führenden Scheideanstalten unterhielten ein internes System umfangreicher Prüfungen von Anlieferern und Materialherkunft. Die Beteiligung an weltweiten Akkreditierungssystemen täte ein Übriges, um eine ethisch einwandfreie Herkunft des Goldes sicherzustellen.

Schmucklegierungen halten ihr Ergebnis

Wie Georg Steiner, der Vorsitzende des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft, berichtet, ist die Absatzmenge an Schmuckhalbzeug von Gold im Jahr 2015 nahezu unverändert geblieben. Dies liege auch daran, dass die Scheideanstalten ihre Produkte näher am fertigen Schmuckstück auslieferten und somit bei den Schmuckherstellern weniger Bearbeitung anfalle, was zu geringeren Auslieferungsmengen geführt habe. Der positive Trend bei Platin- und Palladiumlegierungen konnte sich allerdings fortsetzen. Steiner erwartet für 2016 eine ähnliche Marktlage wie im vergangenen Jahr.

Allerdings musste er feststellen, dass der Einsatz edelmetallhaltiger Dentallegierungen bei der Versorgung mit Zahnersatz unverändert abnehme. Preiswerteren Nicht-Edelmetallen werde weiterhin der Vorzug gegeben. Daran werde sich wahrscheinlich auch 2016 nichts ändern.

Quelle: Fachvereinigung Edelmetalle e.V.