Agrarfolien – für Recycler eine echte Herausforderung

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Agricultural films (Foto: Starlinger & Co. GmbH)

Wien – Gestiegener Nahrungsmittelbedarf, Rückgang der Anbauflächen, Bodenschutz sowie erhöhte Kosteneffizienz: Der Markt für Agrarfolien verzeichnete im vergangenen Jahrzehnt einen stetig wachsenden Bedarf an landwirtschaftlichen Folien. Studien schätzten den Weltmarkt für Agrarfolien im Jahr 2015 auf 4 Millionen Tonnen ein und erwarten für den Zeitraum 2015 bis 2030 eine durchschnittliche Wachstumsrate von 5,6 Prozent. Steigender Verbrauch von Folien für landwirtschaftliche Anwendungen bringen auch immer größer werdende Mengen an Folienabfall mit sich. Da viele Länder die Deponierung einschränken, wächst stetig der Anteil des Folienrecyclings. Doch stellt die Aufbereitung gebrauchter Agrarfolien einige Herausforderungen an Recycler.

Das Material, das zum Recyceln angeliefert wird, ist meistens eine bunte Mischung aus verschiedenen Polymeren. Auch Verunreinigungen spielen eine große Rolle: Da Folienabfall häufig für den Transport in Ballen gepresst wird, ist es kaum möglich, Art und Grad der Verschmutzung festzustellen. Nicht selten befinden sich auf den Folien organische Stoffe, die zum Teil bereits verrottet sind, und eventuell vorhandene feste bzw. abrasive Fremdstoffe müssen vor dem Granulierprozess durch eine spezielle Schmelzefiltrierung eliminiert werden.

Trocknen durch Entlüftung oder Luftspülung

Feuchtigkeit – von der Aufbewahrung im Freien oder vom Waschprozess auf der Folie – erfordert eine spezielle Vortrocknung, um die problemlose Weiterverarbeitung zu gewährleisten. Je nach Feuchtigkeitsgehalt kommen hier unterschiedliche Trocknungsverfahren wie Entlüftung oder Luftspülung zum Einsatz. Die thermische Trocknung ist wegen des sehr dünnen Materials und der großen Oberfläche sehr energieintensiv. Zudem geht ein beträchtlicher Teil des Materials während des Trockenprozesses im Zyklon als Flusen verloren. Beträgt der Feuchtigkeitsanteil am Ausgangsmaterial weniger als 2 Prozent, kann dieses ohne Entlüftung verarbeitet werden. Ein Feuchtigkeitsanteil bis 4 Prozent erfordert eine Entlüftung, und wenn er bis zu 6 Prozent beträgt, ist eine Luftspülung erforderlich. Materialien mit sehr hohem Feuchtigkeitsgehalt – bis zu 8 Prozent – können auf Recyclinganlagen verarbeitet werden, die mit Luftspülung in Kombination mit einem verstärkten Agglomerator-Antrieb ausgestattet sind. Mit einem Kaskaden-Agglomerator können Materialien mit noch höherem Feuchtigkeitsanteil verarbeitet werden – möglich sind bis zu 15 Prozent.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Flexibilität. Da die Verfügbarkeit des Ausgangsmaterials starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist, sollte die Recyclinganlage die Möglichkeit bieten, zu anderen Zeiten andere Materialien wie Geotextilien, Bewässerungsrohre, Behälter usw. zu verarbeiten. Außerdem sollte die Anlage verschleißfest und für lange Standzeiten ausgelegt sein.

Je nach Güte des Regranulats

Je nach Qualität des Regranulats finden recycelte Agrarfolien in der Herstellung neuer Folien oder in anderen Anwendungen wie Extrusion und Spritzguss (Rohre, Behälter usw.) Verwendung. Starlinger recycling technology, eine Geschäftssparte des österreichischen Maschinen–bauunternehmens Starlinger & Co. GmbH, stellt Recyclingmaschinen für Kunststoffe her und hat bereits mehrere Recyclinganlagen für Agrarfolien und ähnliche Anwendungen installiert. Starlingers Anlagen der Serie recoSTAR dynamic – Nachfolger der recoSTAR basic-Serie und seit dem Frühjahr 2015 auf dem Markt – wurden speziell für die Verarbeitung stark verunreinigter und gewaschener Post-Consumer-Folien konzipiert. Je nach Bedarf sind die Anlagen mit unterschiedlichen Entgasungseinheiten, z.B. dem integrierten aber selbständigen C-VAC Modul, mit diskontinuierlich oder kontinuierlich arbeitenden Schmelzefiltern sowie vier zur Auswahl stehenden Granuliereinheiten ausgestattet.

Entgasungssteigerung durch C-VAC

Um die hohe Granulatqualität zu erzielen, die Anwendungen wie Spritzguss und Folienextrusion erfordern, muss die Schmelze gut gereinigt werden. Je nach Art und Ausmaß der enthaltenen Verunreinigungen bilden sich Gase, die beim Aufschmelzen zur Schaumbildung und in der Folge zu Lufteinschlüssen im Granulat führen können. Luftblasen im Regranulat verursachen Probleme im nachfolgenden Produktionsprozess, z.B. Flecken und Löcher in der produzierten Folie usw. Das Hochleistungs-Entgasungsmodul C-VAC kann mit jedem Starlinger-Recyclingextruder kombiniert werden. Es erhöht die Entgasungsoberfläche der Schmelze und damit auch die Entgasungswirkung und sondert effektiv alle Gase ab, die sich auf Grund der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials während des Extrusionsprozesses gebildet haben.

Mit dem C-VAC Modul kann schwer zu recycelnder Kunststoffabfall zu hochwertigem Regranulat aufbereitet werden, das sich für eine Vielzahl von Anwendungen eignet und höhere Verkaufspreise erzielt. Das Anlagenkonzept ermöglicht auch das Upcyceln durch die Beimischung von Additiven – eine Option, die die mögliche Anwendungspalette des produzierten Regranulats zusätzlich erweitert.

Quelle: Starlinger & Co. Ges.m.b.H.