„Bio-Mining“: ZMS untersucht Wertstoff-Rückgewinnung aus Metallschlacken

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Laboranalyse (Foto: © Michael Bührke / http://www.pixelio.de)

Wien — Der bayerische Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) setzt neuerdings auf das sogenannte „Bio-Mining“, die Rückgewinnung von wertvollen Stoffen aus Metallschlacke durch Mikroorganismen. Genau genommen fällt das Verfahren, das der Zweckverband testet, unter den Begriff „Bioleaching“ – die Gewinnung von Metallen wie Kupfer, Zink, Aluminium oder Nickel aus Erzen durch chemische Umwandlung mit Hilfe von mikroskopisch kleinen Bakterien. Die Methode stammt aus dem Bergbau; Bergbaukonzerne setzen heute bereits weltweit auf biotechnische Verfahren.

Verfahren geheim gehalten

Vor zweieinhalb Jahren hatten die Verantwortlichen des ZMS Schwandorf die Idee, diese Technik auch bei Schlacken aus der Müllverbrennung einzusetzen. Immerhin finden sich in solchen Konglomeraten rund 30 verschiedene metallische Stoffgruppen, wenn auch in extrem geringer Konzentration. Da die Gewinnung der Metalle aus Schlacke komplizierter ist, wurde in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik und einem privaten Biotechnologie-Unternehmen ein eigenes Forschungsprojekt gestartet.

Das genaue Verfahren halten die Beteiligten geheim: Immerhin wird in Schwandorf eine – glaubt man den Verantwortlichen – weltweit einzigartige Biomining-Methode erprobt. Dabei befindet sich in zylinderförmigen Behältern eine Bioflüssigkeit voller Schlacke-Partikel, die verschiedene Bakterienkulturen lbei unterschiedlichen Temperaturen verwertbare Metalle aus dem Gemisch lösen.

Besonderes Interesse für Kupfer-Recycling

Laut ZMS Schwandorf kommen ausschließlich in der Natur vorhandene Bakterien zum Einsatz; Gentechnik sei nicht im Spiel. Derzeit wird noch an der Optimierung des Verfahrens gearbeitet. Vor allem für den Kupferanteil (ca. 0,5 Prozent) in der Schlacke interessieren sich die Wissenschaftler, doch auch bei Eisen, Zink, Aluminium und Nickel könnte die Rückgewinnung lohnenswert sein.

Bis Ende des Jahres sollen die Forschungen soweit abgeschlossen sein, dass über den großtechnischen Einsatz entschieden werden kann. Ausschlaggebend wird sein, ob man eine entsprechende Großanlage kostendeckend betreiben kann. Von den rund 450.000 Tonnen Müll, die in Schwandorf pro Jahr verbrannt werden, bleiben jedenfalls mehr als 90.000 Tonnen Schlacke übrig – die Basis für ein Bio-Metallrecycling im großen Stil wäre also vorhanden.

Quelle: UFH Holding GmbH