Die Zukunft der energetischen Abfallverwertung in Deutschland

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Foto: Dr. Jürgen Kroll

Bonn/Berlin — Nahezu 100 Experten der Deutschen Entsorgungswirtschaft folgten am 21. Januar in Bonn einer Einladung der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft. Sie erörterten die wesentlichen Einflussfaktoren für die weitere Entwicklung der Auslastung der energetischen Abfallverwertungsanlagen in Deutschland.

Derzeit sind die 80 deutschen energetischen Verwertungsanlagen nach Angaben ihrer Betreiber voll ausgelastet. Dies soll tendenziell auch mindestens mittelfristig so bleiben. Industrielle Marktteilnehmer und Kommunen sehen sich daher mit steigenden Verwertungspreisen konfrontiert und müssen dies in ihre Planungen einbeziehen.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Prof. Martin Faulstich, machte dabei deutlich, dass neben den schon bestehenden auch neue Stoffströme den Verbrennungsanlagen zugeführt werden könnten. „EU-weite Bemühungen zur Verminderung der Deponierung, Auswirkungen der Gesetze zur Energiewende in Deutschland oder das geplante Verbot der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm sorgen für weitere Brennstoffe für die energetische Verwertung. Auch die zunehmende Verstädterung sowie ein verstärkter Zuzug mit entsprechenden Folgen einer potentiellen Erhöhung der Abfallmenge zur energetischen Verwertung werden für weitere Nachfrage sorgen“, erläuterte Prof. Faulstich und verwies dabei auf Ergebnisse einer in Kürze publizierten Studie des Umweltbundesamtes.

Für den Präsidenten der DGAW, Thomas Obermeier, steht fest, dass sich Industrie und Kommunen auf diese Entwicklung einstellen müssen. Auch sieht er in steigenden Preisen für die energetische Abfallverwertung eine Unterstützung der Recyclingpolitik der Bundesregierung: „Kreislaufwirtschaft und energetische Abfallbehandlung sind auch in Zukunft kein Widerspruch. Steigende Verbrennungspreise bedeuten eindeutig mehr Spielraum für effiziente und hochwertige Recyclingverfahren.“

Obermeier kündigte eine Publikation der DGAW an, in welcher er die in der Diskussion genannten wesentlichen Einflussfaktoren der Auslastung der energetischen Verwertungsanlagen synoptisch darlegen wolle. Dies seien unter anderem:

  1. Die gute Konjunktur und verstärkte private Nachfrage
  2. Deponieverbote im und Abfallimporte aus dem europäischen Ausland
  3. Steigende Kosten und Stilllegungen von Mechanisch-BiologischenAbfallbehandlungsanlagen
  4. Stilllegungen von veralteten Müllverbrennungsanlagen und Ersatzbrennstoffkraftwerken
  5. Stilllegungen von Kohlekraftwerken bzw. deren Einstufung als Kapazitätsreserve und damit Wegfall eines Teils von Mitverbrennungsmöglichkeiten von Ersatzbrennstoffen
  6. Abnehmende Ersatzbrennstoffnachfrage der Zementindustrie bei Ölpreistiefstand
  7. Aufgeschobene Revisionen und ungeplante Stillstände von Anlagen in der aktuellen Dekade
  8. Hohe aktuelle Lagerbestände der Entsorgungsunternehmen
  9. Steigende Heizwerte der Restabfälle infolge verstärkter Bioabfallsammlung
  10. Erhöhung des Sperrmüllaufkommens aufgrund konjunkturell bedingter erhöhter privater Konsumausgaben
  11. Sinkende Kapazitäten von sogenannten DKII-Deponien
  12. Erschwernis des stofflichen Recyclings, sinkende Wertstoffpreise

Quelle: DGAW – Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V.