bvse: Deutsche Stahlschrottbilanz 2013 zeigt rückgängigen Schrottverbrauch

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Stahlschrott (Foto: Marc Weigert)

Bonn — „Genau wie die Stahlindustrie, rechnet die Schrottwirtschaft für 2014 mit im Vergleich zu 2013 leicht verbesserten Absatzmöglichkeiten sowie einer gewissen Marktberuhigung“, erklärte Birgit Guschall-Jaik vom bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Die deutsche Rohstahlproduktion hat im vergangenen Jahr die Produktionsmenge aus 2012 nur knapp verfehlt und mit 42,6 Mio. Tonnen die Menge aus 2012 um 16.000 Tonnen unterschritten. Während die Rohstahlproduktion in Elektrostahlwerken fast 2,5 Prozent einbüßte, konnte sie in den integrierten Hüttenwerken um 1 Prozent zulegen.

Nach Angaben des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung führte die gesunkene Produktion in den Elektrostahlwerken zu einem verminderten Schrottverbrauch, der im Jahresvergleich um 462.000 Tonnen zurückging. „Die etwas geringere Abschwächung des gesamten Schrottverbrauchs von 19,7 Mio. Tonnen auf 19,4 Mio. Tonnen ist darauf zurückzuführen, dass die Hüttenwerke den Schrotteinsatz pro erzeugter Tonne um 5 kg steigerten, während die Elektrostahlwerke ihn um 7 kg pro Tonne senkten“, erläuterte bvse-Schrottexpertin Birgit Guschall-Jaik.

Der Schrottversand aus dem Inlandsaufkommen ist im betrachteten Zeitraum um knapp 1,1 Mio. Tonnen bzw. 4,8 Prozent gesunken. Hauptgrund für den Rückgang sind die um fast 900.000 Tonnen verminderten Exporte im vergangenen Jahr. Dennoch konnte der Sekundärrohstoff Schrott seinen Anteil an der Rohstahlproduktion mit weiterhin über 45 Prozent festigen.

Um rund 256.000 Tonnen verminderten die Gießereien ihren Schrottzukauf, wobei nach ersten Schätzungen des Bundesverbandes der Deutschen Gießereiindustrie, bdguss, auch die Produktion der Eisen, Stahl- und Tempergießereien um 7,1 Prozent bzw. von 5,8 Mio. Tonnen auf 5,4 Mio. Tonnen gesunken ist.

bvse-s-tb1Rückläufiges Preisniveau, gesunkenes Aufkommen

Während der Verbrauch der deutschen Stahlwerke gegenüber 2012 relativ konstant geblieben ist, zeigten die Preise eine eindeutig rückläufige Tendenz. Das durchschnittliche Jahrespreisniveau sank zum Beispiel bei der Sorte E3 von 2011 auf 2012 um 4,9 Prozent und von 2012 auf 2013 um 8,3 Prozent, wobei die Fixkosten der Unternehmen – wie beispielsweise die Strom- und Treibstoffkosten oder die Arbeitskosten – im entsprechenden Zeitraum gestiegen sind und die Ertragslage der Branche belastet haben.

Im Schrottjahr 2013 war der Markt in acht von zwölf Monaten ein Käufermarkt. Insbesondere musste statt der erwarteten Preis- und Absatzmengensteigerungen im ersten Quartal der Handel bis Juli kontinuierlich Preisanpassungen nach unten hinnehmen. So sank der beispielhaft herausgegriffene Durchschnittspreis für die Sorte E3 gem. Abb. in den ersten 7 Monaten des Jahres 2013 um € 56 pro Tonne bzw. rund 18 Prozent. Den deutlichsten Abschlag gab es im Juni mit € 20 pro Tonne.

Erst zum Jahresende hin konnten sich die Preise auf das Niveau vom Mai 2013 erholen. Da die Ausfuhr 2013 gegenüber 2012 wie in der Einleitung erwähnt um 9,1 Prozent abgesackt ist, überstieg in einigen Monaten das Schrottangebot die Nachfrage, zumal eine konjunkturelle Belebung in einigen wirtschaftlichen Bereichen insbesondere das Neuschrottaufkommen steigerte. Das aber wirkte sich in einigen Monaten preisbelastend aus.

Der Stahlverkaufspreis spielte für die Stahlproduzenten im vergangenen Jahr eine gewichtige Rolle. Die Wettbewerbssituation machte es ihnen so gut wie unmöglich, die gewünschten Preisvorstellungen im Fertigstahlmarkt durchzusetzen. Wie hoch der Preis- und Kostendruck war, zeigt der drastisch gestiegene Späneverbrauch im vergangenen Jahr. Die Schrottverbraucher haben ihn laut Daten der Wirtschaftsvereinigung Stahl von 2012 auf 2013 um rund 70.000 Tonnen erhöht, wodurch diese Sorte fast 10 Prozent im Sortenmix der Werke ausmachte. Begünstigt wurde der Späneabsatz durch das einerseits erhöhte Aufkommen und andererseits die rückläufigen Exportmöglichkeiten via Container Richtung Indien.

bvse-s-tb2Frühjahrsbelebung fiel aus

Der Handel hoffte, die im Verlauf des Jahres 2013 erlittenen Verluste zum Jahresende wieder wettmachen zu können, und ließ sich zu teilweise extremen Spekulationen hinreißen. Da das hieraus resultierende Angebot, gepaart mit einer angespannten Liquidität etlicher Marktteilnehmer, zu Beginn des Jahres 2014 auf eine deutlich verhaltene Nachfrage traf, zerplatzen die Hoffnungen recht zügig.

Gestützt durch den rein kalendarischen Winter 2013/2014 und die fehlende Nachfrage aus der Türkei fiel gleich zum Jahresbeginn die erwartete Frühjahrsbelebung aus. Statt der erwarteten Preiserhöhungen mussten deutliche Senkungen akzeptiert werden.

Der Trend könnte sich möglicherweise wie im vergangenen Jahr bis zum Ende des zweiten Quartals 2014 fortsetzen. Die Stimmung des Handels war im abgelaufenen Jahr eher pessimistisch. Bei einem Rückgang des Schrottaufkommens aus dem Inland von fast fünf Prozent wird klar, dass das Überangebot an Aufbereitungsanlagen bei der deutschen Schrottwirtschaft lediglich den Wettbewerb um das Vormaterial hinsichtlich Preisgestaltung und Beschaffung ruinös verschärft.

Auf Grund der geschickten und kaum einschätzbaren Einkaufspolitik der türkischen Schrottverbraucher, die im Übrigen die wichtigsten europäischen Abnehmer sind, ist es kaum möglich, für 2014 eine verlässliche Prognose abzugeben. Es scheint im Moment so, dass der heimische Markt auf absehbare Zeit ein Käufermarkt bleibt, der von kurzfristigen Faktoren bestimmt wird.

Autorin: Birgit Guschall-Jaik, bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung